Titelseite Amosinternational 3/2024

Heft 3/2024Machtdynamiken

Inhalt

Wo Menschen einander begegnen, sozial interagieren und Gemeinschaften bilden, ist auch immer von Macht die Rede. Diese Macht ist nie statisch, sondern verändert sich, weshalb von „Machtdynamiken“ gesprochen werden muss. Die neue Ausgabe Amosinternational analysiert Machtverhältnisse in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kirche. Die zwischenmenschlichen Interaktionen werden dabei mit Fokus auf Machtasymmetrien und Machtungleichheit in den Blick genommen.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 5

    Dynamik digitalisierter MachtEin Blick auf Legitimitätsprobleme digitaler Herrschaft

    Der digitale Raum wird wesentlich geprägt von Plattformen, also sozialen Konstruktionen, die bestimmte Verbindungen ermöglichen oder vereinfachen. Indem sie diese Verbindungen zwischen ihren Nutzer:innen strukturieren und herstellen, haben sie diverse Möglichkeiten zur Ausübung von Macht. Weil sie dabei notwendig eine soziale Ordnung herstellen und gestalten, agieren sie nicht nur als Anbieter:innen eines Produkts, sondern auch als Institutionen digitalisierter Herrschaft. Die Legitimität dieser Herrschaft ist jedoch sozialethisch fragwürdig, denn sie speist sich aus individualisierten Entscheidungen, die in unterschiedlichem Maß als unfrei gelten müssen. Eine demokratische Regulierung großer digitaler Plattformen stößt darum notwendig an ihre Grenzen, solange dieses grundlegende Legitimationsproblem nicht adressiert wird.

  • Plus S. 13

    Zwischen Machtmissbrauch, Ermächtigung und SelbstbestimmungErwägungen zu einem operationalisierbaren Machtbegriff

    Es geht nicht ohne Macht: Wer gestalten will, wer überhaupt handeln will, der wendet Macht an. Wann wird das Anwenden von Macht problematisch und damit Machtmissbrauch? Was ist der Maßstab dafür, dass Machtanwendung überhaupt zumindest ethisch gerechtfertigt ist, bzw. sein kann? Sollte man vielleicht besser auf den Machtbegriff ganz verzichten? In diesen Überlegungen soll einem Machtbegriff nachgegangen werden, der einerseits einfach genug ist, dass damit eine Analyse und Orientierung für das Handeln gegeben ist und der dennoch differenziert genug ist, um für wissenschaftliche Diskurse anschluss- und kritikfähig zu bleiben. In der Verbindung eines Machtbegriffs der sich an die Kritische Theorie anlehnt mit dem normativen Maßstab der Selbstbestimmung lassen sich zumindest orientierende Maßstäbe für die Praxis identifizieren.

  • Plus S. 19

    Commoning, Macht und Gegenmacht

    Der Beitrag beschäftigt sich mit Commons, verstanden als Praktiken und soziale Strukturen, in denen Menschen ihre gemeinsamen Probleme in selbstorganisierter Art und Weise bewältigen, und Commoning, das durch die Verbform die besondere Dynamik dieser gemeinschaftlichen Organisationsformen erfasst. Nach einer Klärung der Konzepte wird aufgezeigt, welche Potenziale darin liegen könnten. Weil Gemeinschaften aber in der Gefahr stehen, exklusiv, repressiv oder gar autoritär zu werden, wird anschließend erörtert, was diese Gefahr im Commoning eindämmt. Dazu wird zunächst knapp die Bedeutung von Freiheit, dann ausführlicher die der Macht reflektiert. In Anlehnung an Daniel Loicks Konzept der Gegengemeinschaft wird schließlich eruiert, wie diese Gegengemeinschaften Macht entfalten und inwieweit das für das Commoning gilt, sowie welche transformativen Potenziale von dort ausgehen könnten.

  • Gratis S. 26

    Democratic participation reconsideredTowards science-informed policy deliberation in sustainability governance

    Um ungute Machtdynamiken in der Klima- oder generelleren Nachhaltigkeitspolitik zu verändern, ist Bürgerbeteiligung ein vielversprechender Ansatz, auch angesichts des schwindenden Vertrauens in die Demokratie. Allerdings müssen solche Prozesse die wissenschaftliche Komplexität von Nachhaltigkeitsproblemen und die damit verbundenen unterschiedlichen ethischen Werte besser berücksichtigen. Dieser Artikel stellt einen innovativen Ansatz einer wissenschaftsinformierten, partizipativen Deliberation (Beratschlagung durch Austausch von Gründen) über Politikoptionen vor. Aufbauend auf der pragmatistischen Philosophie von John Dewey fordert der Ansatz eine gemeinschaftliche, wissenschaftlich fundierte, iterative Erkundung politischer Handlungsalternativen im Licht ihrer verschiedenen praktischen Implikationen, wobei verschiedene ethische Werte systematisch integriert werden sollen. Als zentrales Beispiels dieses Artikels dient das kommunale Waldmanagement im Projekt „WaldBrandenburg“.

  • Plus S. 36

    Mächtige Influencer:innen?Eine Analyse vor dem Hintergrund des spirituellen Machtmissbrauchs

    Religiöses Leben findet auch im digitalen Raum statt: Christliche Inhalte sind in den Sozialen Medien präsent und werden dort verbreitet. Deshalb stellt sich die Frage nach spirituellem Missbrauch auch dort. In diesem Beitrag sollen etablierte Kriterien zum Umgang mit spirituellem Missbrauch auf den Social-Media-Bereich angewandt sowie Interviews mit Expert:innen ausgewertet werden. Dabei zeigt sich, dass es Tendenzen zu geistlichem Missbrauch auf Social Media gibt und entsprechender Handlungsbedarf auf den verschiedenen Ebenen besteht. Das Feld für weitere Forschung, besonders in Bezug auf normative Vorgaben für die Rolle der Plattformen, ist bereitet.

Arts & ethics

  • Plus S. 28

    "Auferstehung"

    "Auferstehung"

    Michael Triegel: „Auferstehung“, 1996

Interview

Buchbesprechungen