Retabel (von lat. retro tabulum = Rücktafel, Bildwand hinter dem Altar) bezeichnet den künstlerisch gestalteten Aufbau hinter oder über einem Altar. Meist besteht ein Retabel aus Bildtafeln, Skulpturen, Schnitzwerk oder architektonischen Rahmungen und prägt besonders in älteren Kirchen den Bereich des Altars. Es dient der Hervorhebung des heiligen Ortes und der bildlichen Vergegenwärtigung zentraler Glaubensinhalte.
Retabel entwickelten sich vor allem im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zu bedeutenden Formen sakraler Kunst. Häufig zeigen sie Szenen aus dem Leben Christi, Mariens oder der Heiligen und orientieren sich am Kirchenjahr oder am Patrozinium der Kirche. Besonders bekannt sind Flügelaltäre, deren Bildseiten je nach Festzeit geöffnet oder geschlossen werden konnten. Das Retabel verbindet so Liturgie, Katechese und Kunst: Es schmückt nicht nur den Altarraum, sondern erschließt Glaubensinhalte in sichtbarer Form.
In der neueren Liturgie gewann wieder stärker der freistehende Altar Bedeutung, der von allen Seiten umschritten und an dem die Eucharistie der Gemeinde zugewandt gefeiert werden kann. Damit knüpft man an frühchristliche Traditionen an, in denen der Altar selbst klar im Mittelpunkt stand. Retabel bleiben jedoch als kunst- und liturgiegeschichtliche Zeugnisse von hoher Bedeutung. In vielen Kirchen prägen sie weiterhin den Raum.
Manuel Uder, Trier