kunst und kirche blickt auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück und gehört zu den traditionsreichsten Zeitschriften an der Schnittstelle von Kunst, Architektur und Religion im deutschsprachigen Raum. Ihre Geschichte reicht zugleich über das Gründungsjahr 1924 hinaus und bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Auf evangelischer Seite bildeen das 1858 gegründete Christliche Kunstblatt für Kirche, Schule und Haus, auf katholischer Seite die seit 1860 in Linz herausgegebenen Christlichen Kunstblätter namhafte Vorgängerzeitschriften. Beide entstanden aus dem Anliegen, die Beziehungen zwischen christlicher Religion, Kunst und Architektur publizistisch zu begleiten und mitzugestalten.
1924 wurde Kunst und Kirche dann als neue Zeitschrift des Vereins für religiöse Kunst in der evangelischen Kirche gegründet und trat damit die Nachfolge des zuvor zu Religiöse Kunst umbenannten Christlichen Kunstblatts an. Schnell entwickelte sich die neue Zeitschrift zu einem wichtigen Forum für die Auseinandersetzung des deutschsprachigen Protestantismus mit moderner Kunst und Architektur in der Weimarer Republik. Sie verstand sich nicht mehr, wie ihre Vorgängerzeitschriften, primär als Organ zur Pflege kirchlicher Kunst, sondern als Forum für die Auseinandersetzung mit den künstlerischen und gesellschaftlichen Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg. Insbesondere in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren wurde die Zeitschrift zum progressivsten Organ der Annäherung von Religion und ästhetischer Moderne im deutschsprachigen Raum. Expressionismus und Neue Sachlichkeit wurden ebenso diskutiert wie neue Formen des Kirchenbaus und der zeitgenössischen Formensprache religiöser Darstellung. Namhafte Architekten, Philosophen und Kunsttheoretiker gehörten zu den prägenden Stimmen.
Diese Entwicklung wurde durch die Zeit des Nationalsozialismus unterbrochen. Seit 1933 veränderten Gleichschaltung und nationalsozialistische Kulturpolitik auch das institutionelle Umfeld und das Profil der Zeitschrift grundlegend. 1942 wurde sie in Die Kunst der Kirchen umbenannt, 1943 stellte sie ihr Erscheinen ein. Die Geschichte dieser Jahre und die personellen und institutionellen Kontinuitäten über 1945 hinaus gehören heute zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Zeitschriftengeschichte.
1957 wurde Kunst und Kirche im Umfeld des Evangelischen Kirchbautags als Vierteljahreszeitschrift für Kirchenbau und kirchliche Kunst neu begründet. In einer Zeit intensiver Bautätigkeit der Kirchen wurde sie zu einem wichtigen Forum für die Diskussion moderner Sakralarchitektur, neuer Kirchenräume und zeitgenössischer Kunst. Zugleich knüpfte sie bewusst an die Reformimpulse und die Offenheit gegenüber der Moderne aus der Zeit vor 1933 an.
Eine parallele Entwicklung vollzog sich auf katholischer Seite. Auch die traditionsreichen Linzer Christlichen Kunstblätter öffneten sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend der zeitgenössischen Kunst und Architektur. Besonders seit den 1950er Jahren wurden sie zu einem Ort der Auseinandersetzung mit moderner Kunst, neuen Kirchenräumen und einem veränderten Verhältnis von Kirche und Gegenwart.
1971 wurden beide Traditionslinien dann zusammengeführt. Kunst und Kirche und die Christlichen Kunstblätter vereinigten sich zu Kunst und Kirche. Ökumenische Zeitschrift für Architektur und Kunst. Die Fusion stand im Zeichen der ökumenischen Bewegung und der kirchlichen Reformprozesse der Nachkriegszeit. Von nun an ging es zunehmend darum, Fragen von Kunst und Architektur nicht allein innerhalb konfessioneller Traditionen, sondern im größeren Zusammenhang gesellschaftlicher, kultureller und religiöser Veränderungen zu diskutieren.
In den folgenden Jahrzehnten erweiterte sich das Spektrum der Zeitschrift kontinuierlich. Neben Architektur, Kirchenbau und bildender Kunst traten gesellschaftliche, politische, ökologische und ethische Fragestellungen. Zugleich öffnete sich die Zeitschrift über die christlichen Konfessionen hinaus für interreligiöse und transkulturelle Perspektiven. Aus einem Fachorgan für Kirchenbau und kirchliche Kunst entwickelte sich damit zunehmend ein Forum für die ästhetische Wahrnehmung und kritische Reflexion der Gegenwart in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Seit 2018 bringt der Untertitel Magazin für Kritik, Ästhetik und Religion dieses erweiterte Selbstverständnis zum Ausdruck. kunst und kirche fragt nach den vielfältigen Beziehungen zwischen zeitgenössischer Kunst, Religion und Gesellschaft. Die Zeitschrift verbindet Perspektiven aus Kunst und Architektur mit Theologie, Religionswissenschaft, Philosophie sowie Kultur- und Sozialwissenschaften. Themenhefte widmen sich aktuellen künstlerischen Entwicklungen ebenso wie gesellschaftlichen Kontroversen, neuen Formen religiöser Praxis und Architektur, Erinnerungskultur, Geschlechterfragen, interreligiösen Räumen oder den Transformationen kirchlicher Institutionen.
Die Geschichte von kunst und kirche spiegelt damit zugleich den tiefgreifenden Wandel im Verhältnis von Kunst und Religion seit dem 19. Jahrhundert: von einer konfessionell geprägten Kunstpublizistik über die Auseinandersetzung mit der Moderne, die Brüche des Nationalsozialismus und den ökumenischen Aufbruch der Nachkriegszeit bis zur gegenwärtigen religiösen und kulturellen Pluralität.
Heute erscheint kunst und kirche viermal jährlich. Mit thematischen Schwerpunkten, wissenschaftlichen und essayistischen Beiträgen, Gesprächen, Reportagen und künstlerischen Positionen versteht sich die Zeitschrift als offenes Forum für die Frage, welche Rolle Kunst und Religion bei der Wahrnehmung, Deutung und Gestaltung der Gegenwart spielen.