„LEMA“, Station XII, 2009–11

„LEMA“, Station XII, 2009–11

Siebdruck, Zeichnung und Gold auf Stoff, 100 × 140 cm
Station XII: „Nos enfermó de muerte el hospital“ („Das Krankenhaus sandte uns eine tödliche Krankheit“) aus dem Zyklus „LEMA“, 2009–11, Siebdruck, Zeichnung und Gold auf Stoff, 100 × 140 cm© Lilian Moreno Sánchez

Der Zyklus „LEMA“ (abgeleitet von „Lema Sabachtani“, der Verlassenheitsklage von Jesus am Kreuz: „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“) entstand zwischen 2009 und 2011 als Kreuzweg mit 14 Stationen. Die Künstlerin Lilian Moreno Sánchez verarbeitet in diesem konzeptionellen Rahmen der Passion Christi die tragischen Schicksale von Menschen, die der brutalen Diktatur August Pinochets in Chile im Zeitraum von 1973 bis 1988 zum Opfer fielen. Unzählige Menschen, vor allem Männer und Jungen, wurden entführt, gefoltert, getötet – ihre Angehörigen, die Ehefrauen, Mütter und Töchter, erfuhren erst Jahrzehnte später über den offiziellen Tod ihrer Männer und Söhne und erhielten ihre Knochenreste zur Bestattung zurück. Dieses unendliche Leid, das Menschen hier durch ein diktatorisches Regime erfahren haben, setzt Moreno Sánchez mit der Verwendung von Bettlaken aus den Haushalten von betroffenen Witwen als Leinwänden in Szene. Diese Laken sind mit Röntgenbildern von Lungen kranker Menschen bedruckt, gleichzeitig legt sich über dieses Röntgenbild das Kreuzsymbol eines Priestergewandes. Mit Goldfäden hat die Künstlerin die „Wunden“ der Leinwand vernäht, und ebenso in Gold leuchtet am unteren linken Bildrand der jeweilige Name der Witwe auf, die um ihren getöteten Mann trauert. Die spanische Inschrift in der Bildmitte stammt von der chilenischen Schriftstellerin Diamela Eltit. Als Hoffnungsstreifen erscheint im linken Bildteil das bearbeitete Foto der Künstlerin Lioba Schöneck, das eine junge Tanzgruppe aus Chile darstellt, die mit der Aufführung des Stückes „Paradise Twice“ für die Kraft des Wandels und eine bessere Zukunft steht.

Lilian Moreno Sánchez
ist 1968 im chilenischen Buin geboren, studierte bis 1993 Bildende Kunst an der Universidad de Chile und war dort bis 1995 in der Kunstlehre sowie bei mehreren kulturpolitischen Projekten als Leiterin aktiv. 1996 kam sie nach Deutschland und studierte dort an der Akademie der Bildenden Künste in München freie Kunst bei Prof. Gerd Winner. 1999 schloss sie ihr Studium als Meisterschülerin bei Prof. Winner ab und absolvierte 2000 einen Studienaufenthalt an der Scuola Internationale di Grafica in Venedig. Seit 1993 ist Lilian Moreno Sánchez mit Einzelausstellungen in Chile sowie in Deutschland präsent: Durch Ausstellungen wie „Tengo sed – mich dürstet“ im Römer-Pelizaeus-Museum Hildesheim 2013 oder „LEMA“ im Dominikanerkloster Braunschweig wurde sie einer größeren Öffentlichkeit bekannt, die Interesse an Statements zeitgenössischer christlicher Kunst hat. Die Künstlerin, die seit rund 30 Jahren in Augsburg lebt, fühlt sich nach wie vor als Botschafterin Chiles und arbeitet in ihren Kunstwerken die politischen Krisen dieses Landes von der Militärdiktatur eines Pinochet bis hin zu aktuellen Gesellschaftsprotesten auf. Sie konzentriert sich hierbei auf die Einzelschicksale der betroffenen Menschen, der Opfer und Angehörigen, und setzt ihre Leiden sowie ihre Hoffnungen in den christlichen Kontext von Passion und Gedenken.
http://morenosanchez.com/