Familie - Grundlage einer starken Gesellschaft

Bernhard Nacke (Hg.): Familie – Grundlage einer starken Gesellschaft. Wort der rheinland-pfälzischen (Erz-)Diözesen und ihrer Diözesan-Caritasverbände zur Situation der Familie, Freiburg im Breisgau: Herder 22008, 94 S., ISBN 978–3–451–29824–0

Das Familienwort der rheinland-pfälzischen (Erz-)Diözesen und ihrer Caritasverbände gibt einen grundlegenden Abriss der gegenwärtigen Situation der Familie, ihrer Leistungen und Probleme, sowie der bereits vorhandenen und geforderten Hilfestellungen.

Bereits im Vorwort, das von Kardinal Lehmann verfasst wurde, und in der Einleitung des Herausgebers wird klargestellt, dass die vorliegende Abhandlung nicht den Anspruch erhebt, alle aktuellen familienpolitischen und familienethischen Fragen vollständig zu erörtern und zu beantworten. Vielmehr will sie einen Überblick verschaffen und die Aufgabenstellung von Kirche und Gesellschaft verdeutlichen. Diesem Anspruch wird das Familienwort in jeder Hinsicht gerecht.

Entsprechend diesen Vorgaben, die sich die Arbeitsgruppe gesetzt hat, gliedert sich das Buch nach den einführenden Abschnitten in drei Kapitel. Im ersten Kapitel wird die gegenwärtige Familiensituation kurz geschildert. So werden nach einem Verweis auf die Bedeutung der Familie einige Anforderungen thematisiert, mit denen Familien heute konfrontiert sind. So wird beispielsweise auf die aktuelle Problematik eingegangen, dass junge Frauen und Männer sich beidseitig Gleichberechtigung in Partnerschaft und Familie zugestehen, aber oft an der Umsetzung scheitern, was zu einem Rückgang an Zufriedenheit mit der Partnerschaft führen kann. Danach werden exemplarisch einige Dienste vorgestellt, die für Familien zur Verfügung stehen. Hier wird jeweils der Ist-Zustand geschildert, und darauf verwiesen, was weiterhin notwendig wäre. Im Anschluss daran werden konsequenterweise finanzielle Aspekte behandelt, wobei die hohen Investitionen der Familien ebenso Erwähnung finden, wie der Verweis auf die Familienarmut.

Im zweiten Kapitel werden – aufbauend auf den Ergebnissen des ersten Kapitels – Orientierungen für eine Familienpolitik gegeben. Hierfür werden zunächst einige grundlegende Perspektiven aufgezählt. Der Komplexität von Familienbelangen wird dabei immer wieder Rechnung getragen. Danach werden noch sehr kurz einige Aufgaben thematisiert, bei denen die Politik die Familien unterstützen müsse. Es werden unter anderem der Erziehungsauftrag, das Kindeswohl, Elternwohl und Familienwohl genannt. Anerkennenswert ist hierbei vor allem, dass diese Unterstützungsmaßnahmen nicht als Hilfe für Schwächere, sondern als Beitrag zu einer gerechteren Gesellschaft eingestuft werden.

Schließlich geht es im dritten Kapitel um konkrete Ziele und Wege, wie Familien heute effektiv unterstützt werden können. Hier geht es um Familienkompetenz, sowie materielle und immaterielle Unterstützung. Es wird unter anderem gefordert, den Eltern echte Wahlfreiheit bei der Organisation und Gestaltung der Familie zu ermöglichen, finanzielle Gerechtigkeit für Familien zu verwirklichen, bestehende Förderungen zu bündeln, Bildung und Erziehung auf allen Ebenen zu fördern und die Mehrgenerationensolidarität zu stärken.

Wie im vorausgehenden Kapitel steht auch hier der Aspekt der finanziellen Unterstützung ganz unter dem Gerechtigkeitsprinzip. Auch sehr innovative Möglichkeiten, wie beispielsweise die Einführung eines Familiensplittings ins Steuerrecht, werden angedacht. Auf die Frage der Finanzierbarkeit wird dabei allerdings nicht eingegangen.

In einem letzten abschließenden Abschnitt werden noch die Aufgaben der Kirche bei der Unterstützung von Familien angesprochen. Dabei werden zuerst einige positive Praxisbeispiele kurz angerissen und dann weitere Aufgaben, die noch zu verwirklichen sind, angesprochen.

Mit dem vorliegenden Familienwort ist eine sehr gute Übersicht über die aktuellen Themen und Fragen der Familienethik gelungen. In einigen Teilen gehen die Ausführungen leider sehr wenig in die Tiefe und streifen manche interessanten Themenfelder nur. Dieser Sachverhalt ist allerdings durch die selbst gesetzte Zielsetzung gerechtfertigt. Vor allem das Anliegen, ein Problembewusstsein für die Situation der Familien zu schaffen, ist durch die gewählte Perspektive gut gelungen. An einigen Stellen hätte ein Blick auf aktuelle wissenschaftliche Studien diesen Effekt noch verstärken können. Außerdem hätte eine höhere Belegdichte den Argumenten noch mehr Gewicht verleihen können.

Trotzdem ist der Arbeitsgruppe ein sehr guter Überblick über die Lage der Familie gelungen, der es schafft, fast alle wichtigen Fragestellungen im Bereich der Familienethik aufzugreifen und so die Sensibilität für die Belange von Eltern und Kindern zu erhöhen. Überdies gelingt es, eine hohe Neutralität zu wahren und sensibel und verständnisvoll auf die Lebenssituation der Menschen zu blicken.

Marion Bayerl