Kelchkommunion

Als Kelchkommunion bezeichnet man den Empfang der Eucharistie unter der Gestalt des Weines. Sie geschieht, wenn Gläubige in der Messfeier neben der Hostie auch aus dem Kelch kommunizieren und so an beiden eucharistischen Gestalten – Brot und Wein – teilhaben. Diese Form des Kommunionempfangs knüpft an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern an, bei dem er Brot und Kelch als Zeichen des neuen Bundes reichte.

In der frühen Kirche war die Kommunion unter beiden Gestalten die selbstverständliche Praxis. Im Lauf des Mittelalters kam die Kelchkommunion für die Gemeinde jedoch weitgehend außer Gebrauch. Eine Rolle spielte dabei die wachsende Sorge vor einer möglichen Verunehrung des konsekrierten Weines, etwa durch Verschütten. Gleichzeitig entwickelte die Theologie die Lehre von der „Konkomitanz“: Danach ist Christus unter jeder einzelnen Gestalt – sowohl unter Brot als auch unter Wein – ganz gegenwärtig. Deshalb fehlt dem Kommunionempfang unter der alleinigen Brotgestalt nichts Wesentliches. In der Reformationszeit wurde der „Laienkelch“ zu einem konfessionellen Unterscheidungsmerkmal. Während reformatorische Kirchen die Kelchkommunion beibehielten oder wieder einführten, blieb sie in der katholischen Kirche für die Gläubigen meist ausgeschlossen.

Erst das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) eröffnete wieder die Möglichkeit der Kommunion unter beiden Gestalten. Zunächst war sie auf bestimmte Anlässe beschränkt; in der Folge wurden die Möglichkeiten erweitert. Heute kann die Kelchkommunion grundsätzlich überall dort stattfinden, wo es pastorale Gründe nahelegen und die Umstände es erlauben. Die konkreten Regelungen liegen im Verantwortungsbereich des Diözesanbischofs. Grundsätzlich kann die Kelchkommunion in verschiedenen Formen gespendet werden: durch direktes Trinken aus dem Kelch, durchIntinktion(Eintauchen der Hostie in den konsekrierten Wein), sowie – seltener – durch ein Trinkröhrchen oder einen Löffel. Beim direkten Trinken muss unbedingt auf hygienische Aspekte geachtet werden: So soll der Kelchrand nach jedem Kommunionempfang mit dem Kelchtuch gereinigt und der Kelch leicht weitergedreht werden, bevor die nächste Person daraus trinkt.

Besondere Bedeutung hat die Kelchkommunion aufgrund ihrer Zeichenhaftigkeit. Die Eucharistie ist ein Mahlgeschehen: Die Gläubigen essen das gebrochene Brot und trinken aus dem Kelch. Dadurch wird sinnfällig erfahrbar, was die Eucharistie bedeutet – die Hingabe Christi „mit Leib und Blut“ und die Gemeinschaft der Feiernden mit ihm und untereinander. Das gemeinsame Brot und der gereichte Kelch verweisen auf die Lebenshingabe Jesu und auf die Teilhabe der Gemeinde an diesem Leben.

Manuel Uder, Trier

 

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