Perikope

Der Begriff „Perikope“ stammt aus dem Griechischen (perikopḗ = „Ausschnitt“, „Umgrenzung“) und bezeichnet einen abgegrenzten Abschnitt aus der Heiligen Schrift, der in der Liturgie zur Verkündigung vorgesehen ist. In gottesdienstlichen Feiern werden biblische Texte nicht ausschließlich fortlaufend gelesen, sondern in einer geordneten Auswahl vorgetragen. Dabei verbindet die katholische Leseordnung zwei Prinzipien: Einerseits gibt es thematisch auf das Kirchenjahr und die Feste abgestimmte Textzusammenstellungen, andererseits sogenannte Bahnlesungen, bei denen biblische Bücher über mehrere Tage oder Wochen hinweg abschnittsweise gelesen werden. Perikopen dienen dazu, zentrale Aussagen des Glaubens in strukturierter und für die Gemeinde nachvollziehbarer Weise zur Sprache zu bringen. Durch ihre Auswahl und Anordnung wird die Verkündigung auf liturgische Zeiten, Feste und pastorale Anliegen abgestimmt. Zugleich bleiben sie stets Teil eines größeren biblischen Zusammenhangs, auf den sie in der Auslegung und Predigt hinführen sollen.

Schon in der Alten Kirche entstanden feste Leseordnungen, die bestimmten Tagen und Festen bestimmte biblische Texte zuwiesen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich daraus unterschiedliche regionale Traditionen. Einen grundlegenden Einschnitt brachte die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Mit dem 1969 erstmals veröffentlichten Ordo Lectionum Missae wurde eine umfassend erneuerte Leseordnung für die Messfeier eingeführt. Für Sonn- und Festtage sieht diese Ordnung einen dreijährigen Lesezyklus vor, der die Evangelienjahre A, B und C umfasst. Für die Wochentage wurde ein eigener zweijähriger Zyklus eingerichtet. Ziel dieser Neuordnung war es, den Gläubigen einen deutlich erweiterten Zugang zur Heiligen Schrift zu eröffnen und mehr biblische Texte, vor allem aus dem Alten Testament, in die liturgische Verkündigung einzubeziehen. Dabei werden thematische Zusammenstellungen und fortlaufende Bahnlesungen bewusst miteinander verbunden.

Die nachkonziliare Leseordnung gilt bis heute als großer Fortschritt. Zugleich ist sie nicht frei von Kritik. So wird immer wieder darauf hingewiesen, dass manche Perikopen aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst sind und wichtige Textteile ausgelassen werden. Dadurch kann der literarische, historische oder theologische Kontext verkürzt erscheinen. Auch thematische Schwerpunktsetzungen führen mitunter dazu, dass bestimmte biblische Motive häufiger vorkommen als andere. Die Perikopierung bleibt daher ein Spannungsfeld zwischen pastoralen Anliegen und der inneren Einheit der biblischen Botschaft.

Manuel Uder, Trier

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