"Marienaltar"

Michael Triegel: „Marienaltar“ (Mitteltafel), 2022

Acryl, Öl, Eitempera, Blattgold auf MDF, 242 × 220,7 cm
„Marienaltar“ (Mitteltafel), 2022, Acryl, Öl, Eitempera, Blattgold auf MDF, 242 × 220,7 cm© Michael Triegel, Foto: Galerie Schwind, Leipzig; VG Bild-Kunst

Für den Westchor des Naumburger Doms schuf der Künstler 2022 die Mitteltafel sowie Predella des Marienaltars, der bis dahin als Fragment mit nur zwei erhaltenen Außenflügels von Lucas Cranach dem Älteren von 1520 erhalten war. Auf der Mitteltafel im Inneren des Altars hat Michael Triegel die sogenannte „Sacra Conversazione“ dargestellt: ein Darstellungstypus der „Heiligen Familie“, der die Madonna mit dem Christuskind zeigt, umgeben von den Patrozinien-Heiligen sowie besonderen Heiligen aus der Region. Der Künstler transferiert diesen „heiligen Dialog“ in die Jetztzeit, in dem er Maria und ihrer Mutter Anna die Züge seiner Tochter und seiner Ehefrau gibt und z. B. den evangelischen Theologen und Märtyrer Dietrich Bonhoeffer als Heiligen des 20. Jahrhunderts integriert. Apostel Petrus am rechten Bildrand wird als bärtiger Mann mit Basecap porträtiert – für seine markanten Gesichtszüge stand ein Obdachloser in Rom Pate. Neben ihm steht ein Rabbi, der stellvertretend für die jüdische Religion an der Kommunikation beteiligt ist. Das Porträt des dunkelhäutigen Jungen mit weißer Büßerkappe, ein Messdiener aus der Karfreitagsprozession im italienischen Procida, ist die Bezugnahme auf den Hl. Mauritius, der als Märtyrer in der Naumburger Region verehrt wurde. Michael Triegel schafft mit diesem Altarbild trotz – oder gerade wegen der vielen ikonografischen Bezüge ein zeitgemäßes Tableau eines Dialogs über das Heilige, an dem jede:r teilnehmen kann. Der Künstler selbst beschreibt dieses Miteinander wie folgt: „Dabei war es mir wichtig, jedes Teil dieser Gemeinschaft in seiner unmittelbaren Individualität und Einmaligkeit, in seiner Würde und menschlichen Schönheit darzustellen, um so der Utopie eines einander stärkenden und schützenden Miteinander Ausdruck geben zu können.“

Michael Triegel
ist neben Neo Rauch der bekannteste Vertreter der Neuen Leipziger Schule, die sich in ihrer Malerei durch eine figürliche Formensprache und den Einsatz von klassischen künstlerischen Techniken auszeichnet. So ist der 1968 in Erfurt geborene Künstler neben der Anfertigung von großformatigen Altarbildern im altmeisterlichen Stil der Frührenaissance besonders auch durch sein grafisches Werk bekannt geworden. Triegel ließ sich 2014 katholisch taufen, vorher, 2010 und 2013, porträtierte er Papst Benedikt XVI. und machte sich dadurch als zeitgenössischer Künstler einen Namen, der sich intensiv mit christlichen Themen und Motiven auseinandersetzt. 2022 geriet ein Konflikt um die Auftragsarbeit des Triegel-Cranach-Altars für den Westchor des Naumburger Doms medienwirksam in die Öffentlichkeit: Es wurden denkmalpflegerische Bedenken hinsichtlich des Originalstandortes des Altars angemeldet, und der Altar ging auf eine Exilreise in unterschiedliche Diözesanmuseen. Im November 2023 kehrte der Triegel-Cranach-Altar jedoch zurück nach Naumburg und kann dort nun als liturgische Kirchenausstattung bestaunt und erlebt werden.
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