Das Judentum ist die Religion des jüdischen Volkes und bildet den historischen und ideellen Ursprung des Christentums. Jesus von Nazaret lebte und wirkte als Jude, ebenso seine ersten Jüngerinnen und Jünger. Viele Grundformen des christlichen Glaubens und der Liturgie sind daher im Judentum verwurzelt. Die Heiligen Schriften Israels – das Alte Testament – gehören auch zur Bibel der Christen.
Auch der christliche Gottesdienst steht in enger Beziehung zur jüdischen Gottesdiensttradition. In der Synagoge standen die Lesung aus der Heiligen Schrift, ihre Auslegung, Psalmen und Gebete im Mittelpunkt. Diese Grundstruktur findet sich im christlichen Wortgottesdienst wieder. Ebenso haben feste Gebetszeiten, Segensformeln und vor allem die Verwendung der Psalmen ihren Ursprung in der jüdischen Frömmigkeit. In diesem Sinn können jüdischer und christlicher Gottesdienst als „Geschwister“ verstanden werden: Der christliche Gottesdienst ist aus der jüdischen Tradition hervorgegangen und hat viele ihrer Formen aufgenommen und an die eigenen Bedürfnisse angepasst.
Eine besondere Verbindung besteht auch zwischen dem jüdischen Paschafest und dem christlichen Osterfest. Das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern stand im Zusammenhang mit dem Paschafest, das an die Befreiung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens erinnert. Die christliche Eucharistiefeier greift diese Erinnerung auf und deutet sie im Licht des Todes und der Auferstehung Jesu Christi neu. Die enge geistliche Verbundenheit zwischen Christen und Juden wurde vom Zweiten Vatikanischen Konzil ausdrücklich hervorgehoben, besonders in der Erklärung
Nostra aetate über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen (Art. 4).
Manuel Uder, Trier