Gratis
S. 17
Bei der Finanzialisierung der Realwirtschaft geht es um den Bedeutungszuwachs von Eigentümer:innen, die auf schnelle Renditesteigerungen drängen, um die Ausbreitung von Leitideen der Unternehmensführung, bei denen u. a. durch höhere Verschuldung und strikte Vorgaben an die Abteilungen Gewinne gesteigert werden, und um Gesetzesreformen zugunsten von Minderheitsaktionär:innen. Im Sinne der ersten beiden Phänomene ist Private Equity (PE) auch in Deutschland ein wichtiger Motor der Finanzialisierung, der aber bisher politisch und wirtschaftsethisch zu wenig debattiert wird. Dabei greifen die häufig international agierenden PE-Investoren, wenn sie etablierte Unternehmen als ganze übernehmen (Leveraged Buy Outs), tief in deren Strukturen ein: in die Organisation der Wertschöpfung, den Vermögensbestand, die Finanzierungsstruktur und die Unternehmenskultur. Die global agierenden PE-Gesellschaften, die den Kauf der Unternehmen, deren Transformation und deren Weiterverkauf steuern, sind an den Ausgaben für diese Transaktionen nur mit einem geringen Eigenkapitalanteil beteiligt, tragen also nur ein geringes Haftungsrisiko – bei gleichzeitiger Aussicht auf hohe Gewinne. Für die Mitarbeiter:innen jedoch ist eine neue, häufig problematische Abhängigkeit von einem globalen Markt, dem Markt für PE-Investitionen, entstanden. Das gleiche gilt auch für die Kund:innen der von den PE-Investor:innen aufgekauften Gesellschaften – seit einigen Jahren vermehrt Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen. Von Bernhard Emunds