Lied

Ein Lied ist ein Gesang mit strophisch gegliedertem Text. Die einzelnen Strophen werden gewöhnlich auf dieselbe Melodie gesungen, können aber auch musikalisch variieren. Der Inhalt entfaltet sich in den aufeinanderfolgenden Strophen. In der christlichen Tradition dient das Lied sowohl der gemeinschaftlichen Verkündigung als auch dem Gebet und der Meditation der Gemeinde.

Zu den ältesten deutschsprachigen Kirchenliedern gehören die sogenannten Leisen. Ihr Name leitet sich vom Schlussruf „Kyrieleis“ (von griech. Kyrie eleison – „Herr, erbarme dich“) ab. Diese Lieder wurden im Mittelalter vom Volk im Wechsel mit der lateinischen Sequenz eines Festtages gesungen. Ein bekanntes Beispiel ist das Osterlied „Christ ist erstanden“ (GL 318). Ein weiteres frühes Kirchenlied ist das Weihnachtslied „In dulci jubilo“ (GL 253) aus dem 14. Jahrhundert, das bereits den Übergang vom Latein zur Volkssprache erkennen lässt. Eine starke Förderung erfuhr das deutschsprachige Kirchenlied in der Reformationszeit, besonders durch Martin Luther (1483–1546). Auch im Barock entstanden bedeutende Kirchenlieder, die häufig eine persönliche Frömmigkeit ausdrücken.

In der katholischen Liturgie wurden Kirchenlieder lange Zeit vor allem als Andachtsgesänge der Gemeinde innerhalb der Messfeier gesungen, ohne zu den eigentlichen liturgischen Gesängen zu gehören. Erst die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) ermöglichte eine stärkere Integration strophischer Lieder in die Liturgie; seit der römischen Instruktion Musicam sacram (1967) können anstelle bestimmter Gesänge des Messordinariums auch passende Lieder gesungen werden. Seit den 1960er-Jahren entstanden zudem zahlreiche Lieder in modernen musikalischen Stilformen, die unter der Bezeichnung „Neues Geistliches Lied“ (NGL) zusammengefasst werden. Sie zeichnen sich durch einfache, eingängige Melodien und zeitgemäße Texte aus, die Alltagserfahrungen, soziale Themen oder ökumenische Anliegen aufgreifen. Gleichzeitig setzen viele Komponistinnen und Komponisten der Gegenwart auf vielfältige musikalische Einflüsse – von Jazz über Pop bis hin zu folkloristischen und internationalen Klängen.

Kirchliche Liederbücher wurden in den letzten Jahren mehrfach überarbeitet, um neue Texte und Melodien einzubeziehen, die auf ökumenische Zusammenarbeit, interkulturelle Vielfalt oder sogar eine digital geprägte Lebenswelt reagieren. Lieder werden zunehmend online geteilt, für Video- oder Streaminggottesdienste arrangiert und begleiten neue Formen des gemeinschaftlichen Singens über klassische Kirchenräume hinaus.

Manuel Uder, Trier

Fragen & Antworten

Gottesdienst-Hefte

Die Zeitschrift Gottesdienst im Abo

Unsere Zeitschrift bietet Ihnen Beiträge zu Grundfragen und neuen Entwicklungen im Bereich gottesdienstlicher Feiern, einen Praxisteil mit erprobten Textvorlagen und konkreten Modellen für den katholischen Gottesdienst sowie Hinweise auf aktuelle Vorgänge, Ereignisse und Tagungen. 

Zum Kennenlernen: 3 Heft gratis

Jetzt gratis testen