Sven Bienert/Johann Weiß/Marius S. Dürr (Hg.): Immobilie Kirche. Umnutzungsstrategien im Zusammenspiel von Architektur, Baukultur, Quartier und Ökonomie (Sakralraumtransformation 3), Münster: Verlag Aschendorff 2025; 273 S.; 48,00 € (oder Open Access); ISBN 978-3-402-21266-0
Schwerpunkt des nunmehr dritten Bandes des DFG-geförderten Projekts „Sakralraumtransformationen“ ist die „Immobilie Kirche“, die ausdrücklich unter immobilienwissenschaftlichen Blickwinkeln befragt wird.
Sprechend sind die drei Praxisbeispiele – die „Schalke-Kirche“ St. Joseph, die „Digital Church“ in Aachen und der Beitrag „Unternehmerische Umnutzungskonzepte am Beispiel Kloster Steinfeld“ in der Eifel – sowie die Artikel, die die Fragen nach den Finanzen ausdrücklich behandeln.
Wenig hilfreich ist allerdings, dass bei Johann Weiß‘ Beitrag „Kirchenbedarf, Umnutzungs- und Beratungspotenziale …“ (S. 237–259) der bundesweite Bestand an katholischen Kirchen, nämlich ca. 24 500, mit einer so nicht stimmigen Aufteilung in Kirchen (14 235) und Kapellen (gut 10 000) berechnet wird (S. 242). Das bedeutet, dass die folgenden Projektionen und die daraus erwachsenden Implikationen für das kirchliche Immobilienmanagement fehlerhaft, weil deutlich zu niedrig angesetzt sind.
Schwierig ist ebenso die Interpretation offen zugänglichen Datenmaterials (S. 219–235): Die Angaben zum diözesanen Immobilienvermögen (S. 221) schwanken zwischen 0,1 % des Anlagevermögens in Hildesheim und reichen bis zu 48 % in München-Freising. Letztlich ist das nicht miteinander vergleichbar.
Gleichwohl ist der Band angesichts zahlreicher weiterer spannender Beiträge lesenswert.
Klaus-Martin Bresgott/Johann Hinrich Claussen/Stefan Rhein (Hg.): Leben statt Leere. Überlegungen und Anregungen zum Umgang mit unseren Kirchen, Berlin: Kulturbüro des Rates d. EKD 2025; 239 S.; 15,00 €; ISBN 978-3-9823816-5-7
Der im Vorfeld des letztjährigen Berliner Evangelischen Kirchbautags erschienene Band „Leben statt Leere“ sei allen, die sich für die Fragen rund um die Zukunft unserer Kirchengebäude Gedanken machen, ans Herz gelegt. Es ist dem Kulturbüro des Rates der EKD gelungen, durchgängig interessante Beiträge zu erhalten. Außerdem werden diese mit 46 beispielhaft umgenutzten Kirchen aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz hervorragend bebildert.
Ins Blickfeld rücken allgemeine Themen wie der steigende finanzielle Druck auf die zunehmend leerer werdenden Kirchen oder die Frage nach beweglichen Kunstgütern in Kirchen, die nicht mehr oder nurmehr zum Teil gebraucht werden.
Darüber hinaus finden sich differenzierte Äußerungen, sowohl Zustimmung wie Abgrenzung vom „Kirchenmanifest“ (2024). Themen des Denkmalschutzes, vielfältige Nutzungsmöglichkeiten wie auch Aspekte der Teilhabe rücken beispielhaft in den Blick.
Es ist ein Vergnügen, in diesem Band zu blättern und zu lesen.
Dr. Walter Zahner, Regensburg