Plus
S. 16
Angesichts der aufgrund des medizinischen Fortschritts und des wachsenden Wohlstands zunehmenden Gesundheitskosten wird es zur Aufgabe, über die Gestaltung und Anerkennung von Grenzen nachzudenken. Soll eine qualitativ hoch stehende Gesundheitsversorgung für alle erhalten bleiben, besteht die ethisch relevante Frage heute nicht mehr darin, ob priorisiert und rationiert werden, sondern wie, nach welchen Methoden und Kriterien dies geschehen soll. Priorisierungen, das Anordnen medizinischer Leistungen nach sinkender Wichtigkeit, dienen letztlich der Vorbereitung von Rationierungsentscheidungen. Unter Rationierung sind implizite oder explizite Mechanismen zu verstehen, die dazu führen, dass einer behandlungsbedürftigen Person nützliche Leistungen nicht zur Verfügung stehen. Ethisch relevante Entscheidungskriterien sind neben tugendethischen, prozeduralen und normativen auch evaluative. Neben dem fundamentalen Menschenwürdeprinzip sollten dabei das Bedarfs-, das Solidaritäts-, das Kosteneffektivitäts- und das Verantwortungsprinzip als zentrale normative Kriterien berücksichtigt werden, nicht zuletzt aber auch das Vulnerabilitätsprinzip, welches den Schutz besonders verletzlicher Menschen vorsieht. Von Markus Zimmermann-Acklin