„Die Menschen sind die Plage der Erde“, erklärte der bekannte britische Naturforscher und Tierfilmer David Attenborough Mitte Januar in einem provozierenden Interview. „Entweder wir begrenzen das Bevölkerungswachstum, oder die Natur wird das für uns besorgen.“ Solche und ähnlich reißerische Aussagen finden sich mit gewisser Regelmäßigkeit in den Medien. Berichte über Hungersnöte, Naturkatastrophen und Wassermangel geben immer wieder Anlass, die rasante Entwicklung der Weltbevölkerung, die sich im 20. Jahrhundert vervierfacht hat, zu problematisieren. Tatsächlich wirft die wachsende Zahl der Menschen, die 2050 die Neun-Milliardengrenze überschreiten soll, eine Reihe von politischen und sozialethischen Fragen auf.
Ohne den Anspruch zu erheben, auf diese Fragen jeweils schon richtige Antworten gefunden zu haben, wohl aber im Bemühen, die Diskussion zu versachlichen und in ihrer Vielschichtigkeit zu erfassen, widmet sich der Schwerpunkt der vorliegenden Ausgabe von Amosinternational dem weltweiten Bevölkerungswachstum. Johannes Müller SJ, der dankenswerterweise auch die Koordination des Heftes übernommen hat, trägt in seinem einführenden Beitrag eine Reihe von sozialwissenschaftlichen Fakten zum Thema zusammen und unterzieht sie einer sozialethischen Bewertung. Er kommt dabei zum Schluss, dass eine aktive und vorausschauende Bevölkerungspolitik nur dann Erfolg versprechend ist, „wenn sie die Menschen durch für sie positive Werte zur Familienplanung motiviert und den lokalen Verhältnissen angepasst ist, was einen Verzicht auf Zwangsmittel von selbst verbietet“. Der Einfluss aller Religionen, einschließlich der katholischen Kirche, auf die Bevölkerungsentwicklung wird aus seiner Sicht überschätzt. Dennoch wäre nach Ansicht des Verfassers eine offizielle Erklärung zum Weltbevölkerungsproblem auf weltkirchlicher Ebene geboten. Die Erklärung der deutschen Bischofskonferenz von vor zwanzig Jahren zu diesem Thema findet sich in Auszügen im Dokumentationsteil dieses Heftes.
Den Herausforderungen durch das Bevölkerungswachstum im Hinblick auf die damit verbundene Ressourcenverknappung und möglichen Handlungsoptionen geht Hermann Lotze-Campen vom Potsdamer Klimainstitut nach. Neben fehlenden urbaren Landflächen und Süßwasser sieht er vor allem die Verknappung von Speicherkapazität für CO2 in der Atmosphäre als größte Herausforderung. Bei der Suche nach Lösungen muss das Subsidiaritätsprinzip leitend sein. Während zur Begrenzung von Treibhaus-Emissionen sinnvolle Lösungen nur auf globaler Ebene gefunden werden können, lassen sich andere Ressourcenkonflikte nur regional oder lokal lösen, wie der Autor am Beispiel der Wasserknappheit zeigt. Notwendige Änderungen im Konsumverhalten und damit beim Ressourcenverbrauch lassen sich indessen aus seiner Sicht erst durch staatliche Regulierungen der Preise für knappe Güter erreichen.
Die in Genf lehrende Shamlini Randeria erwägt in ihrem von Barbara Schellhammer zusammengestellten Beitrag die „Bevölkerungspolitik aus feministischer Sicht“. Die Beispiele aus Indien und Afrika belegen die Komplexität der Thematik und dämmen die Hoffnung auf schnell zu verwirklichende und universal gültige Politikentwürfe. Die Autorin warnt darüber hinaus davor, das Recht auf Bildung und Arbeit für Frauen in bevölkerungspolitischer Perspektive zu instrumentalisieren. Der den Heftschwerpunkt abschließende Beitrag von Johannes J. Frühbauer widmet sich den globalen Urbanisierungsprozessen. Megastädte als „Spezifikum globaler Urbanisierung“ und ihre Ambivalenz als globale Riskiogebiete und Knotenpunkte stehen dabei im Vordergrund.
Die Dokumentation einiger Passagen aus der Handreichung für Führungskräfte des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, der Tagungsbericht von den französischen Sozialwochen vom vergangenen November zur Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen sowie eine Reihe von Buchbesprechungen und die Rubrik Arts & Ethics runden die erste Ausgabe von Amosinternational für das Jahr 2013 ab.