Die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2020 hat dem Ökonomen und Philosophen Amartya Sen eine besondere Aufmerksamkeit beschert. Nicht nur die mediale Berichterstattung im Kontext der Friedenspreisverleihung, sondern, was eben zu den Eigenheiten eines „Buchpreises“ gehört, auch die aktuelle Präsenz von Sens Schriften in den realen und virtuellen Auslagen des Buchhandels, lenkt unseren Blick auf das vielseitige und außergewöhnliche Werk eines international über die Maße anerkannten Gelehrten. Dieser mehr als berechtigten Aufmerksamkeit ist auch dieses Kurzportrait geschuldet. Im Kontext der Sozialethik dürfte der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph kein Unbekannter sein. Denn wer immer sich mit Fragen der Gerechtigkeit, Ungleichheit, globalen Armut, Wohlfahrt oder auch Multikulturalität befasst, wird schnell auf Sen und seine Schriften stoßen. Doch es würde zu kurz greifen den Harvard-Gelehrten nur als Gerechtigkeitsdenker zu charakterisieren, ebenso wie die Mentalität, seiner Person nur im Wahrnehmungswindschatten von Martha C. Nussbaum gewahr zu werden, wenn es um den Fähigkeiten-Ansatz (Capability-Approach) geht. Sens Werk weist ein enormes Themenspektrum auf und entsprechend vielfältig sind seine anerkannten wissenschaftlichen Kompetenzen. Daher soll er im Folgenden zwar durchaus auch als Gerechtigkeitsdenker porträtiert werden. Aber eben nicht nur.
Von Johannes Frühbauer