Heft 3/2018Wohnen

Inhalt

Dieses Heft nimmt den fehlenden (bezahlbaren) Wohnraum in Deutschland zum Anlass, sich mit der Ambivalenz der kapitalistischen Prägung unserer Gesellschaft aus Perspektive der christlichen Sozialethik auseinanderzusetzen.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Wohnen ist mehr als ein Dach über dem KopfSozialethische Konsequenzen aus einer Anthropologie des Wohnens

    Was bedeutet es, zu wohnen? Im Folgenden wird diese philosophische Frage als Zugang gewählt und das Wohnen als eine Aneignungspraxis rekonstruiert. Dabei wird gezeigt, dass die normative Dimension des Wohnens implizit mit dem Schutz des Eigenen verknüpft ist. Die eigenen vier Wände sind ein Schutzraum und ein Freiraum. Die Pointe der Überlegungen liegt darin, diesen auf die individuelle Persönlichkeit bezogenen Anspruch zu plausibilisieren, ihn andererseits aber auch zu relativieren. Letzteres ist der Fall, wenn der Fokus auf kollektive Aneignungsprozesse gelegt und das Recht auf eine Wohnung als ein kollektives Recht verstanden wird. Die entscheidende Frage ist dann, ob sich Bürger als kollektive Eigentümer des städtischen Raumes verstehen und für seine (Wieder-)Aneignung kämpfen. Wichtige Anregungen liefert der Ansatz von Henri Lefebvre.

  • Plus S. 10

    Wohnungsnot in Deutschland und das Menschenrecht auf WohnenStand der Gewährleistung und politische Einflussmöglichkeiten

    Mit der Ratifikation des UN-Sozialpakts im Jahre 1976 hat die Bundesrepublik Deutschland das Menschenrecht auf Wohnen rechtsverbindlich anerkannt. Prüft man jedoch die Gewährleistung dieses Menschenrechts in Deutschland anhand drei vom UN-Sozialausschuss anerkannten Kriterienzur inhaltlichen Bestimmung des Menschenrechts – die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum, die Möglichkeit des Klagewegs gegen Mietrechtsverstöße sowie die Wohnungsqualität –, zeigen sich erhebliche Defizite. Insbesondere bei sozial und wirtschaftlich benachteiligten Personen wie auch bei Menschen mit Migrationshintergrund ist keines der drei Kriterien voll umfänglich eingelöst. Dabei gibt es auf der Ebene der Vereinten Nationen bisher wenig bekannte Handlungsoptionen zur Schaffung von mehr Gerechtigkeit im Wohnungsbereich.

  • Plus S. 16

    Bezahlbarer Wohnraum für alleWirtschaftsethische Überlegungen zum Anstieg der Bodenpreise und zur Überwindung des Wohnungsmangels

    Seit einigen Jahren kommt es in den dynamisch wachsenden Ballungsräumen Deutschlands zu einem starken Anstieg der Wohnungskosten, der dazu führt, dass immer mehr Menschen mit einem geringen Einkommen keine adäquate Wohnung finden. Aus Sicht einer katholischen Eigentumsethik, welche die Sozialbindung und Sozialpflichtigkeit des Bodeneigentums betont, sind wohnungspolitische Maßnahmen wie z. B. die Mietpreisbremse, das Verbot der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen oder sozialer Wohnungsbau nicht als Eigentumseinschränkungen oder Markteingriffe zu problematisieren, sondern vor allem auf ihre Wirksamkeit hin zu prüfen. Zentrale Ursache des Wohnungsmangels ist allerdings der in urbanen Regionen starke Anstieg der Bodenpreise, der auf viel Zuzug und zu wenig Wohnungsneubau zurückgeht, aber auch spekulativ überhöht ist. Um diesen abzubremsen, wäre die Besteuerung von Bodenwertzuwächsen ein vielversprechendes Instrument.

  • Plus S. 24

    Werden die kirchlichen Wohnungsunternehmen ihrem Auftrag noch gerecht?Fragen eines sachkundigen Beobachters

    Wohnungspolitik ist aus kirchlicher Sicht praktische Familien- und Sozialpolitik. Sie verhilft Menschen, die es aus eigener Kraft nicht geschafft hätten, zu einem eigenen Heim, teils sogar zur Bildung von Wohneigentum. In den ersten drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg waren katholische Wohnungsbaugesellschaften in diesem Sinne maßgeblich an der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum beteiligt. Gegenwärtig hat es jedoch den Anschein, dass sie sich mehr und mehr vom ihrem ursprünglichen Leitbild entfernen und fast nur noch renditeorientiert agieren. Dabei lässt sich günstiger Wohnraum mit etwas Kreativität auch bei steigenden Bodenpreisen bereitstellen.

  • Plus S. 31

    Wohnen in MegacitiesPolitische Herausforderungen durch informelle Armensiedlungen

    Das rasante Wachstum der Städte – exemplarisch sichtbar in den Megacities dieser Welt – sowie die zunehmende Umweltzerstörung und der Klimawandel erfordern schnelles und entschiedenes Handeln auf allen politischen Ebenen, wenn die Ziele sozial gerechter Entwicklung und ökologischer Nachhaltigkeit nicht verfehlt werden sollen. Städtische Räume bilden dabei entscheidende Handlungsfelder. Politik und reguläre Märkte waren bislang nicht in der Lage, das Grundrecht auf angemessenen Wohnraum für alle einzulösen, wie die weiter wachsende Zahl städtischer Armer in informellen Siedlungen zeigt. Am Gemeinwohl orientierte Lösungen für die drängende Wohnungsfrage müssen deshalb bei der Anerkennung informeller Siedler als vollwertiger Bürger mit allen Rechten und Kompetenzen ansetzen. Ihre Beteiligung ist für die Planung und Gestaltung ökologisch und sozial zukunftsfähiger städtischer Wohn- und Lebensräume unerlässlich.

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