Titelseite Amosinternational 4/2009

Heft 4/2009Wende ohne Ende?

Inhalt

1989 – ein Jahr mit Langzeitwirkung. Die Folgen der Wende sind nicht nur bis heute spürbar, sondern treten teils erst heute deutlich hervor. Bei der Aufarbeitung der Vergangenheit können auch die Kirchen eine wichtige Rolle spielen.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    TransformationenEuropa zwanzig Jahre nach der Wende

    Im einführenden Beitrag schlägt Ingeborg Gabriel einen Bogen von der facettenreichen Vorgeschichte der 1989er Revolutionen bis zu den auch heute noch nicht bewältigten Folgelasten von materieller Armut und kultureller Entfremdung. Trotz Befreiung vom Alptraum der Diktatur haben die Transformationen der vergangenen Jahrzehnte für die Mehrzahl der Menschen in Ost- und Mitteleuropa kein besseres Leben gebracht. Die Autorin plädiert daher für mehr Engagement zum sozialen Ausgleich, aber auch für einen verstärkten kulturellen Brückenbau zur Bewältigung der geistigen Folgen des Kommunismus. Dazu gehört die Unterstützung eines differenzierten Erinnerungsdiskurses in den betroffenen Ländern, der für gute und schlimme Erfahrungen im Gedächtnis Platz hat, und der Prozesse eines versöhnten Umgangs mit der eigenen Vergangenheit initiiert. Eine derartige seriöse Aufarbeitung der Vergangenheit fordere vor allem auch die christlichen Kirchen heraus.

  • Plus S. 11

    Notwendigkeit und Schwierigkeit authentischen ErinnernsZum Umgang mit der Last jüngster Vergangenheit

    Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, siebzig Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs ist die Frage, wie man diesen Ereignissen und ihren Folgen im individuellen wie kollektiven Gedächtnis gerecht werden kann, erneut Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Insbesondere besteht die Gefahr, dass unterschiedliche, sich tendenziell ausschließende Narrative zur Relativierung wesentlicher politischer und moralischer Gehalte beitragen. Es gilt aber, diese in Formen angemessenen kollektiven Erinnerns festzuhalten. Der Erinnerungsdiskurs verweist darüber hinaus auf die Aufgabe, die Situation derjenigen, die unter den Folgen von Systemunrecht bis heute zu leiden haben, zu lindern, vor allem, sie in die Suche nach gemeinsamem, authentischen Erinnern aktiv einzubeziehen. Schließlich stellt sich die Frage, wie und in welchen Grenzen angesichts von massenhaften Verbrechen und ihren Auswirkungen die Rede von Versöhnung möglich und sinnvoll wird.

  • Plus S. 19

    Kirchliche Renaissance nach dem Fall des Kommunismus?Religiosität und gesellschaftliche Rolle der Kirche im Wandel

    Die Daten und Kommentare zum religiösen Wandel in Ost-Mitteleuropa sind widersprüchlich. Der Autor dieses Beitrags belegt und erläutert den uneinheitlichen religiösen Aufbruch, der zudem oft außerhalb der Kirche verläuft. Dieser Aufbruch kann nur im Rahmen des umfassenderen sozialen Wandels verstanden werden, zumal darin die Rolle und die Ausprägung der Religion und der Kirche sich notwendigerweise verändern. Die Erneuerung besteht weniger in einer zahlenmäßigen Vergrößerung, als vielmehr in einer Verlebendigung des religiösen Systems und einer Zunahme seiner Funktionen in der Gesamtheit der Gesellschaft.

  • Plus S. 27

    Zwischen europäischer Integration und euroskeptischem PopulismusPolitische Entwicklungen in Ostmittel- und Südosteuropa

    In den letzten Jahren haben populistische Politiker und Parteien in den ostmittel- und südosteuropäischen Staaten gerade nach deren EU-Beitritt vielfach Wahlerfolge verbuchen können, was zu Irritationen und Verunsicherung in den alten EU-Ländern geführt hat. Populistische Parteien verdanken ihren Aufstieg dabei nicht in erster Linie ihrer häufig anzutreffenden euroskeptischen Rhetorik, sondern den unerfüllten Hoffnungen, die die Bevölkerungen in den Transformationsprozess gesetzt hatten. Die Länder des „Westlichen Balkans“, die noch nicht zur EU gehören, haben dagegen in den letzten Jahren Fortschritte auf dem Weg der Annäherung zur EU gemacht.

  • Plus S. 35

    Östliches Ressentiment - westliche IndifferenzSolidaritätsdiskurse in der Europäischen Union

    Im folgenden Beitrag werden die unterschiedlichen Solidaritätsdiskurse in den östlichen und in den westlichen Ländern Europas einander gegenüber gestellt. Begriff und Kultur der Solidarität erweisen sich dabei als grundlegend verschieden. Entsprechend groß ist immer noch das gegenseitige Misstrauen. Wenn es um das Gleichgewicht von Geben und Nehmen, von Gewinnen und Verlieren geht, werden von einander abweichende historische und moralische Rechnungen aufgemacht. Bei den Fragen einer zukünftigen europaweiten Verteilungsgerechtigkeit und der besten Voraussetzungen für eine aufholende Entwicklung der post-kommunistischen Länder gibt es keinerlei Einigkeit. Sind die Bemühungen um gemeinsame Vorstellungen von einer transnationalen Solidarität in Europa wieder am Nullpunkt angelangt?

Arts & ethics

  • Gratis S. 28

    Selbst

    Selbst

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Vorgestellt

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