Titelseite Amosinternational 1/2022

Heft 1/2022Weltwirtschaft zwischen Digitalisierung, Corona und Klima

Inhalt

Fragen von Impfgerechtigkeit, Lieferketten und Klimapolitik prägen aktuell unser Leben. Das Heft geht der Frage nach, wie eine gerechte Weltwirtschaft zwischen "Digitalisierung, Corona und Klima" aussehen kann und nimmt dabei auch internationale Perspektiven ein.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 7

    The Impact of the Corona Virus on Zimbabwe

    Die ersten COVID-19-Fälle in Afrika wurden im Februar 2020 festgestellt. Südafrika, Marokko und Ägypten waren am stärksten von dem Virus betroffen. In Simbabwe wurde der erste Fall am 21. März 2020 registriert. Seitdem stieg die Zahl der Fälle schnell an. In der Anfangsphase wurden die meisten Infektionen bei simbabwischen Rückkehrern aus Südafrika, dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten von Amerika und Dubai festgestellt. Mit der Zeit wurden in Simbabwe auch lokal übertragene Fälle festgestellt, und die Zahlen stiegen. Wie viele andere Regierungen in der Welt ergriff auch Simbabwe Abriegelungsmaßnahmen, die erstmals am 30. März 2020 angekündigt wurden. Seitdem wurden die Maßnahmen erneuert und durch Verschärfung oder Lockerung der COVID-19-Regeln je nach Einschätzung der Bedrohung und im Rahmen der WHO modifiziert. Heute, am 3. Dezember 2021, beläuft sich die Gesamtzahl der COVID-19-Fälle in Simbabwe, einem Land mit 14,86 Millionen Einwohnern, auf 137 000, darunter 1 707 Todesfälle. Wie in anderen Teilen der Welt hat die Pandemie die Wirtschaft Simbabwes stark beeinträchtigt, soziale und kulturelle Aktivitäten gestört sowie Ungleichheiten, Armut und andere Gefährdungen insbesondere für die ohnehin schon marginalisierten Menschen verstärkt. In diesem Artikel werden die Auswirkungen von COVID-19 auf den Lebensunterhalt der Menschen, die Bildung, die Gesundheit, die Politik und die Wirtschaft im Allgemeinen erörtert. Er stellt diese Diskussion in den globalen wirtschaftlichen und politischen Kontext.

  • Plus S. 12

    Universale Menschenrechte in globalen Lieferketten

    Die Frage, inwieweit auch Unternehmen Träger von Sorgfaltspflichten sind, wurde in den vergangenen Jahren vor allem durch den Verweis auf unternehmerische Freiwilligkeit der Einhaltung selbstgegebener Regeln diskutiert. Ein wachsendes Bewusstsein für das Leid, das mit globalen Wertschöpfungsketten vor allem im Globalen Sünden verbunden ist, hat die Fernverantwortung von Unternehmen neu in den politischen Diskurs gebracht. Lieferkettengesetze, seien es nationale oder supranationale, wie z. B. ein europäisches, scheinen für viele eine verhältnismäßige Antwort für jene Kontexte, wo Staaten Menschenrechte bei der Arbeit sowie Umweltschutz in der Produktion von Zulieferunternehmen für den Globalen Norden nicht hinreichend gewährleisten (können). Viele ethische Erwägungen sprechen dafür, dass diese wirksame und probate Mittel sein können.

  • Plus S. 18

    Recht auf Gesundheit in der COVID-19-Pandemie und die Regeln des WelthandelsZugang zu Impfstoffen und Medikamenten in Entwicklungsländern und Schutz geistigen Eigentums in der WTO

