Zusammenfassung
Wie sind die vorangegangenen Ausführungen einzuordnen? Was können die kognitionswissenschaftlichen Erklärungsansprüche und Modelle leisten? Werden die mit der Verkörperung angestrebten Implikationen wie Sozialität, Umwelteinbettung und Autonomie technologisch realisiert?
Die Perspektiven der verhaltensbasierten KI auf den Körper sind durchaus ambivalent einzuschätzen. Einerseits wird die Notwendigkeit von Verkörperung anerkannt, andererseits wird der Körper auf eine Verkörperung reduziert, die eine Input-output-Funktionalisierung ermöglicht. Der Problemhorizont, der sich durch die Verknüpfung des Körperbegriffs mit dem KI- bzw. Maschinendiskurs eröffnet, kann mit Bernhard Waldenfels als die Problematik des ›Normalisierungsanspruchs‹ umrissen werden. Mit jeder Theoriebildung und den damit einhergehenden Begrifflichkeiten sind Normalisierungsansprüche verbunden.1 So begünstigt der KI-Diskurs die Vorstellung, Körper, Emotionen und Sozialität seien technologisch herstell- und modulierbar. Dadurch erfolgt die Bestimmung dessen, was der Mensch sei, in Auseinandersetzung mit Maschinen. Das individuelle Selbstbildnis wie auch das gesellschaftliche Bild werden in positiver oder negativer Weise durch den Maschinendiskurs beeinflusst und produziert.2
Die Aushandlung dieser Bilder hat soziale, ethische und politische Folgen und muss als Kernaufgabe einer christlichen Selbst- und Welt deutung verstanden werden. Dazu gehört nicht nur die interdisziplinäre Aufarbeitung, wie diese Konzepte vor ihrem technischen Hintergrund inhaltlich gefüllt werden, sondern auch der kritische Hinweis auf Verschiebungen und die damit einhergehenden Machtdiskurse.
1 Vgl. Bernhard Waldenfels, Grenzen der Normalisierung. Studien zur Phänomenologie des Fremden, Bd. 2, Frankfurt a. M. 1998.
2 Vgl. Katherine Hayles, Computing the Human, in: Theory, Culture & Society (2005) 22/1, 131–151, 148.