Brotbrechen bezeichnet das Brechen und Austeilen des Brotes als zentrale Zeichenhandlung beim letzten Abendmahl Jesu und in der christlichen Eucharistie. Im Neuen Testament wird „Brotbrechen“ sogar als Bezeichnung für die gesamte Feier des Herrenmahls verwendet (vgl. Apg 2,42.46; 20,7; 1 Kor 10,16): Jesus nimmt Brot, spricht den Lobpreis, bricht es und gibt es seinen Jüngern. Diese Handlung knüpft an jüdische Mahlpraxis an, erhält durch Jesus jedoch eine neue Tiefe: Das gebrochene Brot wird Zeichen seiner Hingabe für das Leben der Welt. Auch in der Emmauserzählung erkennen die Jünger den Auferstandenen „beim Brechen des Brotes“ (Lk 24,30–35).
In der Messfeier findet das Brotbrechen nach dem Friedensgruß statt und wird vom Gesang Agnus Dei begleitet. Es dient nicht nur praktischen Zwecken der Austeilung, sondern besitzt eine tiefe symbolische Bedeutung. Nach Paulus wird die Einheit der Glaubenden sichtbar: „Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1 Kor 10,17). Zudem verweist das Brotbrechen zugleich auf die Lebenshingabe Christi und auf die Gemeinschaft der Kirche, die aus der Eucharistie lebt. Deshalb zählt es zu den ältesten und wichtigsten Kommunionriten.
Historisch trat die Zeichenkraft des Brotbrechens zeitweise zurück, weil kleinere Einzelhostien üblich wurden und oft nur die Hostie des Priesters gebrochen wurde. Die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils hat die Bedeutung dieses Ritus erneut hervorgehoben. Das Messbuch betont, dass das Brotbrechen „die Einheit aller in dem einen Brot wirksam und deutlich zum Ausdruck“ bringt. Wo möglich, soll daher wieder erfahrbar werden, dass die Gemeinde am einen gebrochenen Brot Christi Anteil erhält. So bleibt das Brotbrechen ein sprechendes Zeichen für Hingabe, Gemeinschaft und Gegenwart des auferstandenen Herrn.
Manuel Uder, Trier