Titelseite Amosinternational 1/2010

Heft 1/2010Gerechte Energiepolitik

Inhalt

Energiepolitische Verantwortung ist heute ein entscheidendes Handlungsfeld wirtschaftlicher Zukunftssicherung und globaler Gerechtigkeit. Sollen energiepolitische Impulse wirksam werden, müssen sie auf ordnungsethischer Ebene entfaltet werden.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Renaissance oder Technologie-GeriatrieStand und Perspektiven der Atomindustrie weltweit

    Seit einigen Jahren hört man stetig von einer „Renaissance“ der Atomenergie. Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Am 1.1.2010 waren 435 Reaktoren in 30 Staaten in Betrieb, neun Reaktoren weniger als 2002. 2008 ging zum ersten Mal weltweit kein neuer Reaktor ans Netz. Auch 2009 verzeichnete nur einen Neuzugang. Zwar sind offiziell 56 Reaktoren im Bau, fast alle in Asien und Osteuropa, doch die Hälfte verzeichnet Verspätungen und 13 stehen bereits seit über 20 Jahren in der Statistik. Weltweit fehlen Herstellungskapazitäten, Fachpersonal und Kapital. Potentiellen Newcomer Staaten mangelt es an Kompetenz, Stromnetzen und Akzeptanz. Da der Reaktorpark weltweit zunehmend altert, wird die Anzahl der Anlagen nur durch massive Laufzeitverlängerungen aufrechterhalten werden können oder aber rapide abnehmen.

  • Plus S. 12

    Kohlekraftwerke ohne Treibhausgase?Zur Abscheidung und Lagerung von Kohlendioxid

    In der Stromerzeugung der nächsten Jahrzehnte wird Kohle nach wie vor eine sehr wichtige Rolle spielen. Um den Klimawandel nicht noch zu verschärfen, muss das dabei anfallende Kohlendioxid aus dem Rauch abgeschieden und dann für Jahrtausende im Boden gespeichert werden. Dieses als CCS (Carbon Dioxide Capture and Storage) bezeichnete Verfahren wird zunächst übersichtlich vorgestellt und dann kritisch diskutiert. Als ein wichtiger Schlüssel wird die Einbeziehung der Stromproduktion in einen globalen Emissionshandel herausgearbeitet. Abschließend wird die Diskussion kurz kulturtheoretisch reflektiert.

  • Plus S. 21

    Vorrang für erneuerbare Energien?Chancen und Barrieren, politische und ethische Bewertung

    Eine der größten Herausforderungen für die zivilisatorische Entwicklung der Menschheit ist die Zukunft der Energieversorgung vor dem Hintergrund der Verknappung fossiler Ressourcen und des Klimawandels. In diesem Kontext ist es überfällig, zu einem grundlegenden Bewusstseinswandel hinsichtlich der Potenziale erneuerbarer Energien zu gelangen. Deren ökonomische Chancen liegen in Dezentralität, Importunabhängigkeit und weitgehend kostenfreier Verfügbarkeit. Sie können uns vor dem Kampf um Ressourcen und einer für den Menschen nicht mehr kalkulierbaren Umweltveränderung bewahren. Es ist sowohl aus ökologischen wie aus sozialen Gründen ethisch geboten, den menschlichen Lebensraum bei bestehenden Handlungsalternativen nicht weiter zu zerstören bzw. zu gefährden. Eine solche ethische Pflicht lässt sich auch aus der Menschenwürdegarantie in unserer Verfassung, die eine Entsprechung in der europäischen Menschenrechtscharta und der UN-Charta findet, ableiten.

  • Plus S. 31

    Ethische Aspekte der AtomenergienutzungZentrale Fragen und die Positionen der beiden großen christlichen Kirchen

    Kann die weitere Nutzung der Atomenergie ethisch gerechtfertigt werden? Diese Frage gliedert sich in eine Reihe von Teilaspekten. Sie reichen vom Gesundheits- und Umweltschutz über die weltweite Energiegerechtigkeit bis zur Verantwortung für kommende Generationen. Der Autor benennt zunächst die neuralgischen Punkte der Atomenergiedebatte. Auf diesem Hintergrund werden die inhaltlichen Positionen und die politische Einflussnahme der beiden großen Kirchen anhand maßgeblicher Quellen referiert und kritisch hinterfragt.

Arts & ethics

  • Gratis S. 28

    Strahl

    Strahl

Interview

  • Plus S. 36

    "Das Volk muss über die Energiewirtschaft enscheiden"Interview mit dem Erzbischof von Aparecida über Energie für die Armen und die Bewahrung der Schöpfung

    Der Präsident des lateinamerikanischen Bischofsrates kritisiert die Unterwerfung des Energiesektors unter die Profitlogik der Marktwirtschaft. Diese diene einem Produktions- und Konsummodell, das nicht zukunftsfähig sei, weil es die Armen enteigne und die Natur zu zerstören drohe. Die Kirche plädiere daher für eine Umkehr. Das bedeute für die Reichen z. B., den sparsamen Umgang mit Energieressourcen von den Armen zu lernen. Auch bei den neuen Formen der Energiegewinnung bestehe freilich die Gefahr, dass sie zur Bereicherung einer Minderheit bei gleichzeitiger Verarmung ganzer Völker genutzt werden. Staatliche Steuerung müsse dem entgegen wirken. Die Kirche suche daher immer wieder den gesellschaftlichen Dialog, um sich für eine langfristige Bewahrung der Schöpfung und eine geschwisterliche Teilhabe an ihren Gütern einzusetzen.

  • Plus S. 40

    "Damit alle leben können"Der Geschäftsführer von Misereor über den Zusammenhang von Energieverbrauch, Klimawandel und Armutsbekämpfung

    Mehr als 80 Prozent der Ärmsten dieser Welt leben in direkter Abhängigkeit von der umgebenden Natur. Deren Schädigung oder Zerstörung durch hoch technisierten Abbau der Ressourcen und übermäßigen Energieverbrauch kommt einer Minderheit von Reichen zu Gute und lässt eine Mehrheit von Armen zurück. Nachhaltige Entwicklung erfordert die Überwindung dieser strukturellen Ausgrenzung. Der Weg dahin führt über eine dezentrale Energieversorgung, bei der Energiegewinnung und -verbrauch eng beieinander liegen, sowie über eine weitgehend klimaneutrale Produktionsweise. Die zunehmenden Kämpfe um Energie und Wasser bedürfen eines Dialogs, der darauf bedacht ist, die Lebensgrundlagen gemeinsam zu sichern. Die Bewahrung der Schöpfung und die gerechte Verteilung ihrer Güter wird aber nicht möglich sein ohne einen Wandel des Bewusstseins und des Lebensstils, vor allem in den reichen Ländern.

Bericht

Buchbesprechungen