Sicherheit & HaltStärkende Rituale im Kita-Alltag

Sensible, sehr junge oder auch traumatisierte Kleinstkinder profitieren in besonderem Maße von täglich wiederkehrenden Handlungen und Aktionen in der Kita. Mit diesen Impulsen können Sie die Jüngsten gezielt unterstützen.

Erzieherin zieht Mädchen an der Garderobe aus.
© Harald Neumann

Rituale sind Handlungen, die Symbolkraft haben und Menschen Sicherheit und Halt geben. Das empfinden auch die Jüngsten bei alltäglich wiederkehrenden Aktionen in der Kita so. Sie strukturieren ihren Tag und geben ihnen Orientierung. Vor allem für Kinder, die noch gar nicht oder nur wenig sprechen können oder die deutsche Sprache nicht verstehen, die etwas Traumatisches erlebt haben (s. S. 6 ff.) oder sehr sensibel sind, stellen Rituale eine großartige Unterstützung dar: Ihr Tag wird vorhersehbar und Stress reduziert.

Rituale im Kita-Alltag können sein:

  • Begrüßen & Verabschieden
  • Morgenkreis
  • Aufräumen
  • Übergänge zu verschiedenen Räumen & Aktivitäten
  • Mahlzeiten
  • Wickeln & Toilette
  • Trösten

Entspannung einbauen

Um das innere Stresslevel insbesondere von traumatisierten Kindern niedrig zu halten, eignen sich zudem Entspannungsrituale. Yoga, Traumreisen, ruhige Geschichten und Musik zählen dazu. Konkret könnte ein Entspannungsritual so aussehen:
Um eine Ruheinsel im Alltag zu schaffen, rufen Sie die Kinder mit einem leisen Gong oder einer Klangschale zu sich. Die Jungen und Mädchen wissen schon, was folgen wird, wenn sie den Klang hören. Vielleicht hat jedes Kind ein Kissen, das es sich eigenständig nehmen kann? Wenn Sie das Ritual einführen, fragen Sie, ob die Kinder sich lieber hinlegen oder setzen möchten. Überlegen Sie gemeinsam: „Wo ist ein geeigneter Raum für eine Ruheinsel?“
Beginnen Sie nun mit der Anleitung einiger passender Körperübungen oder mit einer Entspannungsgeschichte. Beenden Sie das Ritual, wie es begonnen hat, mit einem akustischen Signal.

Vorhersehbarkeit & Transparenz

Sicherlich haben Sie einen klar strukturierten Kita-Alltag: Ankommen, Morgenkreis, Freispiel, Mittagessen, usw. Besonders hilfreich ist es, wenn dieser Ablauf möglichst gleichbleibend ist und visualisiert wird. Finden Sie Symbole für die täglichen festen Rituale. Diese können an einer Wandtafel als Kreis angeordnet oder auch als Leiste oder Zeitstrahl platziert werden. Die Kinder können vielleicht schon selbst einen Pfeil oder eine Klammer verschieben oder eine Fachkraft ist dafür zuständig. Wichtig ist, dass die Tafel immer aktuell gehalten wird. Ältere Kinder übernehmen diesen Dienst meist gerne.

Schöne Momente schaffen

Um den teilweise düsteren und traurigen inneren Bildern traumatisierter Kinder etwas entgegenzusetzen, können Sie die Jungen und Mädchen darin unterstützen, ein positives Selbstbild zu entwickeln. Um die schönen Momente nicht nur auf Ausflüge und besondere Feierlichkeiten zu begrenzen, können Sie ein zusätzliches Ritual im Alltag schaffen, z.B.:

  • Einmal die Woche oder gar einmal am Tag bieten Sie den Jüngsten die Möglichkeit, klassischer Musik zu lauschen, dazu zu tanzen, sich zu kostümieren und zu schminken.
  • Schauen Sie gemeinsam Bilder bekannter Künstler an.
  • Bieten Sie feste Zeiten für Erzähltheater wie das Kamishibai an.
  • Haben Sie in Ihrer Einrichtung besondere Materialien, die nicht immer verfügbar sind, wie etwa ein XXL-Bodenpuzzle? Es wird den Kindern große Freude bereiten! Auch dieses Ritual können Sie akustisch einleiten, z.B. durch eine bestimmte Musik oder visuell, indem sie ein Schild oder ein Tuch aufhängen.

Hallo & Tschüss

Das Ankommen und Verabschieden sind verlässliche Momente im Kita-Alltag. Um die Jüngsten in diesen Situationen zu unterstützen, können Sie auch hier feste Rituale etablieren.

Begrüßen: Ein Kind sollte nach Möglichkeit immer von der gleichen Fachkraft in Empfang genommen werden, die ihm dann verschiedene Begrüßungsoptionen anbietet: abklatschen, Hände schütteln, umarmen, winken. Die Kinder können anhand von gut sichtbaren Piktogrammen, die in der Garderobe an der Wand hängen, eine der Optionen auswählen. So können selbst die Jüngsten frei wählen, was ihnen am angenehmsten ist. Die Kinder können zusätzlich ein Foto von sich an der Garderobe anpinnen und damit gut sichtbar machen, dass sie anwesend sind.

Verabschieden: Auch hier können die bekannten Grußformeln eingesetzt werden. Das Kind nimmt sein Bild wieder ab und wird mit einem immer gleichen Satz oder Spruch verabschiedet.

Diese wertschätzenden Handlungen verleihen dem Kita-Tag einen besonderen Rahmen. Die Kinder erfahren, dass sie wichtig sind, sie wissen, wo und wie der Tag beginnt und endet, und schöpfen daraus Sicherheit.

Trösten

Hinfallen, kleinere Unfälle, etwas vermissen – auch das Trösten ist eine immer wiederkehrende Handlung im Kita-Alltag, die Sie ritualisieren können.
Verwenden Sie stets den gleichen Trostvers oder singen Sie regelmäßig das gleiche Lied. Das gemeinsame Einrichten einer Trostbox mit den Kindern kann ein wahrer Schatz werden: In die Box kommen Dinge, die besonders gut trösten können, z.B. ein Bild mit dem Trostvers, ein Kuscheltier (vielleicht passend zum Gruppennamen), besondere Taschentücher, Pflaster mit Motiven, ein Duftöl, ein Handschmeichler oder ein Edelstein, eine Musik-CD, ein Buch oder eine Geschichte und alles, was Sie und die Kinder für hilfreich erachten. Braucht ein Kind Trost, kann es sich allein oder gemeinsam mit der Fachkraft die Trostbox holen und sich etwas auswählen.

Kleine Schätze

Bei Ritualen denken wir oft an die oben beschriebenen Klassiker. Doch auch kleine, unscheinbare Handlungen können durch ein ritualisiertes Vorgehen an Bedeutung gewinnen und dem Kind gegenüber Wertschätzung ausdrücken. Nehmen Sie einen alten Setzkasten oder eine Sortierkiste und platzieren Sie diese an einem prominenten Platz. Besonders schön ist eine jahreszeitlich passende Deko dazu. In die einzelnen Fächer können die Kinder nun alles hineinlegen, was sie an Schätzen finden: Eicheln, Kastanien, ein besonderes Blatt, einen schönen Stein, eine Schraube, eine Feder usw. Nehmen Sie sich einmal die Woche Zeit, alle Schätze zu bestaunen und entscheiden Sie gemeinsam, was noch bleiben soll, was vielleicht in eine Sammelkiste wandert, was verarbeitet oder mit nach Hause genommen werden darf.

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