Multireligiöse Feiern sind Zusammenkünfte, an denen Angehörige verschiedener Religionen beteiligt sind und in denen unterschiedliche religiöse Elemente vorkommen können, etwa Gebete, Lesungen, Lieder oder Zeiten der Stille. Gefeiert werden sie in der Regel bei bestimmten gesellschaftlichen Anlässen, etwa bei Gedenkveranstaltungen, in Schulen oder bei besonderen öffentlichen Ereignissen – also immer dann, wenn Menschen unterschiedlicher religiöser Traditionen zusammenkommen.
Aus katholischer Sicht ist dabei eine klare Unterscheidung wichtig: Die Kirche spricht nicht von „interreligiösen Gottesdiensten“, sondern von „multireligiösen Feiern“. Hintergrund ist, dass jede Religion ihr eigenes Verständnis von Gott, Offenbarung und Gebet besitzt. Deshalb soll vermieden werden, dass der Eindruck entsteht, alle Religionen hätten denselben Glaubensinhalt oder könnten ihre Traditionen einfach miteinander verschmelzen. Zudem soll eine Vereinnahmung fremder Riten und Texte ausgeschlossen werden.
Die katholische Kirche betont daher, dass das Gebet verschiedener Religionen zwar am selben Ort stattfinden kann, jedoch gewöhnlich „nebeneinander oder nacheinander“, jeweils aus der eigenen religiösen Tradition heraus. Einzelne Diözesen, aber auch die Deutsche Bischofskonferenz hat dazu Arbeitshilfen veröffentlicht, etwa die „Leitlinien für das Gebet bei Treffen von Christen, Juden und Muslimen“ (2003, zuletzt überarbeitet 2008). Sie unterstreichen, dass der interreligiöse Dialog und das gegenseitige Kennenlernen wichtig sind, zugleich aber die Eigenständigkeit der jeweiligen Religionen gewahrt bleiben muss. Damit verbinden sich zwei Anliegen: einerseits der respektvolle Dialog und die Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer Religionen, andererseits die Wahrung der eigenen religiösen Identität und der spezifischen Gestalt des christlichen Gottesdienstes.
Manuel Uder, Trier