Titelseite Amosinternational 4/2020

Heft 4/2020Konfessionelle Wohlfahrt im Umbruch

Inhalt

Konfessionelle Wohlfahrtsverbände sehen sich durch den gesellschaftlichen Wandel immer wieder neuen Herausforderungen ausgesetzt. Das Heft beleuchtet die Stellung von Caritas und Diakonie im Spannungsfeld zwischen staatlichen Erwartungen, betriebswirtschaftlichen Vorgaben und christlichem Profil.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Nach der SubsidiaritätSinnverlust und Persistenz der Kirchlichen Wohlfahrtspflege

    Diakonisches Handeln ist für die Kirche konstitutiv. Weil es nicht in innerkirchlicher Fürsorge aufgehen durfte, wurde es in Form der verbandlichen Caritas „ausgegründet“ und außerhalb der verfassten Kirche betrieben. Mit der Institutionalisierung der kirchlichen Wohlfahrtspflege in der Caritas ergeben sich eine Reihe von Fragen und Entwicklungen, die der vorliegende Beitrag thematisiert. Dazu gehören die sich verändernden Beziehungsmuster zwischen Staat und Caritas, die Transformation der kirchlichen Wohlfahrtspflege in Folge einer veränderten Sozialstaatlichkeit, die zunehmend skeptische Wahrnehmung von Kirche und Caritas in der Öffentlichkeit und nicht zuletzt die gegenseitige Entfremdung von Caritaseinrichtungen und Amtskirche. Die Ausführungen gelangen zu dem Schluss, dass die Kirchliche Wohlfahrtspflege, und damit auch die Caritas, recht beständig ist, aber in ihrer Beständigkeit ihren kirchlichen Sinn verliert.

  • Plus S. 13

    Wohlfahrtsverbände zwischen Marktorientierung und GemeinwohlEin System im Umbruch

    Von der Kita bis zum Altenheim: Die Wohlfahrtsverbände sind im deutschen Wohlfahrtsstaat in viele Felder der öffentlichen Daseinsvorsorge strukturell eingebunden. Damit nehmen die sechs Spitzenverbände, die in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) zusammengeschlossen sind, eine herausgehobene Stellung bei der Koordination und Steuerung sozialer Leistungen ein, die international ihresgleichen sucht. Neben der Arbeiterwohlfahrt (AWO), dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Paritätischen und der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) kommt den beiden konfessionellen Wohlfahrtsverbänden – Caritas und Diakonie – eine Sonderrolle zu. Sie sind nicht nur die größten Wohlfahrtsverbände, sondern verfügen aufgrund der spezifischen Staat-Kirche-Beziehungen auch über ein eigenes Arbeitsrecht (Dritter Weg) und sind besonders stark vom gesellschaftlichen (Werte-)Wandel betroffen. Insgesamt befindet sich das System der dualen Wohlfahrtspflege mit öffentlichen und freien Trägern seit Mitte der 1990er Jahre im Umbruch. Dessen Ursachen, Ausprägungen und Folgen werden im vorliegenden Aufsatz untersucht.

  • Plus S. 20

    Religiöses Profil christlicher DienstleisterWie christlich müssen Mitarbeitende konfessioneller Wohlfahrtsverbände sein?

    Konfessionelle Wohlfahrtsverbände und ihre diakonischen und caritativen Unternehmen erbringen als religiöse Anbieter soziale Dienstleistungen in einem zunehmend säkularen gesellschaftlichen Umfeld. Sie sind schon aus Gründen des Wettbewerbs im sozialen Sektor an der Stärkung ihres konfessionellen Profils interessiert. Jedoch erscheinen dabei sowohl das Festhalten an einer obligatorischen Kirchenbindung von Mitarbeitenden als auch die Bemühungen um eine religiös grundierte Unternehmenskultur als zunehmend ineffektiv. Daher muss stattdessen als dritte Perspektive nach der religiösen bzw. christlichen Profilierung der jeweiligen Dienstleistung selbst und ihren Bedingungen gefragt werden. Diese bezieht die Spiritualität von Adressaten und Mitarbeitenden ebenso wie den kirchlichen Orientierungsauftrag mit ein.

