Die Österliche Bußzeit, auch Fastenzeit genannt, ist die vierzigtägige Vorbereitungszeit auf das Osterfest. Ihr lateinischer Name Quadragesima („Vierzigertagezeit“) erinnert an die biblische Symbolzahl 40, die für Zeiten der Vorbereitung und Prüfung steht. Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und führt auf die Feier des Todes und der Auferstehung Jesu Christi in den Kartagen und am Osterfest hin. In dieser Zeit sind die Gläubigen besonders zu Umkehr, Gebet und tätiger Nächstenliebe eingeladen. Vor allem die Liturgie dieser Wochen soll die Gemeinde auf das Ostergeheimnis vorbereiten.
Der besondere Charakter dieser Zeit zeigt sich in der Gestaltung der Gottesdienste. Vom Beginn der Fastenzeit bis zur Osternacht entfällt in allen Feiern das „Halleluja“ als Ausdruck der österlichen Freude (an seine Stelle treten andere Rufe). Ebenso wird – mit Ausnahme des vierten Fastensonntags (Laetare) sowie von Hochfesten und Festen – auf Blumenschmuck des Altars verzichtet. Die liturgischen Gesänge sollen dem ernsteren Charakter der Zeit entsprechen und sich eng an die biblischen und liturgischen Texte anschließen. Auch die Wochentage der Fastenzeit besitzen einen besonderen Rang: Gedenktage von Heiligen treten gewöhnlich zurück, damit die Texte der Fastenliturgie im Vordergrund stehen.
Die Fastenzeit ist somit eine Zeit intensiver geistlicher Vorbereitung auf Ostern. In der frühen Kirche wurden in diesen Wochen besonders die Taufbewerber auf den Empfang der Taufe in der Osternacht vorbereitet. Bis heute werden in dieser Zeit in vielen Gemeinden Bußgottesdienste gehalten, die zur Umkehr und Versöhnung mit Gott einladen. Auch das Bußsakrament spielt eine wichtige Rolle. Daneben haben sich verschiedene Andachtsformen entwickelt, vor allem Kreuzweg- und Passionsandachten, die das Leiden Christi betrachten und so auf die Feier seines Todes und seiner Auferstehung hinführen.
Manuel Uder, Trier