Messstipendium

Ein Messstipendium ist eine freiwillige Spende, die Gläubige im Zusammenhang mit einer Messintention geben, also mit dem Wunsch, dass eine Heilige Messe in einem bestimmten Anliegen gefeiert wird. Häufig geschieht dies im Gedenken an Verstorbene, für Kranke, in persönlichen Anliegen oder aus Dankbarkeit. Das Gebet für die Toten bringt die bleibende Verbundenheit über den Tod hinaus zum Ausdruck. Zugleich ist jede Messintention eine Bitte an die Gemeinde, ein bestimmtes Anliegen im gemeinsamen Gebet mitzutragen. In vielen Gemeinden werden die Namen der Geber oder die Anliegen im Gottesdienst genannt, in der Regel im Rahmen der Fürbitten.

Rechtlich ist festgelegt, dass pro Messe nur eine Intention angenommen werden darf, eine Regelung, die bereits 1625 von Papst Urban VIII. eingeführt wurde und bis heute gilt. Das aktuelle kirchliche Gesetzbuch regelt den sorgfältigen Umgang mit den Spenden, die in vielen Regionen der Welt zum Unterhalt der Kirche beitragen.

Ein Messstipendium kann grundsätzlich für alle Messfeiern angenommen werden, nicht jedoch für den Hauptgottesdienst an Sonn- und Feiertagen, da hier die Gemeinde als Ganze im Vordergrund steht. Werden mehrere Stipendien für eine Feier gegeben, wird meist nur eines vor Ort verwendet; weitere werden häufig an Priester in ärmeren Regionen weitergeleitet. Zugleich verpflichtet das Kirchenrecht die Priester, Messintentionen auch ohne Gabe anzunehmen, besonders für Bedürftige. Niemand soll aus finanziellen Gründen vom Gebetsgedenken ausgeschlossen werden.

Theologisch gründet das Messstipendium im Opfercharakter der Eucharistie: In der Feier wird die einmalige Hingabe Jesu Christi gegenwärtig, und die Gläubigen verbinden ihr Leben, ihre Bitten und ihren Dank mit diesem Opfer. Die Bitte um eine Messintention und die damit verbundene Gabe sind Ausdruck des Wunsches, bewusst und aktiv an der Eucharistie teilzunehmen und Verantwortung für das Leben der Gemeinde zu übernehmen.

Zugleich wird dieser Brauch heute immer wieder hinterfragt. Das Direktorium für den Dienst und das Leben der Priester (2013) betont, dass es sich beim Messstipendium in keiner Weise um eine Vergütung handelt, da das eucharistische Opfer „umsonst“ ist. Man kann daher keine Messe „bezahlen“ oder „bestellen“, sondern bittet um ein besonderes Gebetsgedenken und verbindet damit eine freiwillige Spende.

Geistlich verstanden ist das Messstipendium ein kleines, konkretes Zeichen der Hingabe: Der Gläubige bringt etwas von sich selbst ein und beteiligt sich an der Feier mit dem, was er ist und hat. Zugleich erfährt er, dass sein Anliegen von der betenden Gemeinschaft getragen wird. So bleibt das Messstipendium auch heute ein Ausdruck von Gemeinschaft, Mitverantwortung und Vertrauen in die Kraft des gemeinsamen Gebets.

Manuel Uder

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