Titelseite Amosinternational 1/2025

Heft 1/2025Gefährdete Demokratien

Inhalt
1. Auflage 2025
Bestellnummer: Z940001

Die allgegenwärtige Rede von der Krise der Demokratie hält die ganze Welt in Atem. Die Beiträge und Interviews des Heftes betrachten Potenzial und Krise der Demokratien. Rechtspopulismus, die Wahlerfolge der AfD sowie der Einfluss der Russischen Orthodoxen Kirche auf politische Allianzen werden in den Blick genommen. Darüber hinaus geht es um die Unterstützung Donald Trumps durch Evangelikale und den Einfluss ultrarechter internationaler Netzwerke.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Gratis S. 4

    Duo infernaleWie der liberale Antipopulismus den antiliberalen Populismus schürt und nährt

    Auch breiter zivilgesellschaftlicher Protest hat die gegenwärtige Welle des Rechtspopulismus nicht brechen können. Unser Beitrag zeigt auf, dass der dominante Modus der liberalen Populismuskritik hierfür mitursächlich ist. In der moralisierenden Gegenüberstellung von den „guten Demokraten“ und den „bösen Populisten“ wird die basale populistische Unterscheidung reproduziert. Zudem wird häufig mit einem idealisierten Bild der liberalen Demokratie operiert. Beides stärkt den Rechtspopulismus. Auch zwei neuerliche Strategien des liberalen Antipopulismus stimmen skeptisch. Weder eine Imitation des rechten Lagers noch weitere Entpolitisierungsschübe erscheinen zielführend. Eine klassentheoretische Deutung des Populismus rät zu einer anderen Herangehensweise und rückt stattdessen Fragen der materiellen Reproduktion und der sozialen Verteilungskämpfe in den Mittelpunkt.

  • Plus S. 12

    Politics as religion, or religion as politics?How the dynamic explains the state of U. S. democracy in the age of Trumpism

    In the contemporary United States, political and religious identities are increasingly intertwined, and faith communities are as polarized as the country at large. As a result, houses of worship often no longer function as meeting places where people of differing backgrounds can build bridges, but rather as political echo chambers, or even amplifiers of grievance and conspiracy. This is especially true of white evangelical Protestant communities, where support for authoritarianism—and even political violence—is growing. Donald Trump has skillfully navigated these trends, as white Christians lend their support to him at the highest levels relative to any religious group. Understanding this reality contributes to a well-rounded picture of U. S. populism and democratic backsliding and may help leaders who wish to stand up for liberal democracy.

  • Plus S. 25

    Unvereinbarkeit von AfD und Kirche?(Selbst-)Kritische Reflexionen

    Die Partei Alternative für Deutschland und ihre Programmatik fordern das demokratische Bewusstsein der katholischen Kirche heraus. Denn es gibt immer wieder Berührungspunkte und Allianzen zwischen AfD und katholischen Akteuren in extrem rechten Kontexten und entlang bestimmter Themen. Der Beitrag zeichnet nach, wie die AfD und Teile des katholischen Milieus in extrem rechte Netzwerke eingebunden sind. Anhand zweier Schlüsselthemen – Migration und Gender/Familie – wird diskutiert, wie die AfD strategisch auf christliche Themen zugreift. Vor allem beim Thema Gender/Familie zeigt sich jedoch auch, dass zwischen kirchlichen und AfD-Positionen ohnehin große Überschneidungen, ja Übereinstimmungen vorliegen. Daher geht es nicht nur darum, eine Unvereinbarkeit zwischen der AfD und der Kirche festzustellen und zu begründen, sondern auch um eine selbstkritische Aufklärung über demokratiegefährdende Entwicklungen innerhalb der Kirche selbst.

  • Plus S. 35

    Von der konservativen Identitätssuche zum identitären KriegOrthodoxe Kirchen als Akteure illiberaler Allianzen

    Die meisten orthodoxen Kirchen mussten sich nach dem Ende des Kalten Krieges äußerst schnell in der Welt des Marktliberalismus und demokratischer Politik zurechtfinden. In der Situation umfassender Transformationen kam die grundsätzlich konservative Haltung der Kirchen der gesellschaftlichen Suche nach neuer Stabilität entgegen. An vielen Orten verbanden sich in diesen Prozessen orthodoxe und nationale Identitätsnarrative. Die Russische Orthodoxe Kirche nahm schnell eine Führungsrolle im orthodoxen Diskurs ein und konnte mit entsprechender politischer Unterstützung sowohl ökumenisch als auch politisch illiberale Allianzen ausbauen und verstärken. Mit Russlands Krieg gegen die Ukraine eskalierte schließlich der ideologische Kampf gegen die liberale Gesellschaftsordnung und machte damit auch den fehlenden christlichen Konsens zu Demokratie und Menschenrechten offensichtlich.

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Beitrag

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