    Die Corona-Pandemie stellt eine globale Herausforderung dar. Zu Beginn der Pandemie wurde im Rahmen der Weltgesundheitsversammlungen ein abgestimmtes Vorgehen beschlossen, um die benötigten medizinischen Produkte und Impfstoffe so schnell wie möglich zu entwickeln und so gerecht wie möglich zu verteilen. Die Regeln der Welthandelsorganisation erlauben Ländern, bei nationalen Notlagen Ausnahmen von Patentregeln zu machen, um schneller an lebenswichtige Medikamente zu gelangen. Diese Regeln sind im Fall der Pandemie unzureichend. Ein Vorschlag, um adäquater auf die Pandemie reagieren zu können, wurde von Indien und Südafrika eingebracht. Die Beschlüsse der Weltgesundheitsversammlungen und die Vorschläge von Indien und Südafrika zu den Welthandelsregeln sowie deren jeweiliger Umsetzungsstand werden in diesem Beitrag hinsichtlich ihrer Übereinstimmung mit dem Menschenrecht auf Gesundheit überprüft. Im Hinblick auf den gerechten Zugang zu benötigten Medizinprodukten für Entwicklungsländer wird der Vorschlag eines Pandemievertrags ebenfalls überprüft. Da sich Defizite in der Umsetzung des Menschenrechts auf Gesundheit zeigen, werden abschließend Handlungsempfehlungen unterbreitet, die zu einer besseren Erfüllung des Rechts auf Gesundheit beitragen würden.

  • Plus S. 26

    The fragmentation of the multilateral trading systemRisks for the WTO and threats for developing countries

    Beim Thema digitaler Handel sind sich die Mitglieder der Welthandelsorganisation (WTO) uneinig. Die meisten Entwicklungsländer haben das Ziel, die digitale und technologische Kluft zu verringern, indem sie zunächst selbst Kapazitäten aufbauen. Damit wollen sie auch die sozio-ökonomische Entwicklung in ihren Ländern fördern. Die Industrieländer und einige wenige Entwicklungsländer wollen jedoch Verhandlungen aufnehmen, um die bereits weitgehend gängige Praxis, keine Zölle im digitalen Handel zu erheben, festzuschreiben. Die in diesem Bereich weniger entwickelten Länder befürchten dadurch eine Vergrößerung der digitalen Kluft und Einnahmeverluste und möchten dagegen erst die Zusagen der Industrieländer zu Reformen zu ihren Gunsten, zum Beispiel durch die Reduktion der Agrarsubventionen realisiert sehen, bevor sie bereit sind, über digitalen Handel zu verhandeln. Da in der WTO die Konsensregel gilt, haben die Länder, die für eine Aufnahme von Verhandlungen sind, sich zu einer sogenannten Joint Statement Initiative zusammengeschlossen. Dadurch wird das System der WTO umgangen und die weniger entwickelten Länder haben noch weniger Chancen, ihre Interessen einzubringen. Zudem wollen viele Länder weiterhin die Möglichkeit haben, die Souveränität über die inländischen Daten zu behalten und aus ihrer Sicht geeignete Datenschutzgesetze einzuführen.

Arts & ethics

Interview

  • Gratis S. 35

    „Wir müssen um jedes zehntel Grad kämpfen.“Die UN-Klimakonferenz Glasgow – historischer Erfolg oder „Bla bla bla“?

    Seit 26 Jahren treffen sich Staaten zur UN-Klimakonferenz. Im vergangenen Jahr kamen sie in Glasgow zusammen, um über die nächsten Schritte des Klimaschutzes zu sprechen. Dabei ging es um Kohleausstieg, die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad und Emissionen. Wie sind die Ergebnisse zu bewerten? Was daran ist ein historischer Erfolg, was nur Greenwashing? Wie sieht die Zukunft aus, wenn wir die gesetzten Ziele nicht erreichen? Amosinternational hat mit Christoph Bals von Germanwatch, der bisher an allen Klimakonferenzen teilgenommen hat, über seine Einschätzungen, Forderungen und Wünsche im Blick auf die Klimakrise gesprochen.

Beitrag

  • Gratis S. 41

    Wenn sonst nichts mehr hilftZiviler Ungehorsam und Widerstand

    Flutkatastrophen, Waldbrände, Hitzewellen: Schon jetzt bekommen auch die Menschen in Europa den Klimawandel zu spüren. Das Bündnis „Aufstand der letzten Generation“ macht durch bundesweite Aktionstage auf das drängendste Problem unserer Zeit aufmerksam. Durch Containern und Autobahnblockaden als Aktionen Zivilen Ungehorsams und Zivilen Widerstands wollen die Aktivisten Gesellschaft und Politik wachrütteln und zum Handeln bewegen. Sie setzen sich damit bewusst strafrechtlichen Sanktionen aus. Der Autor argumentiert in seinem Artikel, warum sonst nichts mehr hilft. Und warum uns nicht mehr viel Zeit bleibt, um den Klimawandel zu stoppen.

Bericht

Buchbesprechungen