Titelseite Amosinternational 2/2013

Heft 2/2023Zeitenwende?!

Inhalt

Angesichts der brutalen Wirklichkeit des derzeitigen Krieges, scheint das Ideal des Friedens eine Illusion zu sein. Die Beiträge dieses Heftes analysieren vor dem Hintergrund einer anbrechenden "Zeitenwende" die aktuellen friedensethischen Herausforderungen: die Selbstverteidigung der Ukraine, das christliche Gebot der Gewaltfreiheit, Drohnen und autonome Waffensysteme, die Ethik der Terrorbekämpfung sowie die Frage nach dem Gerechten Frieden .

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 5

    Die Selbstverteidigung der UkraineEinige konfliktethische Aspekte

    Spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine ist die Notwendigkeit, konfliktethische Reflexionen und Argumente gut zu strukturieren, auch für die breite Öffentlichkeit erkennbar. Vor diesem Hintergrund wird in diesem Beitrag zunächst ein knapper Überblick zu den Kriterien des ius ad bellum sowie des ius ex bello gegeben. Daran anschließend werden – je entlang einer kriteriengeleiteten Argumentation – die beiden Fragen beantwortet, ob die Selbstverteidigung der Ukraine zu Beginn des Konflikts legitim war sowie ob ihre unterstützte Selbstverteidigung in der nach eineinviertel Jahren bestehenden Situation weiterhin legitim ist.

  • Plus S. 13

    Verantwortungsbewusste GewaltfreiheitChristus als wahre „Zeitenwende“ in der Friedensethik

    Die Herausforderung des Schutzes der „Nächsten“ in dem moralisch illegitimen und rechtlich illegalen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine stellt – wie jeder Krieg – die Friedensethik auf die Probe. Diese Frage nach der Verantwortung jener, die nicht direkt betroffen sind, stellt sich auch den christlichen Kirchen, folgt man der theologischen Ethik Dietrich Bonhoeffers. Die historischen Friedenskirchen, denen Gewaltfreiheit als Wesensmerkmal der Kirche Jesu Christi gilt, bieten alternative Argumente zur politischen Mehrheitsmeinung. Orientierung bietet ihnen das „höchste Gebot“. Wird die Friedensethik christologisch begründet, dann ergeben sich daraus grundlegende Orientierungen. Die ökumenische Dimension des Konfliktes und seiner möglichen Lösung soll hier ebenso bedacht werden wie die Frage nach der eigenen Perspektive. Postkoloniale Studien bieten zusätzlich neue Einsichten.

  • Plus S. 20

    Drohnen und autonome WaffensystemeMilitärtechnologischer Wandel und ethische Herausforderungen

    Die politische Debatte über den Erwerb von bewaffneten Drohnen für die Bundeswehr ist im Grunde abgeschlossen. Aber die ethischen Fragen bleiben, denn einige Gesichtspunkte – wie die Frage, wer oder was eigentlich ein legitimes Ziel von Angriffen in asymmetrischen Kriegen darstellt – stellen sich bei der Nutzung von sogenannten „Autonomen Waffensystemen“ mit gleicher oder verstärkter Schärfe. Der vorliegende Beitrag zeichnet den Kern der ethischen Debatten nach und stellt zentrale Argumente vor. Ausgehend von den bewaffneten Drohnen wird der Schwerpunkt auf den autonomen Waffensystemen liegen. Schlussendlich stellt sich aber bei militärischen Technologien eine äußerst ernste moralische Herausforderung: Können uns die Entwicklungen, die andere an anderer Stelle vorantreiben, zwingen, auch gegen unsere Überzeugungen technologisch gleichzuziehen oder gibt es eine Grenze, für deren Einhaltung wir bereit sind, auch einen Preis zu bezahlen?

  • Plus S. 30

    Ethische Fragen der TerrorismusbekämpfungEine Rück- und Vorausschau nach über 20 Jahren War on Terror

    In diesem Artikel soll die historische Zäsur des Abzugs der US-Truppen aus Afghanistan im Sommer 2021 zum Anlass genommen werden, auf die ethische Debatte zurückzublicken, die sich seit den Anschlägen vom 11. September 2001 entwickelt und den Global War on Terror (GWOT) seither begleitet hat. Wie hat sich die philosophische und theologische Ethik mit ethischen Fragen der Terrorismusbekämpfung auseinandergesetzt? Welche Schwerpunkte lassen sich ausmachen? Welche Lücken sind entstanden? In einem zweiten Schritt soll daher ein Blick in die Zukunft geworfen und der Frage nachgegangen werden, wie sich der veränderte Kontext auf die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen der Terrorismusbekämpfung auswirkt. Welche neuen Fragen stellen sich in einem seit 2001 grundlegend veränderten Kontext des Terrorismus? (Wie) muss sich die Debatte neu ausrichten? Welche Desiderate lassen sich identifizieren?

  • Plus S. 37

    Wie bekommt der Gerechte Frieden eine Chance?Ursachen von Gewaltkonflikten und staatlicher Fragilität und eine Deutung ihrer Folgen für die Entwicklungszusammenarbeit

    Instabilität und staatliches Versagen hängen mit Gewaltkonflikten zusammen, werden von ihnen teils verursacht, und verhindern oft einen Wandel hin zur Stabilisierung. Die durch interne und externe Einflüsse entstehende Fragilität sowie Hunger und Flucht als ihre Folgen deuten alle auf eine übergreifende Ursache: instabile staatliche Strukturen, die nicht in der Lage sind, Gerechtigkeit zu garantieren. Der Prozess einer angestrebten langfristigen Transformation in fragilen Kontexten basiert auf systemischen Analysen und dem Ziel, ungleiche, festgefahrene Machtverhältnisse aufzulösen. Wichtige Herausforderungen für eine solche Transformation bleiben die Priorisierung und Koordination im Humanitarian-Development-Peace-Nexus sowie die Abschätzung von Grenzen und Risiken innerhalb des engen Handlungsspielraums.

Arts & ethics

  • Russian Roulette XXI
    Gratis S. 28

    Russian Roulette XXI

    Sinilga Lastivka: „Russian Roulette XXI“

Interview

  • Gratis S. 43

    „Listening to the cry of the people“

    Elizabeth Kanini Kimau ist das, was man eine „Friedensstifterin“ nennen kann. Vor fast 15 Jahren ging sie in den Norden Kenias, um dort über den Konflikt zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen zu forschen. Sie blieb dort und wurde zu einer Akteurin des Wandels im Konflikt zwischen den Stämmen der Rendille und Borana: Sie unterrichtete Kinder, klärte sie über die Wurzeln der Gewalt auf und veränderte langsam das Bewusstsein der jungen Menschen. Sie pflanzte „Samen des Friedens“, wie sie es nennt, und hilft den Stämmen, sich selbst für Frieden einzusetzen. Im Interview mit Amosinternational erzählte Elizabeth Kanini Kimau, wie sie mit Kriegern Frieden schafft, warum die Bemühungen von Nichtregierungsorganisationen oft keine dauerhafte Wirkung haben, wie sich der Klimawandel auf die Schulbildung von Mädchen auswirkt und welche Projekte sie für die Zukunft geplant hat.

Bericht

Buchbesprechungen