Titelseite Amosinternational 1/2026

Heft 1/2026Ende der regelbasierten Weltordnung?

Inhalt
1. Auflage 2026
Bestellnummer: Z940005

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 5-11

    Die Zukunft von Rüstungskontrolle und Gewaltprävention in Zeiten globaler Umbrüche

    Die Welt ist mit der höchsten Zahl bewaffneter Konflikte seit dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert. Mit der Rückkehr der Geopolitik werden die Karten neu gemischt. Enorm Machtverschiebungen sind absehbar, aber noch ist nicht klar, in welche Richtung sich das globale System entwickeln wird. Die seit 1945 errichteten internationalen Institutionen, die auf multilaterale Abstimmung und völkerrechtliche Vereinbarungen setzten, stehen unter Druck. Gleichwohl gibt es im Rahmen der UN-Mitgliedstaaten weiterhin klare Impulse zugunsten des Multilateralismus. Westliche Akteure sollten ihren Beitrag leisten, um Errungenschaften wie die Vereinten Nationen und das Völkerrecht zu stärken, auch wenn diese von verschiedenen Seiten unterlaufen werden. Existenzielle Herausforderungen wie die Verhütung eines Atomkriegs und die Bewältigung der Klimakrise können nur in globaler Zusammenarbeit gemeistert werden.

  • Plus S. 12-18

    Ist das Völkerrecht am Ende?

    Das Völkerrecht stand noch nie so unter Druck wie derzeit: Russland, China, die USA und Israel gehören zu den Staaten, die in ihrer Abwägung zum Schluss gekommen sind, dass für die Durchsetzung ihrer Interessen das Recht des Stärkeren ertragreicher ist als die Stärke des Rechts. Damit werfen sie die Lehren über Bord, die die Staatenlenker aus dem Zweiten Weltkrieg gezogen hatten. Um eine Wiederholung dieser Katastrophe zu verhindern, sollten Konflikte friedlich und auf der Grundlage des Rechts gelöst werden. In Deutschland ist dies mit dem Grundgesetz gelungen; Gleiches gilt für die Europäische Union. Aber das Regelwerk der Vereinten Nationen steht unter massivem Beschuss. In dieser Situation steht Deutschland als weltweit drittstärkste Wirtschaftsmacht und aus historischen Gründen in der Verantwortung, sich mit Gleichgesinnten für die Aufrechterhaltung der auf der UNO-Charta aufbauenden regelbasierten Ordnung einzusetzen.

  • Plus S. 19-26

    Macht statt Regeln?Die neue Welt der Geoökonomie und Europas Antwort

    Die momentane globale politische Lage ist von einer Vielzahl von Zerfallsprozessen geprägt und befindet sich im Übergang hin zu einer geoökonomisch geprägten Ordnung. Bereits mit dem ersten Amtsantritt Donald Trumps im Januar 2017 hat sich die Handels- und Außenpolitik der Vereinigten Staaten erheblich gewandelt, geprägt durch einen schrittweisen Rückzug aus der Rolle als ordnende und stabilisierende Weltmacht. Mit den USA kommen weitere macht-volle Staaten in den Blick: Zum einen Russland, das offen imperiale Großmachtbestrebungen verfolgt, die nicht allein territorial motiviert sind, sondern ebenso ökonomisch. Die zentralen Triebkräfte seines Handelns sind der Zugriff auf Ressourcen, die Kontrolle über Energie- und Transitwege sowie der politische Einfluss im postsowjetischen Raum. Zum anderen China: Wirtschaftspolitisch haben sich die globalen Machtverhältnisse in den vergangenen zwei Jahrzehnten maßgeblich durch den Aufstieg Chinas verändert. Das Land hat sich von der „Werkbank der Welt“, hin zu einem Hochtechnologiestandort entwickelt. Es ist die Mischung aus chinesischer Industrie- und Machtpolitik, amerikanischen Handelshemmnissen und russischem Angriffskrieg mitten in Europa, die die Europäische Union vor enorme Herausforderungen stellt. Zunehmend reagieren die EU und ihre Mitgliedstaaten mit der Absicherung der eigenen Stellung durch bilaterale Abkommen, Sanktionen und Subventionen und tragen damit zur weiteren Erosion der regelbasierten Weltordnung bei.

  • Plus S. 27-35

    War Papst Franziskus ein Friedenspapst?Eine Annäherung anhand seiner Weltfriedensbotschaften

    Das Engagement eines Papstes erschöpft sich nicht in den päpstlichen Botschaften zum Weltfriedenstag der Katholischen Kirche, doch in ihnen werden zentrale Themen der Friedensförderung entfaltet. Papst Franziskus hat insgesamt zwölf solcher Botschaften veröffentlicht und dabei nicht nur seine Friedensappelle an die Menschheit gerichtet, sondern bereits ein für seinen Nachfolger Leo XIV. zentrales Thema vorausgedacht. Der Beitrag analysiert das Verständnis von Frieden, das Papst Franziskus geprägt und stark gemacht hat.1

  • Plus S. 36-40

    Frieden und Freiheit diesem HausAnmerkungen zum Friedenswort der deutschen Bischöfe „Friede diesem Haus“

    Das Friedenswort der deutschen Bischöfe „Friede diesem Haus“ lebt von der Spannung zwischen normativ anspruchsvollen, längerfristigen Friedensperspektiven und einer Auseinandersetzung mit der „Welt in Unordnung“. Der Text kann diese Kluft zwischen Friedensideal und gewaltsamer Realität nicht überbrücken, beides bleibt nebeneinander bestehen. Die inhaltliche Bestimmung des Friedens ist stets umstritten und politisch umkämpft. Umso wichtiger ist es, ihn nicht populistischen Akteuren zu überlassen. Der spezifische Charakter des russischen Angriffskriegs als Eroberungs- und Annexionskrieg hätte klarer benannt werden können, ebenso dessen Auswirkungen für eine künftige europäische Friedens- und Sicherheitsordnung. Ein zentraler Ausgangspunkt ist dabei der innere Zusammenhang von Frieden und Freiheit, der im Friedenwort kaum thematisiert wird.

Arts & ethics

Interview

  • Plus S. 41-46

    „In den USA erleben wir im Moment den Umbau von einer Demokratie zu einer Autokratie“Interview zur regelbasierten Weltordnung und ihren Gefährdungen

    Die Welt scheint aus den Fugen geraten: Kriege und Konflikte weltweit, Autokratie und Machtstreben sowie rechtsextreme Einstellungen gefährden die regelbasierte Weltordnung. Im Gespräch mit Klaus Wegener, Präsident der Auslandsgesellschaft in Dortmund, wird diese Thematik aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet: Was sind die Ziele des „Project 2025“ und wie wird es in den USA bereits umgesetzt? Inwiefern gefährden Nationalismus und Rechtspopulismus dauerhaft die Weltordnung? Auf welche Weise muss die UNO reformiert werden, sodass auch Staaten des Globalen Südens dort mehr vorkommen? Darüber hinaus geht es im Interview um die Gefahr des Klimawandels für die Weltbevölkerung sowie um die Rolle, die NGOs und Zivilgesellschaft bei der Stärkung der Demokratie einnehmen können.

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