Die Kasel ist das Messgewand des Priesters und des Bischofs bei der Feier der Eucharistie (vgl. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch [AEM], Nr. 299). Der Name leitet sich vom lateinischen casula („kleines Haus“ oder „Hülle“) ab und weist auf ihre ursprüngliche Funktion als schützendes Übergewand hin. Wie Dalmatik, Chormantel und Stola entspricht auch die Kasel den liturgischen Farben, die sich nach Kirchenjahr und Anlass richten. So bringt sie auf sichtbare Weise den Charakter der jeweiligen Festzeit oder Feier zum Ausdruck.
Die Form der Kasel hat sich im Laufe der Jahrhunderte deutlich verändert. Ursprünglich ging sie auf einen antiken runden oder ovalen Umhang mit einer mittigen Öffnung für den Kopf zurück, der den ganzen Körper umhüllte. Diese „Glockenkasel“ war weit geschnitten und fiel rundum bis zu den Füßen. Im Mittelalter wurde die Kasel zunehmend enger und an den Seiten verkürzt, um die Bewegungsfreiheit der Arme zu verbessern. Daraus entwickelte sich die „Römische Kasel“, die im Barock und in der Neuzeit weit verbreitet war.
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil setzte sich wieder verstärkt die weitere, fließende Form der Kasel durch, die sich an den ursprünglichen Schnitten orientiert. Es gibt unterschiedliche Gestaltungsformen, Materialien und künstlerische Ausführungen, die sowohl traditionelle als auch moderne Elemente aufgreifen und die Bedeutung des liturgischen Vorsteherdienstes sichtbar machen. Wie für alle anderen liturgischen Gewänder gilt auch für die Kasel: „Schönheit und Würde […] soll nicht durch eine Anhäufung von Schmuck und Verzierung erreicht werden, sondern durch die Auswahl des Stoffes und seine Form. Die Gewänder sollen nur insoweit mit Bildern beziehungsweise Symbolen geschmückt sein, als diese dem liturgischen Gebrauch gerecht werden“ (AEM 306).
Manuel Uder