Titelseite Amosinternational 2/2007

Heft 2/2007Familie - Wachstumsmitte der Gesellschaft?

Inhalt

Skepsis ist geboten, wenn Familienpolitik öffentlichkeitswirksam auf der Agenda politischen Handelns steht und die Erhöhung der Geburtenrate zum Gradmesser erfolgreicher Sozialpolitik erhoben wird. Das Themenheft stellt die Frage nach der ethischen Dimension politischen Argumentierens und Handelns.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Elternbindung und FremdbetreuungWie lassen sich Kindeswohl und die Interessen junger Mütter und Frauen in eine Balance bringen?

    Die aktuelle Debatte über den Ausbau der Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahren ist durch Überzeugungskonflikte bestimmt und verlangt nach einer sachlichen und differenzierten Betrachtung. Deshalb wird die Frage der Betreuung aus der Perspektive der Ethik von den beiden betroffenen Personengruppen her betrachtet: den Kindern und den Frauen, die den Hauptanteil der Familienarbeit übernehmen und die Primärentscheidung für oder gegen Kinder treffen. Ein Blick auf die neuesten Untersuchungen über Kinderbetreuung zeigt, dass Fremdbetreuung für Kinder, deren Bindungstyp festgelegt ist, keine negativen Auswirkungen hat, sondern vielmehr ihrem Bedürfnis nach Sozialkontakten nachkommt. Die gesellschaftlichen Strukturen tragen diesem Sachverhalt jedoch kaum Rechnung, da die Mehrzahl der Frauen mit einem Kinderwunsch in Deutschland vor das Dilemma gestellt wird, sich für einen der beiden Lebensbereiche zu entscheiden: Beruf oder Familie.

  • Plus S. 10

    Quo vadis Familienpolitik?Anmerkungen zum Paradigmenwechsel in der Familienpolitik

    Die staatliche Familienpolitik hat in den vergangenen Jahren eine Paradigmenwechsel vollzogen. Dieser Beitrag analysiert den normativen Perspektivenwechsel und die Änderungen im familienpolitischen Instrumentarium und unterzieht die jüngsten Reformen einer kritischen Würdigung. Der Aufsatz endet mit einem Plädoyer für „mehr Markt“ in der Familienpolitik.

  • Plus S. 15

    Ressource EheZum öffentlichen Interesse an der Partnerschaft

    Die Institution der Ehe hat Ihre Selbstverständlichkeit verloren. Die Pluralität der Lebensformen ist in der modernen Gesellschaft allgemein anerkannt. Der Autor geht angesichts dieser Situation der gesellschaftlichen Bedeutung und der besonderen Dignität der Ehe nach. Deutlich wird dabei u. a. ihr unersetzbarer Wert für ein gelingendes Leben der beiden Partner, für die Bejahung von Kindern und eine verlässliche Erziehung. In gesellschaftlicher Perspektive ist die Ehe ein wichtiger demographischer Faktor. Durch ihre Verbindlichkeit und die regelmäßige Bereitschaft, langfristig Verantwortung für eine Familie zu übernehmen, prägt sie das Solidaritätsniveau einer Gesellschaft. Umgekehrt bedarf die Institution Ehe der gesellschaftlichen Unterstützung durch Wertschätzung und Anerkennung, durch rechtlichen Schutz, durch gemeinschaftliche Besteuerung und durch eine privilegierte Koppelung von Ehe und Familie.

  • Plus S. 22

    Demographischer Wandel in DeutschlandAnalyse - Folgen - Handlungsempfehlungen

    Der folgende Beitrag thematisiert die vor uns liegende demographische Herausforderung mit den zu erwartenden Folgeproblemen und Belastungen für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Zur Zeit ist der demographische Wandel vielfach Anlass für emotional geführte Debatten, in denen eine prognostizierte „Rentnerschwemme“ wechselweise herhalten muss als Erklärung für Sozialstaatsabbau, für vermeintliche Benachteiligungen der jüngeren Generationen und schließlich sogar für einen Verlust demokratischer Kultur. Auf diesem Hintergrund bedürfen drei Fragen der nüchternen Klärung: Welche Bevölkerungsentwicklung ist zu erwarten? Welche Folgen hat dies? Was ist zu tun? Zu den beiden ersten Fragen referiert der Autor einschlägige Studien und aktuelle Berechnungen. Bezogen auf die dritte Frage macht er Vorschläge zur besseren Integration älterer Arbeitnehmer in das Erwerbsleben, zur Vermeidung von Altersarmut sowie zur partiellen Entkopplung von Lohnarbeit und Rentenzahlungen.

  • Plus S. 31

    "Eltern sind Schlüssel aller Erziehungsprozesse"Gespräch mit Klaus Hurrelmann über Kinder und Eltern, Erziehung und Familie

    Kinder und Jugendliche wachsen heute in kleineren Familien auf. Das Verhältnis zwischen den Generationen ist entspannt. Gleichwohl gibt es viele schwierige Herausforderungen für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern sowie zahlreiche umstrittene Erziehungsfragen, die auch in die aktuelle Familienpolitik hinein spielen: Wie früh und in welchem Umfang brauchen Kinder soziale Kontakte außerhalb der Familie? Welche Erziehungsnachteile haben Kinder aus armen Familien oder Problemfamilien? Wie sieht eine gute Verzahnung zwischen den verschiedenen Erziehungsinstanzen aus? Welche Rolle spielen die Medien als Mit-Erzieher? Welche besondere Bedeutung haben speziell männliche Erzieher? Klaus Hurrelmann plädiert für mehr Fantasie und eine Vielfalt der Modelle, um ein starkes Familienleben mit der modernen Berufswelt zu verbinden. Neben verbesserten Rahmenbedingungen gehört dazu an erster Stelle die Stärkung der Erziehungskompetenz von Vätern und Müttern.

Arts & ethics

  • Gratis S. 28

    Amanti

    Amanti

Interview

  • Plus S. 48

    „Marktwirtschaft nicht ohne funktionierenden Sozialstaat“Gespräch mit Reinhard Marx, dem Bischof von Trier, über zehn Jahre gemeinsames Wort der Kirchen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland

    Vor zehn Jahren stieß das gemeinsame Sozialwort der beiden großen Kirchen auf große Resonanz, die bis heute nicht ganz abgeklungen ist. Spätere kirchliche Erklärungen zu sozialethischen Themen werden immer wieder am Sozialwort von 1997 gemessen. Der Trierer Bischof erinnert im Gespräch an das Besondere des Gemeinsamen Wortes: den dialogische Entstehungsprozess, den hohen ökumenischen Wert, die Verbindung von ethischer Grundlegung und engagierter Einmischung zugunsten der Arbeitslosen, der Armen, der natürlichen Umwelt und für eine neue Sozialkultur. Außerdem werden heutige gesellschaftspolitische Herausforderungen unter dem Kriterium der seit damals gültigen Positionsbestimmungen diskutiert: Veränderungen des Sozialstaats und der Verteilungsgerechtigkeit, Schieflagen im Verhältnis von Kapital und Arbeit, die neue Familienpolitik.

Bericht

Buchbesprechungen