Als Kehrvers bezeichnet man einen wiederkehrenden Antwortgesang der Gemeinde innerhalb eines Psalms oder eines anderen Gesangs. Der Begriff weist bereits darauf hin, dass dieser Vers im Verlauf des Gesangs mehrfach „kehrt“, also wiederholt wird.
Besonders bekannt ist der Kehrvers beim Antwortpsalm in der Messfeier. Nach der ersten Lesung trägt ein Kantor oder eine Kantorin die Psalmverse vor, während die Gemeinde nach jeweils einer oder mehreren Versgruppen den Kehrvers singt oder spricht. Auf diese Weise wird der Psalm dialogisch gestaltet: Der Vortrag der Verse und die Antwort der Gemeinde wechseln einander ab. Auch im Stundengebet begegnet dieses Prinzip. Dort übernimmt die Antiphon eine ähnliche Funktion. Sie wird in der Regel vor und nach dem Psalm gesungen; bei einem responsorialen Vortrag kann sie auch zwischen einzelnen Psalmabschnitten wiederholt werden.
Der Kehrvers ist meist ein kurzer, prägnanter Text, der den zentralen Gedanken des Psalms zusammenfasst und der Gemeinde eine leicht singbare Antwort ermöglicht. Im Unterschied zu einer Akklamation (z. B. „Halleluja“) ist er in der Regel länger und besteht häufig aus zwei Sinnzeilen oder Gliedern. "Durch die ständige Wiederholung und durch die melodische Fassung prägt der Text sich den Mitfeiernden stark ein und schaftt Resonanz in den tieferen Schichten des Menschen" (Rupert Berger).
Manuel Uder, Trier