Gemeinsam mit Abt Urban Federer OSB, dem Liturgieverantwortlichen der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz (DOK), und Projektleiterin Sandra Rupp Fischer, Kirchenmusikerin und Kulturmanagerin, engagieren sich derzeit rund 30 Fachpersonen im Projektteam „Jubilate“ (www.jubilate.ch) sowie in verschiedenen themenspezifischen Kommissionen.
Der folgende Beitrag gibt einen Einblick in die inhaltliche Ausrichtung und den aktuellen Stand der Arbeiten. Ausgangspunkt sind jeweils die Leitsätze („Neues wagen“) des Projektes:
„Jubilate“ öffnet Kirchentüren
Das neue Medium lädt ein. Suchende, Neugierige, Interessierte und kirchlich Beheimatete finden einen offenen Raum. Es schafft ein herzliches Willkommen in und durch die Kirche und fördert Vielfalt und Verbundenheit. Die grafische Neugestaltung unterstützt diesen Zugang visuell und ästhetisch und macht das Buch zu einem sprechenden Zeichen kirchlicher Gastfreundschaft. Persönliche Gedanken finden Platz in den Texten und Melodien des Buches – auch als Resonanzraum für eigene spirituelle Erfahrungen.
Neu eingeführte Kleinliturgien sollen zum Feiern in kleinen Gemeinschaften ermutigen. Die Kurzformate sind lebensnah und ermöglichen liturgische Präsenz. So wird Kirche als Raum der Begegnung und des Glaubens erfahrbar – offen, vielfältig und nah am Leben.
„Jubilate“ bedeutet Zusammen-Kommen, Zusammen-Finden, Zusammen-Feiern
Das Buch stärkt, vergewissert und fördert den Glauben. Das gemeinsame liturgische Feiern in seiner Vielfalt – von Eucharistie- und Wort-Gottes-Feiern über Tagzeitenliturgie und Andachten bis hin zu weiteren Ausdrucksformen – verkörpert die Identität der Kirche und wirkt zugleich als „Visitenkarte“ nach außen.
Für das inhaltliche Konzept des Buches bildet Artikel 7 der Liturgiekonstitution den theologischen und liturgischen Ausgangspunkt. Der darin enthaltene Satz „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ wird als grundlegende Glaubensüberzeugung verstanden.
Die Gliederung des Buches orientiert sich an vier zentralen Hauptteilen: 1. Grundformen gemeinschaftlichen Feierns, 2. Hören und Feiern des Wortes Gottes, 3. Sakramentliche Feiern, 4. Feiern im Rhythmus der Zeit (jeweils Arbeitstitel).
Die Gesänge werden jeweils kontextbezogen integriert. Die Struktur des Buches liegt seit Herbst 2025 vor; punktuelle Anpassungen bleiben vorbehalten.
„Jubilate“ nimmt Kirchenentwicklungen auf
Es geht auf die gegenwärtigen Transformationsprozesse kirchlicher Praxis ein und bietet einen liturgisch-musikalischen „Rucksack“ für Gemeinden im Wandel – sei es in der Reduktion personeller Ressourcen, in der Ausdifferenzierung von Feierformen oder in der Gestaltung von Gottesdiensten in multiprofessionellen und interkonfessionellen Kontexten. Ein Augenmerk richtet sich auch auf jene Formen, die Gruppen selbständig feiern können.
Die Mehrsprachigkeit und ökumenische Offenheit spiegeln die Realität kirchlicher Vielfalt und fördern das Miteinander in Seelsorge- und Pastoralräumen.
„Jubilate“ versteht sich als liturgisches Werkzeug für eine Kirche im Wandel – mit dem Ziel, auch unter veränderten Bedingungen geistliche Tiefe und gemeinschaftliches Feiern zu ermöglichen.
