Mystagogie

Mystagogie bezeichnet die Einführung in das Geheimnis des Glaubens und besonders in das tiefere Verständnis der Liturgie. Der Begriff stammt aus dem Griechischen: mystagogía setzt sich zusammen aus mystikós („zum Geheimnis gehörig“) und agein („führen“). Gemeint ist also ein Hineinführen in das göttliche Geheimnis, das im Gottesdienst gefeiert wird. Dabei geht es nicht nur um äußere Abläufe oder Erklärungen, sondern um das Erkennen dessen, was Gott in den liturgischen Zeichen und Worten an den Menschen wirkt.

Schon in der frühen Kirche spielte Mystagogie eine wichtige Rolle. Neugetaufte wurden nach Ostern durch besondere Katechesen in die Bedeutung der empfangenen Sakramente eingeführt. Sie sollten verstehen lernen, was Taufe, Firmung und Eucharistie für ihr Leben bedeuten. Bis heute bleibt Mystagogie ein Grundvollzug kirchlicher Verkündigung: Liturgie erschließt sich nicht allein durch Rubriken oder Informationen, sondern durch die tätige Teilnahme an den liturgischen Vollzügen, das Hören auf die Heilige Schrift und das eigene Erleben mit den Sinnen. So werden Wasser, Öl, Brot, Wein, Gesten und Zeiten zu Zeichen der Nähe Gottes.

Auch in heutigen Gottesdiensten haben Worte und Handlungen mystagogischen Charakter. Wenn zu Beginn einer Feier kurz in das Thema des Tages eingeführt wird, wenn Lesungen erschlossen oder Zeichenhandlungen gedeutet werden, dient dies nicht bloß der Erklärung, sondern der inneren Teilnahme. Ebenso sind viele liturgischen Texte selbst mystagogisch, etwa die Einladung zum Vaterunser oder der Ruf „Geheimnis des Glaubens“ nach den Einsetzungsworten der Eucharistie. Gute Mystagogie öffnet den Blick dafür, dass im sichtbaren Vollzug mehr geschieht als das Auge wahrnimmt: Gottes heilendes und verwandelndes Handeln an seiner Gemeinde.

Manuel Uder, Trier

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