Inklusion im Kindergarten: Gemeinsam anders sein

Der Begriff Inklusion wird oft in Abgrenzung zur Integration verwendet und stammt vom lateinischen Wort „inclusio“ (= Einschluss). Während das Konzept der Integration Kinder mit besonderen Bedürfnissen in die Gemeinschaft eingliedern will, betont Inklusion, dass jedes Kind individuelle Bedürfnisse hat und deshalb alle in ihrer Verschiedenheit gleichberechtigt sind.

Inklusion
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Das Recht auf Teilhabe

In den „Leitlinien für die Bildungspolitik“ der UNESCO-Kommission wird Inklusion mit dem Anspruch auf Teilhabe verknüpft: „Inklusion im Bildungsbereich bedeutet, dass allen Menschen die gleichen Möglichkeiten offen stehen, an qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre Potenziale zu entwickeln, unabhängig von besonderen Lernbedürfnissen, Geschlecht, sozialen und ökonomischen Voraussetzungen.“

Was bedeutet das für Kita und Krippe? Nicht nur haben Kinder mit besonderem Förderbedarf einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz, auch sollen behinderte oder von Behinderung bedrohte Kinder nach Möglichkeit in ihrem sozialen Umfeld bleiben dürfen und gemeinsam mit nicht behinderten Kindern betreut werden (SGB IX, § 4/SGB VIII, §22a).

Individuelle und diskriminierungsfreie Lernumgebung schaffen

Aufgabe pädagogischer Fachkräfte im Sinne der Inklusion ist es, jedem Kind die Möglichkeit zu geben, sein individuelles Potenzial so stark wie möglich auszuschöpfen. Wie kann das erreicht werden?

  • Barrieren abbauen: Für eine diskriminierungsfreie Lernumgebung bedarf es zunächst einer Auseinandersetzung mit der eigenen Einrichtung und sich selbst: Welche baulichen Barrieren gibt es, welche ideologischen und persönlichen Barrieren müssen fallen, damit sich jedes Kind gleichermaßen willkommen fühlt?
  • Offene und anregende Lernumgebung: Kinder können ihr Potenzial nur ausschöpfen, wenn ihnen die Freiheit dazu gelassen wird. Deshalb sollten Spielmaterialien zur Verfügung stehen, die möglichst ergebnisoffen und vielfältig eingesetzt werden können – passend für jede Entwicklungsstufe.
  • Vielfalt wertschätzen: Statt den Blick hauptsächlich auf die Defizite der Kinder zu richten, sollte ein pädagogisches Umfeld geschaffen werden, in dem jeder und jede mit seinen/ihren individuellen Fähigkeiten wertgeschätzt wird und zur Gemeinschaft etwas beitragen kann. Pädagogische Fachkräfte dienen dabei als Vorbild.
  • Fragen zulassen: Kinder sind neugierig. Um nicht Berührungsängste und Tabus zu fördern, sollten Sie gemeinsam mit den Kindern Antworten auf Fragen wie „Warum braucht Maria einen Rollstuhl?“ oder „Warum ist Jerome auch im Winter noch braun?“ suchen.
  • Medien: Bücher, Lieder oder Filme prägen Kinder entscheidend in ihrem Weltbild. Achten Sie darauf, Medien einzusetzen, die sich durch Diversität und Vorurteilsfreiheit auszeichnen.

Die eigene Haltung überprüfen: Vorurteile abbauen

Vorurteile im Sinne eines Vor-Urteilens sind ganz natürlich und sogar notwendig, um zum Beispiel im Alltag schnelle Entscheidungen zu treffen. Kritisch wird es jedoch, wenn sich diese Vorurteile zementieren, Erlebnisse nur noch einseitig wahrgenommen werden oder auch neue Fakten nicht mehr zu einer korrigierten Beurteilung führen. Diese Vorurteile können schon in ganz harmlosen Sätzen versteckt sein wie „Die Céline kann das eh nicht!“ oder „War ja klar, dass Tom das wieder mit Absicht macht!“. Um Vorurteile abzubauen und die eigene Haltung immer wieder kritisch zu hinterfragen, eignen sich folgende Fragen:

  • Welche Erlebnisse in meiner eigenen Biografie könnten dazu führen, dass ich gewisse Urteile frühzeitig oder nicht neutral fälle?
  • Auf welcher Grundlage fälle ich mein Urteil? Könnte ich etwas übersehen haben? Wie kann ich die Perspektive wechseln?
  • Habe ich dem Kind oder den Eltern eine echte Chance gegeben, alte Muster aufzubrechen oder sich zu erklären? Wie kann ich ihnen dabei helfen?

Keine Patentrezepte

Da jedes Kind individuelle Bedürfnisse und Stärken hat, kann es bei der Umsetzung von Inklusion keine Patentrezepte geben. Deshalb ist es besonders wichtig, eng im (multiprofessionellen) Team und mit den Eltern der Kinder zusammenzuarbeiten, sich die Unterstützung des Trägers zu sichern und schließlich Netzwerke aufzubauen, die Kinder und Eltern bei Bedarf zusätzlich unterstützen können.

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