Gab es einen Anlass, warum Sie gesunde Ernährung mit dem Aspekt „klimaschonend“ verknüpft haben?
Bei der Arbeit mit Kindern hat man immer auch ihre Zukunft im Kopf. Klimawandel spielt da eine große Rolle. Die Gesundheit künftiger Erwachsener wird davon abhängen, wie sich das Klima verändert und welche Bedingungen auf der Erde herrschen. Ernährung ist dabei ein zentraler Aspekt. Etwa ein Fünftel der in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgase hängt mit Ernährung zusammen. Ein Hebel ist also, sich nicht nur privat, sondern auch in Kitas klimafreundlich zu verhalten. Übrigens hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung 2024 zusätzlich die Umweltbelastung von Lebensmitteln in ihre Empfehlungen aufgenommen. Die Kriterien gesunder Ernährung decken sich also mit denen für umwelt- und klimafreundliche.
Wie würden Sie „klimaschonend“ für den Kita-Kontext definieren?
Die Lebensmittelauswahl sollte möglichst geringe Treibhausemissionen und wenig Umweltschäden verursachen. Wichtig sind Herstellungsprozess, Transport, Jahreszeit und Verpackung. Tierische Produkte bedeuten hohe Treibhausgas-Emissionen, vor allem Fleisch, Butter und Sahne von Wiederkäuern wie Rindern und Schafen. Auch der Flächenbedarf für Fleischproduktion ist um ein Vielfaches höher als für Gemüse-, Getreide- oder Obstanbau. Das liegt an den Futtermengen, die Tiere zum Aufwachsen brauchen. Wertvolle Regenwälder werden gerodet, um Futtermittel anzubauen. Für 1000 Kalorien aus Rindfleisch sind gut 120 Quadratmeter Fläche nötig, für Getreide nur drei. Massentierhaltung wirkt sich zudem durch die anfallende Gülle nachteilig auf die Umwelt aus, da der Nitratgehalt im Grundwasser auf gefährliche Konzentrationen ansteigt. Pflanzliche Lebensmittel sind immer die klimaschonendere und gesündere Variante. Bei Gemüse und Obst sind die Klimaauswirkungen aber je nach Jahreszeit und Transport unterschiedlich. Eine Tomate, die im Sommer regional im Freiland gereift ist, erzeugt rund 100 Mal weniger CO2 -Emissionen als eine Tomate aus dem beheizten Gewächshaus im winterlichen Spanien. Lebensmitteltransporte per Flugzeug oder Schiff erzeugen besonders hohe Emissionen. Auch die Vermeidung von Plastikverpackung schont das Klima, denn Herstellung und Recycling von Plastik setzen Riesenmengen CO2 frei.
Wie könnten pädagogische Fachkräfte klimaschonende Ernährung im Kita-Alltag umsetzen?
Einfachstes Mittel ist die Reduzierung tierischer Produkte auf dem Speiseplan. Einmal Fleisch pro Woche ist ein guter Kompromiss. Zum Glück bieten viele Caterer inzwischen leckere und kindgerechte vegetarische Gerichte an. Als Snack sind Obst und Gemüse besser als Wurst. Manchmal liefert ein Hof in der Nähe regionales, unverpacktes Obst. Bringen die Kinder ihr Frühstück oder Snacks selbst mit, kann vereinbart werden, ob Einmal-Verpacktes erlaubt ist oder nicht. So ist viel Plastikmüll vermeidbar. Das Thema lässt sich auch gut mit den Kindern besprechen. Ein weiterer Hebel ist die Reduzierung von Speiseabfällen. Zusammengefasst sollten immer, wenn es möglich ist, pflanzliche, saisonale, regionale, unverpackte und frische, das heißt wenig verarbeitete Lebensmittel gewählt werden. Denn sie weisen die günstigste Klimabilanz auf und sind nährstoffreich.