Als „Kindergottesdienst“ bezeichnet man verschiedene liturgische Feiern, die sich in besonderer Weise an Kinder richten und deren religiöse Wahrnehmungs- und Lernformen berücksichtigen. Kinder erschließen biblische Geschichten und religiöse Inhalte oft leichter, wenn sie in kindgemäßer Sprache erzählt werden und mit verschiedenen Sinnen erfahrbar sind. Daher spielen Elemente wie Bilder, Figuren, szenisches Spiel, Musik und Bewegung eine wichtige Rolle. Auch die meist kürzere Aufmerksamkeitsspanne von Kindern sowie ihr stärkerer Bewegungsdrang werden in der Gestaltung berücksichtigt.
Kindergottesdienste können unterschiedliche Formen annehmen. Häufig handelt es sich nicht um eine Eucharistiefeier, sondern um ökumenische Gottesdienste in Kindergärten oder in Schulen, um Kleinkindergottesdienste in Gemeindekirchen, um Wort-Gottes-Feiern oder Segensfeiern zu (kirchen-)jahreszeitlichen oder biographisch bedeutsamen Anlässen (z B. zur Einschulung). Wichtig ist jedoch, dass auch solche Feiern ihren Charakter als liturgische Feier – als Dialog zwischen Gott und Mensch – bewahren und nicht zu einer Unterrichtsstunde (oft verbunden mit einem Moralappell) mutieren. Katechetische Elemente helfen zwar, das Gehörte zu erschließen, sollen aber sinnvoll und wohl dosiert in den Rahmen von Gebet, Verkündigung und gemeinsamer Feier eingebunden bleiben. Worte, die Kinder vortragen, müssen immer so formuliert sein, dass diese die entsprechende Worthandlung auch authentisch vollziehen können.
In vielen Gemeinden ist es üblich, dass Kinder während der sonntäglichen Gemeindemesse zu Beginn des Wortgottesdienstes in einen eigenen Raum gehen und dort einen kindgerechten Wortgottesdienst feiern. Zur Gabenbereitung kehren sie wieder in die Eucharistiefeier der Gemeinde zurück. Auf diese Weise bleiben sie Teil der gottesdienstlichen Versammlung, erhalten aber zugleich eine ihrem Alter entsprechende Hinführung zu den biblischen Texten.
Für Messfeiern mit Kindern enthält das Direktorium für Messfeiern mit Kindern„“ (1973) besondere pastorale und liturgische Hinweise. Es erlaubt eine kindgerechte Gestaltung, etwa bei der Sprache, bei kurzen Erklärungen der Riten oder bei der Auswahl von Gesängen. Außerdem stehen eigene liturgische Hilfen zur Verfügung, etwa Lektionare mit für Kinder ausgewählten Lesungen und besondere Hochgebete für Messfeiern mit Kindern.
Viele Anregungen und Materialien zur Gestaltung von Kindergottesdiensten aller Art bietet das überdiözesane Netzwerk „Kindergottesdienst-katholisch.de“.
Manuel Uder, Trier