Die Arbeiten am zentralen liturgischen Buch für die Feier der Eucharistie haben seit Mitte 2024 spürbar an Fahrt aufgenommen. Das dreistufige Revisionsverfahren auf dem Weg zu einem neuen deutschsprachigen Messbuch steht derzeit am Übergang von der ersten Projektphase, in der die neu zu erstellenden Inhalte des Messbuchs behandelt wurden, zur zweiten Projektphase, die eine moderate Revision bereits bestehender Messbuch-Texte zum Ziel haben wird. Was heißt das konkret?
Nach der Auftaktveranstaltung zur Revision des Messbuchs für das deutsche Sprachgebiet im Juli 2024 in Köln (vgl. Gd 16/2024, S. 173–176) haben vier Arbeitsgruppen mit je sechs bis sieben Mitgliedern sowohl aus der Liturgiewissenschaft, der Kirchenmusik und der Exegese als auch aus der pastoralen Praxis ihre Arbeit begonnen. Die Übersetzungsarbeiten der Arbeitsgruppen orientierten sich an Leitlinien, die Bezug nehmen auf das Motu proprio Magnum principium (MP). Gemäß diesem Dokument von Papst Franziskus ist bei Übersetzungen liturgischer Texte eine dreifache Treue nötig: zum Originaltext in den lateinischen Modellbüchern, zur Zielsprache und zu den Adressaten des liturgischen Textes. Die Leitlinien der Messbuch- Revision verfolgen in diesem Sinn als Übersetzungsprinzip eine „dynamische Äquivalenz“. Ziel ist eine Übertragung des Aussageinhalts in die Zielsprache, wobei das primäre Kriterium eine möglichst verständliche und gute deutsche Sprachform ist, während beispielsweise lateinische Begrifflichkeiten, Sprachbilder und Satzstellungen dahinter zurücktreten.
In der ersten Projektphase stand die Erstellung neuer Texte an. Hierzu haben die vier Arbeitsgruppen zum einen die neuen Texte des Missale Romanum 2002/2008 ins Deutsche übersetzt. Das sind Texte etwa für neue Heilige sowie für Feiern am Vorabend der Hochfeste Erscheinung des Herrn und Christi Himmelfahrt. Weitere Neuerungen sind Segensgebete über das Volk für jeden Tag der Österlichen Bußzeit sowie neue Messformulare wie „Von der Göttlichen Barmherzigkeit“ oder mehr Auswahlmöglichkeiten beispielsweise für die Begräbnisfeier.
Zum anderen wurden in der ersten Projektphase Elemente völlig neu erstellt, z. B. ergänzende Perikopenorationen (Tagesgebete ohne lateinische Vorlage, die sich an den jeweiligen Schriftlesungen des Sonntags orientieren) und Kommunionverse für die drei Lesejahre nach dem Vorbild mehrerer anderssprachiger Messbücher.
Die neu durch die Arbeitsgruppen erstellten Texte wurden in einem mehrstufigen Verfahren bereits von der Projektleitung der Messbuch-Revision sowie von der „Konferenz Liturgie der Kirche im deutschen Sprachgebiet“ (KLD), die die Erarbeitung des revidierten Messbuchs verantwortet, gesichtet, kommentiert und besprochen. Die KLD besteht aus Bischöfen sowie Beraterinnen und Beratern der deutschsprachigen Länder. Die Arbeitsgruppen haben im September 2026 die Überarbeitung der Texte aufgrund der aus diesen Fachkreisen zurückgemeldeten Kommentare abgeschlossen.
Erprobung neuer Texte
Ein Teil der für das zukünftige Messbuch neu erarbeiteten Texte soll in der Zeit von Aschermittwoch, dem 10. Februar 2027, bis zum 30. Juni 2027 in ausgewählten Kirchengemeinden und Ordensgemeinschaften in der Liturgie erprobt werden.
Die Auswahl der Kirchengemeinden erfolgte auf diözesaner Ebene durch die Liturgiereferate (Deutschland) oder durch die jeweils zuständigen Liturgischen Institute (Österreich und Schweiz) und berücksichtigt zwei bis maximal fünf Pfarreien bzw. Pastoralräume (je nach Diözesangröße und -struktur). Dabei sollten unterschiedliche pastorale Situationen (z. B. Stadt/Land) und unterschiedliche liturgische Schwerpunkte oder Akzente (klassische Liturgiepraxis/ kreative Pastoral) Berücksichtigung finden. Regelmäßige Messfeiern und/oder Wort-Gottes-Feiern (auch an Werktagen) spielten eine Rolle, genauso wie die Frage, ob die verschiedenen liturgischen Dienste in der Gottesdienstpraxis und gegebenenfalls auch ein Liturgiekreis etabliert sind. Klöster bzw. Ordensgemeinschaften im deutschen Sprachgebiet wurden durch die Projektleitung in Absprache mit Verantwortlichen aus den Orden ausgewählt.
Bei den neuen Texten, die erprobt werden sollen, handelt es sich vor allem um Segensgebete über das Volk für die Österliche Bußzeit, Perikopenorationen, Kommunionverse mit Bezug zum Evangelium sowie ein weiteres Hochgebet zum Thema „Versöhnung“, das sich besonders für die Verwendung in der Österlichen Bußzeit eignet. Die Perikopenorationen können auch in Wort-Gottes-Feiern genutzt werden. Zu den neuen Texten des Messbuchprojekts werden in kommenden Ausgaben dieser Zeitschrift weitere Beiträge aus den einzelnen Arbeitsgruppen erscheinen, die die Eigenart der verschiedenen neuen Textgattungen vorstellen und Hinweise zur Verwendung in der Liturgie geben.
