Alle kennen den Atem. Er kommt bei der Geburt und geht beim Sterben. Atmen ist mehr als nur Luftaustausch, sondern Ausdruck des Lebens selbst. Dabei ist Luft nicht das Eigentum eines Einzelnen, sondern ein Medium, in das wir alle schon immer eingelassen sind und uns selbstverständlich erscheint. Dennoch bleibt viel zu entdecken. Wie gelingt es den Künsten, Atem als Medium, Material und Metapher einzusetzen? Weshalb trägt der Fakt, dass alle Religionen den Atem als heilig erachten, kaum realpolitische Folgen? Die Herbstausgabe von kunst und kirche blickt auf das facettenreiche Thema rund um spirare (lat. atmen) aus diversen Perspektiven. Es nimmt die Sicht der Bibelwissenschaften, der Künste, der Meditation und der Rechtswissenschaften auf. Dabei zeigt sich, dass die Komplexität des Themas in verschiedener Hinsicht kaum Beachtung findet. Viele Aspekte allerdings erinnern uns an die phonetische und an die metaphorische Nähe zum Wort sperare (lat. hoffen). Solange wir Atem schöpfen können, ist die Welt nicht verloren.
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