Es war mal wieder einer jener produktiven Vormittage in meinem beschaulichen Leitungsbüro. Alle Fachkräfte waren im Einsatz und bei schönstem Wetter hatten sich die Gruppen zu einem Spaziergang ins Dorf aufgemacht. Nicht ein einziger Termin füllte meinen Kalender und sogar das Telefon schwieg beharrlich. SoIche Zeiten der Ruhe in der Kita nutze ich immer gern, um schon länger anstehende Büroaufgaben endlich abarbeiten zu können. Am liebsten erledige ich dabei möglichst viele Dinge gleichzeitig. Denn schließlich weiß man ja nie, ob es mit der Ruhe nicht ganz schnell wieder vorbei ist… Ein klassischer Denkfehler, wie auch ich dann erkennen musste.
Ich verfasste nämlich parallel gleich drei Schriftstücke auf einmal: den Elternbrief für das bevorstehende Sommerfest, eine interne Nachricht ans Kita-Team mit Hinweis auf die Dienstplanänderungen kommende Woche und eine Einkaufsliste für unsere nachmittäglichen Snackpausen mit den Kindern. Hochkonzentriert tippte ich, kopierte und verschob Textabschnitte, dass es nur so eine Freude war. Zum Schluss verschickte ich alles mit einem beschwingten Klick auf die Computermaus. Zufrieden lehnte ich mich auf meinem Bürostuhl zurück und hielt bereits Ausschau nach der nächsten Aufgabe. Denn ich wollte die ruhige Zeit ja so effektiv wie möglich nutzen.
Gerade war ich im Begriff, mich dem drohend sich zur Seite neigenden Poststapel zu widmen, als plötzlich das Telefon doch klingelte. Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine Mutter und fragte mich lachend: „Sind Sie sich auch wirklich ganz sicher, dass alle Eltern eine Grillzange zum Sommerfest mitbringen sollen, pünktlich erscheinen mögen und am Dienstag doch bitte den Spätdienst von Jennifer übernehmen?“ Spontan verstand ich erst einmal gar nichts. Aber dann dämmerte es mir langsam und schlagartig wurde mir heiß und kalt. In meiner überschwänglichen Euphorie hatte ich die Nachricht für das Team in den Elternbrief hineinkopiert. Und als ob das noch nicht genug wäre, endete das Schreiben mit „Bitte 6 Liter Milch kaufen“.
Noch am selben Tag beeilte ich mich, eine Korrekturmail zu schreiben und der ersten Mail an die Eltern hinterherzuschicken. Zum Glück brachten alle Verständnis auf – meistens mit augenzwinkerndem Smiley. Ein Vater antwortete sogar noch hilfsbereit: „Milch bringen wir mit“. Grillzangen hatten wir am Sommerfest dann übrigens in ausreichender Stückzahl und pünktlich sind auch alle erschienen.
Multitasking mag ja grundsätzlich schön und gut sein. Aber in wichtigen Angelegenheiten ist es vielleicht doch besser, sich auf eine einzige Sache zu konzentrieren. Oder wenigstens sämtliche Texte noch einmal durchzulesen, bevor sie rausgehen.