Heft 3/2017Ökumenische Sozialethik

Inhalt

Die harten „kontrovers-theologischen“ Auseinandersetzungen sind gewiss nicht auf dem Feld der Sozialethik geführt worden. Dennoch sind auch sie mit den grundlegenden theologischen Annahmen der katholischen sowie der lutherischen und reformierten Tradition verwoben. Dieses Heft untersucht die daraus entstehenden Anwendungs- und Spannungsfelder.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Gemeinsam Zeugnis geben in einer pluralistischen GesellschaftChancen und Grenzen einer ökumenischen Sozialethik

    Die beiden großen Kirchen haben im Laufe der jüngeren Vergangenheit bereits einen langen, aber letztlich erfolgreichen Weg hin zu einer ökumenischen Soziallehre und Sozialethik zurückgelegt. Trotz der immer wieder vorgebrachten Bedenken hinsichtlich eines evangelisch-katholischen Grundwiderspruchs in Fragen der Ethik hat sich in den entscheidenden Bereichen, nämlich der Erkenntnistheorie, der Verbindlichkeit, der zugrundeliegenden Anthropologie sowie der Ekklesiologie ein gemeinsames Fundament für die ökumenische Soziallehre herauskristallisiert. Ohne Verlust an christlicher Substanz und an Glaubwürdigkeit in der pluralistischen Gesellschaft kann es nicht mehr unterschritten werden.

  • Gratis S. 10

    Freiheit und GerechtigkeitProtestantische Traditionslinien der Sozialen Marktwirtschaft

    Die Soziale Marktwirtschaft ist in der Zeit des Zweiten Weltkrieges und nach 1945 als Antwort auf die Krisen der Wirtschafts- und Sozialordnung in Deutschland entwickelt worden. Sie wurde wesentlich von protestantischen Nationalökonomen geprägt. Dabei griff man auf sozialethische Traditionen beider christlicher Kirchen zurück, um eine neue Synthese von Freiheit und Gerechtigkeit zu ermöglichen. Der folgende Beitrag stellt die protestantischen Traditionslinien explizit heraus. Das Modell kann auch heute noch wegweisend für die Bewältigung aktueller ökonomischer und sozialer Herausforderungen sein. Das haben die beiden christlichen Kirchen in Deutschland mehrfach herausgearbeitet.

  • Plus S. 17

    Verantwortbarer KapitalismusDie Sozialinitiative, das Gemeinsame Wort und das politische Mandat der Kirchen in Deutschland

    Die sozial- und wirtschaftspolitischen Stellungnahmen der beiden großen Kirchen in Deutschland zielen nicht darauf ab, Politik zu machen, sondern Politik zu ermöglichen. Durch Besinnung auf das Christsein wollen sie differierende Standpunkte miteinander ins Gespräch bringen und die Suche nach Kompromissen unterstützen. Der folgende Beitrag zeichnet exemplarisch die Positionen der ökumenischen Sozialinitiative 2014 und des gemeinsamen Wortes zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland von 1997 nach. Erkennbar werden sowohl der kirchliche Beitrag zu einem allgemeinen Werte- und Vertrauenskonsens als auch die spezifisch christliche Argumentation. So können Interessengegensätze relativiert und Kompromissfähigkeit als Basis gemeinsamen Handelns herausgestellt werden. Der Preis ist ein oft kritisierter Mangel an Konkretion und eindeutiger politischer Stellungnahme.

  • Plus S. 24

    Weltwirtschaft, Marktwirtschaft und Management in Caritas und DiakonieAktuelle Herausforderungen einer ökumenischen Wirtschafts- und Unternehmensethik

    Ökumenische Wirtschaftsethik konzentriert sich in der Regel auf Fragen nach dem Wirtschaftssystem, wirtschaftlicher Gerechtigkeit oder den Auswirkungen globalen Wirtschaftens. Dieser Beitrag möchte Herausforderungen einer ökumenischen Wirtschaftsethik auf zwei Ebenen identifizieren, die in theologischer Wirtschaftsethik kaum verbunden werden: die gesamtwirtschaftliche Ebene und die betriebswirtschaftliche Ebene. Die wirtschaftsethische Dimension wird mit Bezug zu Papst Franziskus, zu Anliegen der protestantischen Wirtschaftsethik und zu unternehmerischem Handeln diskutiert. Mögliche Weiterentwicklungen der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen werden benannt: die ethische Ausrichtung im Konzept der Sozialen Marktwirtschaft, Ansätze einer Gemeinwohlökonomie sowie die Initiative einer Ecumenical School for Governance, Economics and Management. Die unternehmensethische Dimension wird für Caritas und Diakonie anhand der Einordnung von Unternehmen als produktiven sozialen Systemen (St. Galler Managementmodell) eingeführt.

  • Plus S. 33

    Im Dienst gelingenden LebensNaturrecht in der ökumenischen Sozialethik

    Naturrecht fragt nach dem Sinn des Seins, nicht nach seiner bloßen Natur. Der Mensch ist gut infolge der Teilhabe an Gottes vollkommener Gutheit. Durch Missbrauch der ihm gegebenen Freiheit und die damit verbundene Abwendung von der Lebensfülle in Gott ist er auf Erlösung angewiesen. Der folgende Beitrag geht vom Hintergrund dieser theologischen Deutung der Wirklichkeit und der Fähigkeit des Menschen, über die Grenze seines Daseins hinaus zu denken, aus. Er fragt nach der Rolle und Bedeutung des Naturrechts in der christlichen bzw. ökumenischen Sozialethik. Unter anderem wird dabei vorausgesetzt, dass Schöpfung und biologische Natur keineswegs identisch sind. Das Anliegen der christlichen Sozialethik wird skizziert als ein Aufzeigen von Wegen, die zu gelungenem und geglücktem Leben führen. Dabei wird vor allem das Individuum adressiert: In Staat, Wirtschaft und Gesellschaft habe stets die Person in ihrer gebrochenen Freiheit, das Gute zu tun, Vorrang vor dem Kollektiv.

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