Im November 2026 wird für die Beteiligten der Erprobung außerdem eine Online-Informationsveranstaltung stattfinden, bei der weitere Hinweise zum Erprobungsprozess gegeben werden und Fragen thematisiert werden können. Für die Erprobung selbst erhalten die ausgewählten Gemeinden und Ordensgemeinschaften Anfang 2027 gedruckte Probepublikationen mit den benötigten neuen Texten.
Während der Erprobungsphase können die verantwortlichen Personen der ausgewählten Gemeinden und Ordensgemeinschaften ihre Eindrücke und Verbesserungsvorschläge kontinuierlich nach den gefeierten Gottesdiensten mit personalisierten Zugangsdaten über eine Online-Eingabemaske einreichen. Erwartet werden keine ausgefeilten liturgietheologischen Kommentare, sondern eine kurze Bewertung der einzelnen Texte. Konkrete Verbesserungsvorschläge können mit einer kurzen Begründung eingereicht werden. Abschließend geht es darum, einen Gesamteindruck von der Qualität der neuen Texte im Blick auf Sprache, Inhalt, Hörverständlichkeit, betenden Mitvollzug, Lebensnähe und Kantillierbarkeit rückzumelden (bis 30. Juni 2027).
Öffentliche Konsultation zu bisherigen Messbuch-Texten
Vom beschriebenen (nicht-öffentlichen) Erprobungsprozess neuer Messbuch-Texte in ausgewählten Gemeinden/Ordensgemeinschaften zu unterscheiden ist ein breit angelegter öffentlicher Konsultationsprozess zum bisherigen Messbuch. Für die in der zweiten Projektphase anstehende moderate Revision des bisherigen deutschsprachigen Messbuchs ist eine Beteiligung von Personen aus unterschiedlichen (Fach-)Kreisen und aus der pastoralen Praxis möglich: Vom 1. November 2026 bis 30. Juni 2027 können über eine Online-Eingabemaske eventueller Revisionsbedarf und konkrete Verbesserungsvorschläge zu einem bestimmten Text im bisherigen Messbuch zurückgemeldet werden (vgl. die Info-Box am Ende des Beitrags).
Verschiedene Angaben sind hierfür nötig: Zunächst wird um die Einwilligung zur Weiterverwendung der eingegebenen Daten gebeten. Optional können Angaben zur eigenen Person und Funktion gemacht werden, um die Rückmeldungen auch statistisch auswerten zu können. Die freiwillige Angabe einer E-Mail-Adresse ermöglicht Rückfragen, falls Unklarheiten zur Rückmeldung bestehen sollten. Nach den allgemeinen Angaben erfolgt die konkrete Rückmeldung zu einzelnen Formulierungen. Es wird darum gebeten, die Seite im bestehenden Messbuch (schwarze Seitenziffer) und die rote Angabe zur Art des Textes in der Randspalte bzw. die schwarze Nummer eines Auswahl-Textes sowie die betreffende( n) Textzeile(n) einzugeben. Danach folgen ein möglichst konkreter Verbesserungsvorschlag sowie eine kurze Begründung dazu. Ziel der Messbuch-Revision ist gemäß Beschluss der Bischofskonferenzen eine moderate Überarbeitung der bestehenden Messbuch-Texte, ohne diese aus der lateinischen Vorlage neu zu übersetzen. Daher können Rückmeldungen allgemeiner Natur und umfassende Fragestellungen nicht berücksichtigt werden.
Mit der Online-Rückmeldemöglichkeit soll sichergestellt werden, dass die Erfahrungen aus mehr als 50 Jahren pastoralliturgischer Praxis seit der Veröffentlichung des deutschsprachigen Messbuchs in die moderate Revision der bisherigen Messbuch- Texte einfließen können.
Weiterer Verlauf der Revision
In der dritten Projektphase werden alle erarbeiteten Inhalte, darunter auch die Eigentexte und Eigenriten des deutschen Sprachraums, die teilweise bereits bei vorausgehenden Messbuchprojekten von den deutschsprachigen Bischöfen approbiert wurden, miteinander verzahnt und gegebenenfalls notwendiges weiteres Eigengut ergänzt. Hierzu zählen insbesondere das deutsche Eigengut im Ordo Missae, in der „Allgemeinen Einführung in das Römische Messbuch“ („Grundordnung“), bei der Feier der Karwoche, bei den Tages-, Gaben- und Schlussgebeten zur Auswahl, aber auch einzelne Wünsche nach bestimmten zusätzlichen Messformularen.
Der Abschluss der Erarbeitungsphase ist für Ende 2028 anvisiert. Darauf folgen die Approbation durch die Bischöfe des deutschen Sprachraums, die römische Konfirmierung beziehungsweise Rekognoszierung bei neuen Texten sowie Redaktionsarbeiten und die Drucklegung des neuen Messbuchs. Die aufwendigen Verfahren werden noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Nach dem aktuellen Planungsstand wird ein Erscheinen des neuen Messbuchs im Jahr 2033 angestrebt.
Messbuch: Ihre Rückmeldung ist gefragt
Sie sind herzlich eingeladen, sich an der Revision des bisherigen Messbuchs zu beteiligen. Vom 1. November 2026 bis 30. Juni 2027 können Sie über eine Online-Eingabemaske konkrete Verbesserungsvorschläge zu einzelnen Messbuchtexten einreichen über https://www.umfrageonline.com/c/messbuch bzw. den nebenstehenden QR-Code.
Hinweis: Die Umfrage ist erst ab dem 1. November 2026 freigeschaltet.