Plus
S. 11
Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, siebzig Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs ist die Frage, wie man diesen Ereignissen und ihren Folgen im individuellen wie kollektiven Gedächtnis gerecht werden kann, erneut Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Insbesondere besteht die Gefahr, dass unterschiedliche, sich tendenziell ausschließende Narrative zur Relativierung wesentlicher politischer und moralischer Gehalte beitragen. Es gilt aber, diese in Formen angemessenen kollektiven Erinnerns festzuhalten. Der Erinnerungsdiskurs verweist darüber hinaus auf die Aufgabe, die Situation derjenigen, die unter den Folgen von Systemunrecht bis heute zu leiden haben, zu lindern, vor allem, sie in die Suche nach gemeinsamem, authentischen Erinnern aktiv einzubeziehen. Schließlich stellt sich die Frage, wie und in welchen Grenzen angesichts von massenhaften Verbrechen und ihren Auswirkungen die Rede von Versöhnung möglich und sinnvoll wird. Von Thomas Hoppe