Titelseite Amosinternational 3/2025

Heft 3/2025Kampf ums Klima - Zehn Jahre nach Laudato Si' und dem Pariser Abkommen

Inhalt
1. Auflage 2025
Bestellnummer: Z940003

Herausforderung Klima. Kaum ein Tag vergeht, an dem das Thema uns nicht in den Nachrichten begegnet. Zurecht, denn viel Zeit, das Unabwendbare zumindest abzumildern bleibt nicht mehr. Doch mit den Maßnahmen zu Klimaschutz und Klimaanpassung geht es eher schleppend voran. Vieles muss in langwierigen Prozessen erkämpft, erstritten, errungen werden. Im neuen Heft Amosinternational wird dieser „Kampf ums Klima“ aus sozialethischen, rechtlichen, historischen und politischen Perspektiven beleuchtet.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 5

    Klimaschutz und AnpassungZwischen wohlverstandenen Eigeninteressen und globaler Gerechtigkeit

    Die Klimakrise stellt die Menschheit vor Herausforderungen, die Fragen der globalen und intergenerationellen Gerechtigkeit berühren: Wohlhabende Länder tragen historisch die Hauptverantwortung für Emissionen, während arme Menschen und zukünftige Generationen besonders verwundbar sind. Klimaschutz und Anpassung müssen daher wirksam, effizient und vor allem gerecht gestaltet werden. Auch wenn Eigeninteressen bei der Legitimation dafür zunehmend in den Vordergrund rücken, bleibt eine ethisch fundierte Klimapolitik unter Berücksichtigung von Menschenrechten, Solidarität und der Fähigkeit zur Lastenteilung unverzichtbar.

  • Plus S. 12

    Klimapolitik als Herausforderung der intergenerationellen Gerechtigkeit

    Das Konzept der intergenerationellen Gerechtigkeit ist umstritten. Vor allem in der sozialpolitischen Diskussion wird der Begriff Generation häufig als zu vage kritisiert, um mit ihm Politik machen zu können. Wie sieht es nun hinsichtlich der Klimapolitik aus? Generationengerechtigkeit hat den Vorteil, die intertemporale Komponente in die sozialethische Reflexion zu bringen und damit Rechte und Pflichten von zukünftig Lebenden thematisierbar zu machen. Die Reflexion über intergenerationelle Gerechtigkeit findet aber immer unter besonderen Unsicherheitsbedingungen statt; zum Beispiel stellt sich die Frage, wie man die Interessen von noch nicht Lebenden überhaupt repräsentieren kann. Der Aufsatz rezipiert, wie politische Ethiken den intertemporalen Aspekt in ihre Konzeption einbeziehen und wägt die Vor- uns Nachteile von intergenerationeller Gerechtigkeit mit dem Blick auf die Klimapolitik ab.

  • Plus S. 19

    Bisherige Entwicklungen und Perspektiven des Klimaschutzvölkerrechts

    Dem internationalen Klimaschutz widmen sich die Staaten der Erde im Rahmen völkerrechtlicher Verträge bereits seit einigen Jahrzehnten. Seit 1995 treffen sie sich auf jährlich stattfindenden Klimakonferenzen (COP), um über den Fortschritt seit der 1992 verabschiedeten Klimarahmenkonvention zu diskutieren. Trotz des gemeinsamen Willens zum internationalen Klimaschutz lag die durchschnittliche globale Oberflächentemperatur im Jahr 2024 laut dem Copernicus-Klimawandeldienst jedoch 1,6 °C über dem vorindustriellen Niveau – Tendenz weiter steigend. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die bisherige Entwicklung des Klimaschutzvölkerrechts, analysiert aktuelle Herausforderungen und untersucht darauf aufbauend Zukunftsperspektiven.

  • Plus S. 27

    Von Abwehrkämpfen zu sozial-ökologischen TransformationskämpfenAuf dem Weg zu einem Mobilitätssystem mit Zukunft

    Die Klimakrise spitzt sich zu und markiert das Scheitern der bisherigen Klimapolitik und der Klimabewegung. Der Beitrag lokalisiert die systemischen Ursachen für dieses Scheitern in den Zwängen, in denen sich Wirtschaft und Politik im Kapitalismus bewegen müssen und in denen auch die Klimabewegung gefangen ist. Um diese Sackgassen zu überwinden, schlägt der Artikel eine ökologische Klassenpolitik vor, die Beschäftigte als zentrale Transformationsakteure begreift und veranschaulicht sie anhand der Mobilitätsfrage. Auf Basis einer Analyse der Krisendynamiken in den Automobil-, Stahl- und Verkehrsgüterindustrien sowie im Nah- und Fernverkehr, schlägt der Artikel branchenübergreifende Bündnisse im gesamten Mobilitätssystem vor, die darauf abzielen, vereinzelte Abwehrkämpfe in zukunftsweisende sozial-ökologische Transformationskämpfe für ein Mobilitätssystem mit Zukunft zu überführen.

  • Plus S. 37

    Drei Perspektiven auf Laudato Si’

    Laudato Si’ stellte 2015 ein Novum in der Sozialverkündigung dar, weil sich erstmals ein Papst ausführlich mit ökologischen Fragestellungen auseinandersetzte. Drei Aspekte dieses Wandels werden im Folgenden behandelt. Die innerkirchliche und außerkirchliche Resonanz von Laudato Si’ betrachtet im ersten Beitrag Martin Schneider. Der Fokus liegt dabei auf den Eigentumsdebatten und Initiativen, die sich auf die Sozialenzyklika stützen, um für gemeinwohlorientierte Nutzung von Boden zu streiten. In Laudato Si’ betont Papst Franziskus zudem, wie groß die Herausforderung der ökologischen Krise und wie begrenzt und partikular sein eigener Beitrag zu deren Beantwortung ist. Für die Sozialverkündigung ergibt sich daraus – wie Bernhard Emunds zeigt – ein Selbstverständnis, das sich deutlich von dem früherer Jahrzehnte abhebt. Einen Kern von Laudato Si’ stellt das Narrativ der Verwobenheit von Mensch und Natur dar. Diese Perspektivenverschiebung beurteilt im dritten Beitrag Simon Reiners vor dem Hintergrund öko-feministischer Positionen. Diese wählen ebenfalls die Kritik am Mensch-Natur-Dualismus zum Ausgangspunkt eines anderen Umgangs mit der Welt.

  • Plus S. 45

    „Verwundbare Menschen sind zentrale Stakeholder, wenn es um Klimaanpassung geht“Interview zu Sozialen Fragen der Klimakrise

    Von Klimafolgen und den Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel sind Menschen unterschiedlich stark betroffen. Verwundbare Gruppen laufen Gefahr, noch stärker marginalisiert zu werden. Julia Teebken forscht zu diesem Thema und zeigt im Gespräch mit Amosinternational, warum der Klimawandel als „soziale Frage des 21. Jahrhunderts“ gilt. Ihrer Ansicht nach liegen die Wurzelursachen von Vulnerabilität nicht allein in natürlichen Gefahren oder Umweltbedingungen, sondern werden vor allem durch soziale, politische und wirtschaftliche Strukturen bedingt. Die Wissenschaftlerin spricht im Interview darüber, welche Möglichkeiten der Finanzierung für Anpassungsmaßnahmen es gibt, auf welche Weise zivilgesellschaftliche Akteure helfen, Orte klimaresilient zu machen und wie Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankert werden kann.

Arts & ethics

Buchbesprechungen