selten habe ich mich der Geschichte so nah gefühlt wie in Amerika. Zwei Jahre lang lebte ich dort als Au Pair, bereiste das Land und besuchte viele historische Stätten. Während die Vergangenheit in Europa oft wie eine ferne, fast verblasste Erinnerung wirkt, scheint sie in den USA noch immer zum Greifen nah. Kein Wunder, schließlich liegt die Staatsgründung erst 250 Jahre zurück – weltgeschichtlich kaum mehr als ein Wimpernschlag. Und dennoch blicke ich heute mit gemischten Gefühlen auf dieses Land und seine Menschen, die ich einst so sehr lieben gelernt habe.
Sind die USA noch eine freiheitliche Demokratie? In der aktuellen Debatte gehen die Begriffe wild durcheinander. Von autokratischen Staaten ist die Rede, manche sprechen gar von Faschismus. Fest steht: Präsident Donald Trump unterzieht die von den Gründervätern verankerte Gewaltenteilung einem schweren Stresstest, wie die Korrespondentin Rieke Havertz in unserem Interview auf Seite 56 ausführt.
»Alle Menschen sind gleich geschaffen«, heißt es in der Unabhängigkeitserklärung, die der erst 33-jährige Thomas Jefferson 1776 in wenigen Tagen verfasste. Doch faktisch waren damit nur weiße Männer gemeint. Für Frauen, Indigene und Versklavte blieb dieses Ideal ein leeres Versprechen. Erst der Mut späterer Generationen füllte die Vision mit Leben und ließ sie für alle Wirklichkeit werden.
Ihre
Sonja Nowack, Redakteurin