  • Plus S. 30

    Die Caritas in den neuen BundesländernNormen, Werte und Mitarbeiterschaft in einem säkularen Umfeld

    Die Caritas im Erzbistum Berlin befindet sich in einer Diasporasituation im doppelten Sinn – die katholische Kirche ist in Berlin, Brandenburg und Vorpommern eine Kirche in der Minderheit. Folglich ist die Caritas als katholischer Wohlfahrtsverband in der Minderheit; der größte Wohlfahrtsverband ist in Berlin die Parität. Nur die Hälfte der Mitarbeiter*innen sind Christ*innen, jedoch identifizieren sich viele nicht getaufte Mitarbeiter*innen mit der Caritas und haben auch eine Bindung zur Kirche. Die Heterogenität in der Mitarbeiterschaft spiegelt sich im Bedarf an spirituellen und ethischen Angebote wider, wie der Erfahrungsbericht der Stabsstelle Spiritualität, Ethik, Seelsorge zeigt. Wichtige Merkmale der Caritas sind Glaubwürdigkeit und Diskursfähigkeit auf der Basis christlicher Werte. Kirchliche Wohlfahrtsverbände leisten somit einen wichtigen Beitrag für die Webstruktur des Sozialstaates und der Demokratie.

Arts & ethics

  • Gratis S. 28

    ARAXA

    ARAXA

    Andreas Otto: „ARAXA“

Beitrag

  • Gratis S. 37

    Weiter wie bisher?Wirtschaftsethische Überlegungen zur Coronakrise

    Die Pandemie des Covid-19-Virus hat die tiefgreifendste Wirtschaftskrise seit 90 Jahren angestoßen. Die ökonomischen und sozialen Folgen für die Weltwirtschaft sind noch nicht absehbar. Viele Regierungen und die von ihnen beschlossenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Konjunkturbelebung zielen darauf ab, möglichst schnell auf den alten Wachstumspfad zurückzukehren. Offensichtlich wird die Krise nicht dazu genutzt, um die bisherige Form des Wirtschaftens zu hinterfragen und neue Wege einzuschlagen. In den folgenden Überlegungen geht es darum, einige neue Pfade für Deutschland aufzuzeigen. Dazu werden zunächst das gegenwärtige Paradigma des Wirtschaftens und seine Probleme skizziert, um dann weiterführende Perspektiven aus einer normativen Position zu entfalten.

  • Gratis S. 42

    Business Ethics im Kontext der Sozialen MarktwirtschaftWirtschaftsethische Jugendbildung am Beispiel des Erasmus+YEBE-Projekts

    Der Beitrag stellt in einem ersten Teil das vom Bund Katholischer Unternehmer (BKU) initiierte Erasmus-Projekt „Youth for Entrepreneurship and Business Ethics“ (YEBE) sowie dessen Didaktik und Ziele anhand der Ergebnisdokumente des Projekts, dem „Youth Code of Business Ethics“ und dem „Handbook of Social Market Economy“, vor. Im zweiten Teil wird das auf christlicher Wirtschafts- und Sozialethik basierende projektspezifische Verständnis von „Business Ethics“ im normativen Bezugsrahmen der Sozialen Marktwirtschaft ethikdidaktisch und sozialethisch reflektiert. Der spezifische Ansatz des Projekts als ein wirtschaftsethisches Jugendbildungsformat, das die Dimension der Persönlichkeitsbildung mit ordnungsethischer Orientierung verbindet und „Ethical Leadership“ anzielt, wird herausgearbeitet und dessen Potenziale werden diskutiert.

  • Gratis S. 47

    Amartya SenEin vielseitiger Denker und sozialethischer Impulsgeber

    Die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2020 hat dem Ökonomen und Philosophen Amartya Sen eine besondere Aufmerksamkeit beschert. Nicht nur die mediale Berichterstattung im Kontext der Friedenspreisverleihung, sondern, was eben zu den Eigenheiten eines „Buchpreises“ gehört, auch die aktuelle Präsenz von Sens Schriften in den realen und virtuellen Auslagen des Buchhandels, lenkt unseren Blick auf das vielseitige und außergewöhnliche Werk eines international über die Maße anerkannten Gelehrten. Dieser mehr als berechtigten Aufmerksamkeit ist auch dieses Kurzportrait geschuldet. Im Kontext der Sozialethik dürfte der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph kein Unbekannter sein. Denn wer immer sich mit Fragen der Gerechtigkeit, Ungleichheit, globalen Armut, Wohlfahrt oder auch Multikulturalität befasst, wird schnell auf Sen und seine Schriften stoßen. Doch es würde zu kurz greifen den Harvard-Gelehrten nur als Gerechtigkeitsdenker zu charakterisieren, ebenso wie die Mentalität, seiner Person nur im Wahrnehmungswindschatten von Martha C. Nussbaum gewahr zu werden, wenn es um den Fähigkeiten-Ansatz (Capability-Approach) geht. Sens Werk weist ein enormes Themenspektrum auf und entsprechend vielfältig sind seine anerkannten wissenschaftlichen Kompetenzen. Daher soll er im Folgenden zwar durchaus auch als Gerechtigkeitsdenker porträtiert werden. Aber eben nicht nur.

Bericht

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