„Jubilate“ sucht nach einem zeitgemäßen Ausdruck in Wort und Musik
„Jubilate“ steht für eine erweiterte Stil- und Formenvielfalt. Der Sprachgestaltung wird ein großes Augenmerk gewidmet. Neue Texte in Gesängen, Gebeten und Gottesdienstvorlagen sind ansprechend, hinführend und verständlich – theologisch reflektiert und offen für heutige Ausdrucksformen. Zugleich soll „Jubilate“ eine Sensibilisierung und Akzeptanz für Tradition und Stilvielfalt schaffen. Musik und Wort begegnen sich in einem zeitgemäßen Ausdruck, der sowohl Tradition als auch Innovation integriert. Im Rahmen des „Jubilate“-Prozesses äußert sich dies in einer zunehmend vertieften und kontinuierlich intensivierten Zusammenarbeit der beiden Redaktionskommissionen für „Wort/Theologie“ und „Musik/Hymnologie“.
Die umfassende Evaluationsarbeit verschiedener Gesangbücher befindet sich derzeit in intensiver Durchführung, wobei das Schweizerische „Katholische Gesangbuch“ (KG, 1998), das „rise up plus“ (2015), das „Gotteslob“ (2013) mitsamt seinen regionalen Eigenteilen sowie diverse populäre Liedsammlungen inzwischen mehrheitlich abgeschlossen evaluiert sind. Auch liegen die ersten Vorschläge im Bereich der Gregorianik-, Popularmusik-, Oosterhuis- und Taizé-Übernahmen auf dem Tisch. Im Rahmen gezielter Ausschreibungen werden zudem neue, teils bislang unveröffentlichte Lieder zur Prüfung und möglichen Aufnahme gesucht.
Ein weiterer großer Themenbereich ist die Mehrsprachigkeit. In Zusammenarbeit mit „Migratio“, der Fachstelle der Schweizerischen Bischofskonferenz für pastorale Anliegen der Migrantinnen und Migranten, startet die Kommissionsarbeit mit besonderem Fokus auf mehrsprachige Liedformate. Diese Kooperation trägt dem Umstand Rechnung, dass ein erheblicher Anteil der katholischen Gläubigen in der Schweiz migrantische Wurzeln hat.
Auch im ökumenischen Bereich bestehen enge schweizerische Partnerschaften, insbesondere im Bereich der digitalen Ergänzungen. Auf internationaler Ebene ist „Jubilate“ u. a. in der Arbeitsgemeinschaft Ökumenisches Liedgut (AÖL) vernetzt.
Die musikalische Gestaltung des „Jubilate“ orientiert sich an liturgischen Bedürfnissen und pastoralen Realitäten. Sie ermöglicht Vielfalt – von „klassischen“ Chorälen bis zu Neuen Geistlichen Liedern, von meditativen Klangräumen bis zu rhythmischen Liedformen. „Jubilate“ schafft Raum für musikalische Identität und liturgische Lebendigkeit.
„Jubilate“ kommt als Buch und bietet ergänzend eine digitale Servicestruktur
Die hybride Struktur verbindet die Verlässlichkeit des gedruckten Buches mit den Möglichkeiten digitaler Liturgiegestaltung. Die digitalen Tools unterstützen die pastorale Arbeit vor Ort – sei es in der Planung, im Austausch oder in der individuellen Vorbereitung. Ein „Gottesdienstplaner“ ist in Entwicklung und erste Testläufe sind geplant. Auch wurden Experimente mit Smartphones und iPads in Erprobung eines Mitsingtools durchgeführt.
Grundsätzlich gilt: Das gemeinsame Feiern mit dem „Jubilate“-Buch und seinen etwa 600 Gesängen ist auch ohne digitale Unterstützung in vollem Umfang möglich. Wer darüber hinaus einen gedruckten Faszikel mit weiteren Gesängen und Texten in das „Jubilate“-Buch einlegen möchte, sollte dies auf der Basis einer digital gepflegten Lied- und Textbibliothek tun können, die in ökumenischer Zusammenarbeit aufgebaut und betreut werden soll. So kann beispielsweise eine Liturgiegruppe einer Gemeinde eine Auswahl rechtlich geprüfter Lieder treffen und sich diese – vergleichbar mit einem Printshop – in der gewünschten Anzahl als Liedhefte zusenden lassen. Soweit das Ziel; die Realisierung hat noch einen längeren Weg vor sich.
