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S. 19-26
Die momentane globale politische Lage ist von einer Vielzahl von Zerfallsprozessen geprägt und befindet sich im Übergang hin zu einer geoökonomisch geprägten Ordnung. Bereits mit dem ersten Amtsantritt Donald Trumps im Januar 2017 hat sich die Handels- und Außenpolitik der Vereinigten Staaten erheblich gewandelt, geprägt durch einen schrittweisen Rückzug aus der Rolle als ordnende und stabilisierende Weltmacht. Mit den USA kommen weitere macht-volle Staaten in den Blick: Zum einen Russland, das offen imperiale Großmachtbestrebungen verfolgt, die nicht allein territorial motiviert sind, sondern ebenso ökonomisch. Die zentralen Triebkräfte seines Handelns sind der Zugriff auf Ressourcen, die Kontrolle über Energie- und Transitwege sowie der politische Einfluss im postsowjetischen Raum. Zum anderen China: Wirtschaftspolitisch haben sich die globalen Machtverhältnisse in den vergangenen zwei Jahrzehnten maßgeblich durch den Aufstieg Chinas verändert. Das Land hat sich von der „Werkbank der Welt“, hin zu einem Hochtechnologiestandort entwickelt. Es ist die Mischung aus chinesischer Industrie- und Machtpolitik, amerikanischen Handelshemmnissen und russischem Angriffskrieg mitten in Europa, die die Europäische Union vor enorme Herausforderungen stellt. Zunehmend reagieren die EU und ihre Mitgliedstaaten mit der Absicherung der eigenen Stellung durch bilaterale Abkommen, Sanktionen und Subventionen und tragen damit zur weiteren Erosion der regelbasierten Weltordnung bei. Von Nils Goldschmidt, Luca Latsch