Titelseite Diakonia 1/2026

Heft 1/2026Künstliche Intelligenz

Inhalt
1. Auflage 2026
Bestellnummer: Z060055
Erscheinungstermin PDF: 2026
Bestellnummer PDF: D105205

Aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven fokussieren die Beiträge in dieser Ausgabe der Diakonia eine zentrale Herausforderung im 21. Jahrhundert: die tiefgreifende Transformation menschlicher Selbst- und Weltverhältnisse im Zeitalter künstlicher Intelligenz. Dabei wird deutlich, dass KI nicht allein als technisches Instrument zu begreifen ist, sondern als kulturelle, ethische und theologische Provokation, die etablierte Begriffe von Verantwortung, Beziehung, Freiheit und Professionalität neu konturiert.
Die Beiträge eint die Einsicht, dass KI keine randständige Ergänzung menschlicher Praxis darstellt, sondern zunehmend in jene Bereiche eindringt, die lange als genuin menschlich galten: Kommunikation, Beratung, Beziehungsgestaltung, Urteilsbildung. Gerade hier zeigt sich die besondere Relevanz theologischer Reflexion. Sie fragt nicht primär nach Machbarkeit, Effizienz oder Innovation, sondern nach Sinn, normativer Orientierung und den Bedingungen gelingenden Menschseins.
Aus anthropologischer Perspektive wird der Mensch als relationales Wesen profiliert, dessen Existenz sich in Freiheit, Leiblichkeit und Vulnerabilität vollzieht. Diese Grundannahme bildet einen kritischen Maßstab für den Umgang mit KI. Beiträge dieses Heftes zeigen, dass Mensch-Maschine- und Mensch-Roboter-Relationen strukturell asymmetrisch bleiben: KI verfügt weder über Intentionalität noch über leiblich verankerte Erfahrung, weder über Verantwortung noch über ein Bewusstsein der eigenen Endlichkeit. Zugleich entfalten diese Relationen eine eigentümliche Wirkmacht, insofern Menschen KI-Systemen soziale, emotionale und moralische Bedeutungen zuschreiben. Gerade darin liegen Chancen und Risiken zugleich.
Gleichzeitig mahnen die ethischen Analysen zu epistemischer Nüchternheit. Dialogsysteme erzeugen Texte, Vorschläge und scheinbare Einsichten, ohne Wirklichkeit zu verstehen oder Verantwortung zu tragen. Ihre Leistungsfähigkeit darf nicht mit Erkenntnis oder Wahrheit verwechselt werden. Wo Widerständigkeit, Irritation und das Ereignishafte verloren gehen, drohen Entmündigung, Kompetenzabbau und Wirklichkeitsverlust. Doch die Frage ist nicht, ob KI Teil unserer Lebenswelt sein soll, sondern wie wir sie so gestalten, dass menschliche Würde, Freiheit und Beziehungsfähigkeit nicht einer beschleunigten Techniklogik zum Opfer fallen.