Lettner

Ein Lettner ist eine bauliche Schranke zwischen dem Chorraum und dem Kirchenschiff, die vor allem in Kirchen des Hoch- und Spätmittelalters verbreitet war. Der Begriff leitet sich vom lateinischen lectorium („Leseort“) ab und weist darauf hin, dass von dieser Stelle aus Lesungen vorgetragen wurden. Der Lettner war meist als steinerner oder hölzerner Aufbau gestaltet und konnte eine Empore oder einen Durchgang enthalten.

Liturgisch erfüllte der Lettner mehrere Funktionen: Von seiner Plattform aus wurden Lesungen und mitunter auch die Predigt vorgetragen; zugleich diente er häufig als Standort für den Sängerchor. Zugleich markierte er architektonisch eine deutliche Grenze zwischen dem Chorraum, in dem der Klerus die Liturgie vollzog, und dem Kirchenschiff, in dem sich die Gemeinde aufhielt.

Im Zuge der liturgischen und kirchlichen Veränderungen der frühen Neuzeit wurden viele Lettner entfernt. Besonders seit dem 16. Jahrhundert verschwanden sie in zahlreichen Kirchen, weil sie die Sicht auf den Altar verdeckten und als Hindernis für eine stärkere Einbeziehung der Gemeinde in das gottesdienstliche Geschehen galten. In einigen Kirchen haben sich Lettner jedoch bis heute erhalten und sind bedeutende Zeugnisse mittelalterlicher Kirchenarchitektur.

Manuel Uder, Trier

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