Erzieher:innen sind häufig für den Klimawandel sensibilisiert. Der wissenschaftliche Hintergrund spielt jedoch in ihrer eigenen Ausbildung kaum eine Rolle. Deshalb trauen sich viele nicht zu, das Thema mit den Kindern zu behandeln. Genau darum geht es in dem Projekt „Kinder in der Klimakrise“, das von der EU gefördert wird und unter der Leitung der Abteilung Meteorologie der Universität Bonn steht. In dem Projekt beteiligen sich Partnerinstitutionen aus sechs europäischen Ländern mit dem Ziel, das Thema Klima und Klimawandel für Erzieher:innen ansprechend aufzubereiten und ihnen Planungsbeispiele für die Kitas an die Hand zu geben. Diese Planungsbeispiele wurden durch die Universität Bonn naturwissenschaftlich und durch das teilnehmende Erzbischöfliche Berufskolleg Köln aus pädagogischer Sicht geprüft. Außerdem wurden sie durch unsere Partner-Kindertageeinrichtungen im Alltag getestet. In den Planungen wird das Thema Klima und Klimawandel vielfältig betrachtet, wie die folgenden Beispiele zeigen.
Experimentell: Warum die Gletscher schmelzen
Die Kinder bekommen zwei Gläser, in denen sich jeweils ein Eiswürfel befindet. Gemeinsam besprechen sie, dass Gletscher auf der Erde schmelzen und dass unser Verhalten dies beeinflussen kann. In einer Runde sammeln die Kinder Beispiele: Was tut dem Klima nicht gut (zum Beispiel Autofahren)? Was hilft dem Klima (zum Beispiel Fahrradfahren)? Für jeden klimaschädlichen Faktor geben die Kinder heißes Wasser in das erste Glas. Das Eis beginnt schneller zu schmelzen. Für jeden klimafreundlichen Faktor füllen sie kaltes Wasser oder zerkleinertes Eis in das zweite Glas. Das Eis schmilzt langsamer. So sehen die Kinder direkt, welchen Einfluss menschliches Verhalten auf das Eis und damit auf das Klima hat. Dabei wird deutlich: Zu jeder klimaschädlichen Handlung gibt es eine gute Alternative. Das Experiment macht Spaß, fördert Gespräche, und stärkt das Gefühl, selbst etwas bewirken zu können.
Basierend auf einer Idee von Corrie Pohl, Kita „Bumble Bees“, Bonn
Kreativ: von einer kranken zur gesunden Erde
Jedes Kind gestaltet seine eigene kleine Welt: Aus Pappe oder Tonpapier wird ein großer Kreis für unsere Erde ausgeschnitten. Mit grüner und blauer Farbe malen die Kinder darauf die Kontinente und Ozeane. Anschließend überlegen sie gemeinsam, welche Auswirkungen der Klimawandel auf unseren Planeten hat. Mit Farben, Papier oder kleinen Bildern stellen sie negative Veränderungen dar, zum Beispiel schmelzende Polkappen oder vertrocknete Bäume. Danach gestalten die Kinder ihre Erde „gesund“, indem sie Windräder, Solarpanels, Bäume oder Fahrräder aufkleben oder aufmalen.
Um die Veränderungen voneinander zu unterscheiden, werden unterschiedliche Farben verwendet: dunkle Töne für die negativen Folgen, helle Farben für die positiven Beiträge. Zum Abschluss sprechen alle gemeinsam darüber, warum es wichtig ist, unsere Umwelt zu schützen. Die Kinder lernen so spielerisch, dass sie selbst etwas zur Zukunft des Planeten beitragen können.
Basierend auf einer Idee von Sophie Berenz, Familienzentrum „St. Martin“, Bornheim
Spielerisch: den Treibhauseffekt körperlich darstellen
Die Kinder spielen die Reise der Sonnenstrahlen zur Erde und zurück ins Weltall nach und stellen dar, was passiert, wenn ihnen CO₂-Moleküle im Weg stehen. Zunächst wird der Raum in drei Bereiche eingeteilt: Weltall, Erdatmosphäre und Erdboden. Einige Kinder sind Sonnenstrahlen. Sie starten im „Weltall“ und hüpfen mit ausgestreckten Armen zur „Erde“. Sobald sie die „Erde“ erreichen, machen sie sich in kleinen Sprüngen auf den Rückweg ins All. Nun kommen die CO₂-Moleküle ins Spiel. Einige Kinder stellen sich in der Atmosphäre auf. Sie bewegen sich langsam hin und her und strecken die Arme aus. Wenn ein Sonnenstrahl zurück ins All gelangen will, wird er von einem CO₂-Kind sanft zurückgeschickt. Je mehr CO₂-Kinder dazukommen, desto mehr Sonnenstrahlen werden aufgehalten. Das Spiel vermittelt den Treibhauseffekt auf anschauliche Weise. Denn je mehr CO₂ in der Atmosphäre vorhanden ist, desto mehr Wärme bleibt auf der Erde.
Basierend auf einer Idee von Mia Matzek, Kita „St. Ansgar“ und „St. Barbara“, Köln
Beobachtend: das Wetter im Jahreslauf
Die Kinder kümmern sich gemeinsam um einen Umweltsensor, zum Beispiel einen CO₂- Sensor (wie senseBox) oder ein einfaches Thermometer aus dem Baumarkt. In kleinen Gruppen beobachten sie täglich, wie warm es ist oder wie sich der CO₂-Gehalt der Luft verändert. Dabei stellen sie fest, dass es morgens oft kühler ist als mittags und im Sommer wärmer als im Winter. Auch der CO₂-Wert schwankt im Jahresverlauf: Er ist meist höher im Winter und niedriger im Sommer, wenn die Pflanzen durch Photosynthese CO₂ aus der Luft aufnehmen. Die Kinder überprüfen regelmäßig, ob die Geräte funktionieren, notieren ihre Beobachtungen (zum Beispiel sonnig, bewölkt, Regen) und besprechen gemeinsam die Veränderungen. Dabei lernen sie, genau hinzusehen, im Team zu arbeiten und ein Gespür für langfristige Entwicklungen in der Natur zu entwickeln. So erleben sie praktisch, was Klimabeobachtung bedeutet.
Basierend auf einer Idee von Philipp Christ und Louisa Schnorpfeil, Kita der Deutschen Schule „Algave“, Silves, Portugal
Musikalisch: die Erderwärmung vertonen
Mit Instrumenten wie Glöckchen und Trommeln begeben sich die Kinder auf eine gemeinsame Klangreise durch die Zeit, von der Vergangenheit bis in die Zukunft. Jede Zeitspanne klingt anders. Dabei steht die Musik für die vorherrschende Temperatur. Die Kinder spüren, dass die Klänge bei höheren Temperaturen intensiver werden. So ist die Vergangenheit leise und ruhig, mit tiefen Tönen und sanften Klängen. Die Gegenwart ist schon unruhiger, schneller und wärmer. Die Zukunft ist laut, durcheinander und heiß. Auf diese Weise wird der globale Temperaturanstieg für die Kinder durch den Klang direkt erlebbar. Ein selbst gebasteltes Thermometer aus Pappe zeigt an, wie die Wärme mit der Zeit zunimmt. Zum Abschluss überlegen die Kinder gemeinsam, wie sie die Erde beruhigen können, und bringen mit leisen, harmonischen Tönen wieder Ruhe in die Klangwelt.
Basierend auf einer Idee von Marie Schmidt