Yvonne Anders: Kommunikation mit den Eltern kann in digitaler Form unterschiedlich aussehen – je nach Erfahrung und Ressourcen der Teams. Am Anfang müssen keine aufwendigen Konzepte stehen, das zeigt auch unser Projekt (siehe Kasten). Für den Einstieg eignen sich einfache digitale Umfragen, kurze Info-Videos oder gut strukturierte Messenger-Lösungen. Erfolgversprechender ist es, klein, aber realistisch mit Formaten anzufangen, die sich dauerhaft umsetzen lassen. So kann auch ohne unsere Fortbildung eine zeitgemäße und praxistaugliche Form von Zusammenarbeit mit Eltern entstehen, die das Team zugleich entlastet.
Wie bekommt man einen strukturierten Überblick über den Stand der Zusammenarbeit?
Yvonne Anders: Hilfreich ist es, zunächst die eigene Zusammenarbeit mit Eltern systematisch abzuklopfen: Welche Angebote werden genutzt? Wo besteht wenig Resonanz? Wie erleben Eltern die Zusammenarbeit? Schon kurze Befragungen oder informelles Feedback geben wichtige Hinweise und zeigen oft, dass sich eine Straffung oder Priorisierung anbietet. Qualität entsteht nicht automatisch durch mehr, sondern durch passende Formate. Ein Impuls unseres Projekts zielt auf den Einsatz digitaler Medien.
Mit welchem Ziel haben Sie Ihr Projekt „Digity: Do it Digital and Healthy!“ gestartet, Frau Hummel?
Theresia Hummel: Seit meiner Dissertation beschäftige ich mich mit dem Handlungsfeld „Zusammenarbeit mit Eltern“ und stelle dabei immer wieder fest, wie herausfordernd sie für Fachkräfte ist. Viele fühlen sich für die Zusammenarbeit nicht ausreichend qualifiziert und erleben sie als Belastung. In einer Studie konnten wir zeigen, dass die Herausforderungen in diesem Handlungsfeld das Risiko emotionaler Erschöpfung stärker erhöhen als etwa die Arbeit mit Kindern oder schlechte Rahmenbedingungen. Unsere Befunde waren zentraler Auslöser für die Entwicklung von „Do it Digital and Healthy!“. Unsere Fortbildung will Fachkräfte gezielt entlasten und Stress reduzieren – unter anderem durch den praxisnahen Einsatz digitaler Medien. Dabei sollen aber die digitalen Werkzeuge nicht zusätzlich belasten, sondern die Kommunikation erleichtern, Abläufe besser strukturieren und Teams im Kita-Alltag unterstützen.
Was ist für Sie die wichtigste Erkenntnis aus dem Projekt?
Yvonne Anders: Es gibt nicht die eine zentrale Erkenntnis, es sind mehrere bedeutsame Ergebnisse. Eines davon lautet: Viele Kitas machen sehr viele Angebote für Eltern – häufig sogar mehr, als tatsächlich genutzt werden. Da kann es entlastend wirken, den Fokus zu schärfen und nur solche Formate anzubieten, die wirklich die Bedürfnisse von Familien beantworten. Das bedeutet auch, wenig genutzte Angebote konsequent zu reduzieren. Zudem hat sich gezeigt, wie hilfreich digitale Medien sein können, wenn sie gezielt und alltagstauglich eingesetzt werden. Sie erleichtern die Kommunikation, erhöhen so die Transparenz und ermöglichen eine niedrigschwellige Beteiligung von Eltern. Besonders veranschaulicht hat das eine gemeinsam durchgeführte digitale Elternbefragung: Viele Fachkräfte waren überrascht, wie wertschätzend Eltern die Zusammenarbeit beschreiben und welche strukturellen Gründe nachvollziehbar hinter der geringen Teilnahme an bestimmten Angeboten standen. Die digitalen Rückmeldungen ließen sich – zur Entlastung der Teams – schneller auswerten und unterstützten diese bei der bedarfsorientierten Weiterentwicklung ihrer Zusammenarbeit mit den Eltern.
DAS PROJEKT
„Digity – Evaluation: Do it Digital and Healthy!“ ist ein Projekt der Universität Bamberg für pädagogische Fachkräfte. Ziel ist es, Fachkräfte in Fortbildungen in den Themen Elternzusammenarbeit, Stressprävention und Digitalisierung zu unterstützen. Mehr unter: www.uni-bamberg.de