Die digitale Struktur ermöglicht fortlaufende Ergänzungen, individuelle Anpassungen und eine breite Nutzbarkeit – für Haupt- und Ehrenamtliche, für Gemeinden und Gruppen, für liturgische Profis und Neugierige. „Jubilate“ verbindet als flexibles Instrument Tradition und Gegenwart.
Einblick in das Experiment „Singen ab Smartphone/Tablet“
© Jubilate 2024
„Jubilate“ ist partizipativ
Seine Entstehung ist geprägt von einem Prozess, der Stimmen aus Gemeinden, Fachkreisen und liturgischen Netzwerken einbezieht. Erarbeitetes wird in der Praxis ausprobiert. Der regelmäßig erscheinende Newsletter lädt mit Gesängen, Texten und Kleinliturgien zu weiteren Praxistests ein und dient zugleich der Sammlung wertvoller Erfahrungen. Auch nach der Veröffentlichung bleibt das Projekt offen für Beiträge und Weiterentwicklungen – insbesondere über die digitalen Ergänzungen. „Jubilate“ versteht sich als Gemeinschaftswerk – getragen von vielen Stimmen, Erfahrungen und Perspektiven. Angestrebt wird eine lebendige kirchliche Mitverantwortung.
„Jubilate“ zeigt kirchliches Profil
Im Feiern wird Kirche sichtbar – als Raum der Freude, der Hoffnung, der Gemeinschaft und der geistlichen Tiefe. „Jubilate“ trägt dazu bei, dieses Profil zu schärfen und weiterzuentwickeln mit liturgischer Qualität, theologischer Sensibilität und pastoraler Nähe.
Es bewahrt liturgische Traditionen und eröffnet zugleich neue Zugänge im Spielraum des Glaubens als Ausdruck einer lebendigen, vielfältigen und zukunftsorientierten Kirche im Wechselspiel von Kontinuität und Erneuerung.
„Jubilate“
Das Projektteam „Jubilate – Chance Kirchengesang“ arbeitet seit 2019 im Auftrag der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz (DOK), der Versammlung der Deutschschweizer Bischöfe, General- und Bischofsvikare, an der Zukunft des Kirchengesangs. Ursprünglich als „Arbeitsgruppe Chance Kirchengesang“ gegründet, widmete sich das Team zunächst der Analyse kirchlicher Gesangsmedien – bis hin zur grundlegenden Frage nach der Weiterentwicklung des Kirchengesangbuches von 1998.
Eine breit angelegte Umfrage, die 2020 vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) durchgeführt wurde und über 1000 Teilnehmende verzeichnete, ergab ein klares Bild: Auf ein gedrucktes Gesangbuch soll nicht verzichtet werden; gleichzeitig sollen digitale Möglichkeiten ergänzend genutzt werden. Die Ergebnisse unterstreichen eindrücklich, dass gemeinsames Singen – selbst in kleinen Gottesdienstgemeinschaften – wesentlich zur Lebendigkeit der Liturgie beiträgt und ein zentrales Element der gottesdienstlichen Planung darstellt.
Im Buch sollen etwa 600 Gesänge sowie vielfältige liturgische Texte und Beiträge enthalten sein. Die Arbeiten für den Druckbereich sind darauf ausgerichtet, bis zum Advent 2028 abgeschlossen zu werden. Regelmäßige Mitwirkprojekte fördern den partizipativen Ansatz, der dem Projekt „Jubilate“ zugrunde liegt.
Weitere Informationen finden sich unter www.jubilate.ch. Dort kann man auch den Newsletter abonnieren.