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S. 33
Naturrecht fragt nach dem Sinn des Seins, nicht nach seiner bloßen Natur. Der Mensch ist gut infolge der Teilhabe an Gottes vollkommener Gutheit. Durch Missbrauch der ihm gegebenen Freiheit und die damit verbundene Abwendung von der Lebensfülle in Gott ist er auf Erlösung angewiesen. Der folgende Beitrag geht vom Hintergrund dieser theologischen Deutung der Wirklichkeit und der Fähigkeit des Menschen, über die Grenze seines Daseins hinaus zu denken, aus. Er fragt nach der Rolle und Bedeutung des Naturrechts in der christlichen bzw. ökumenischen Sozialethik. Unter anderem wird dabei vorausgesetzt, dass Schöpfung und biologische Natur keineswegs identisch sind. Das Anliegen der christlichen Sozialethik wird skizziert als ein Aufzeigen von Wegen, die zu gelungenem und geglücktem Leben führen. Dabei wird vor allem das Individuum adressiert: In Staat, Wirtschaft und Gesellschaft habe stets die Person in ihrer gebrochenen Freiheit, das Gute zu tun, Vorrang vor dem Kollektiv. Von Peter Schallenberg