Titelseite Amosinternational 3/2023

Heft 3/2023Die globale Transformation - sozial, ökologisch, utopisch?

Inhalt

Das neue Heft Amosinternational nähert sich dem Thema sozial-ökologischer Transformation in Verbindung mit den zunächst schillernden Begriffen von Freiheit, Wohlstand, Lebensqualität, Fortschritt und Konsum. Die Beiträge behandeln das Zusammenspiel von ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit unter verschiedenen Gesichtspunkten, die zum Nachdenken, Diskutieren und Handeln anregen sollen.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 3

    Transformation und die (Wieder‑) Einbettung von Marktkräften, Unternehmertum und Technologieentwicklung

    Die zentralen Herausforderungen unserer Zeit, die weltweite Armut, wachsende soziale Ungleichheiten, Friedenssicherung und die Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen, sind eng miteinander verknüpft und müssen gemeinsam gelöst werden. Dies hat Papst Franziskus in seiner im Jahr 2015 veröffentlichten Enzyklika Laudato si’ deutlich gemacht. Er drängt auf eine umfassende Problemanalyse und eine neue Idee von Fortschritt, die Zukunft hat und ermöglicht.

  • Plus S. 7

    Die sozial-ökologische Transformation und ihre Stellschrauben

    Mit der Studie „Wie sozial-ökologische Transformation gelingen kann“ prägten die Mitglieder der Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ (SWS) der Deutschen Bischofskonferenz den Begriff von zentralen „Stellschrauben“, welche die Blockaden des Wandels aufbrechen und den Wandel erleichtern können. Der folgende Beitrag zeigt, wie sich die Sachverständigengruppe damit im weiten Feld von interdisziplinärer Transformationsforschung positioniert und gibt einen Überblick über deren zentralen Empfehlungen.

  • Plus S. 14

    Freiheit, ja – aber welche?Zum Verhältnis zwischen Freiheit, Gerechtigkeit und einem guten Leben

    Als eine der maßgeblichen Errungenschaften der Moderne wird Freiheit heute als zentraler Baustein für Lebensqualität wertgeschätzt. Es stellt sich jedoch die Frage, welcher Freiheit es bedarf, um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen. Derzeit wird insbesondere individuelle Konsumfreiheit für unsere Gesellschaften für konstitutiv gehalten. Dies tritt jedoch in einen Konflikt mit der Möglichkeit, ein gutes Leben für alle, die jetzt und in Zukunft leben, zu erreichen und damit auch mit Grundsätzen der Gerechtigkeit. Aus diesem Grund sind einem Verständnis von Freiheit und Lebensqualität, welches primär auf Grenzenlosigkeit des Konsums basiert, eine bedürfnisbasierte Perspektive auf ein gutes Leben für alle sowie damit verbunden alternative Freiheitskonzeptionen entgegenzustellen, die insbesondere auf qualitative Aspekte verweisen. Beispiele für die gemeinsame Umsetzung von Freiheit, Lebensqualität und Gerechtigkeit liefern die Capabilities- und Konsumkorridor-Ansätze.

  • Plus S. 21

    Neue Indikatoren für Lebensqualität und Wachstum

    Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird seit Jahrzehnten von Politik, Öffentlichkeit aber auch von Teilen der Wissenschaft als wichtigstes Maß nicht nur für Wirtschaftswachstum, sondern auch als Indikator für Lebensqualität betrachtet. Der Beitrag diskutiert einige Indikatoren zu Wachstum und Lebensqualität als Alternative zum BIP: Indikatorensysteme, zusammengesetzte Indices und Gesamtrechnungsansätze. Dabei wird deutlich, dass es nicht die eine große und schöne Lösung zum Ersatz des BIP gibt, aber mehrere wertvolle Ergänzungen. Wie bestimmte, uns selbstverständlich erscheinende Konzepte wie Wachstum und Lebensqualität gemessen werden, prägt das Verständnis dieser Konzepte entscheidend mit. Es ist auch Aufgabe künftiger Diskussionen, das Wissen um diesen Zusammenhang wach zu halten.

  • Plus S. 31

    Social resilience and sustainable developmentLessons from small farmers in Southern Africa

    Kleinbauern im südlichen Afrika haben mehrere Krisen erlebt. Fallstudien in Simbabwe haben gezeigt, dass in der Vergangenheit oft eine Kombination verschiedener Strategien den Kleinbauern geholfen hat sich zu behaupten: Konzentration auf die produktivsten Teile ihres Bodens, Marktorientierung und Diversifizierung, unterstützt durch vier Faktoren, nämlich die Verfügbarkeit von Betriebsmitteln, finanzielle Unterstützung, der Grad der sozialen Organisation und formale Besitzverhältnisse. Auf der Grundlage dieser Erkenntnissen bietet der Artikel NGOs, Regierungen, Landwirten und internationalen Organisationen Ratschläge, um eine „nachhaltige Intensivierung“ der Landwirtschaft zu unterstützen, die die bereits vorhandenen Bewältigungsmechanismen der lokalen Landwirte einbezieht.

  • Plus S. 39

    Rethinking our EconomyEine Anfrage der jungen Generation an das aktuelle Wirtschaftssystem

    Die Koordinatoren dieser Ausgabe haben zwei Studierende aus der „Generation Z“ (Jahrgang 1995–2010) eingeladen, sich in einem Meinungsbeitrag direkt und gewissermaßen „ungefiltert“ an eine breitere Öffentlichkeit zu wenden. Die beiden Nachwuchskräfte schildern ihr Unbehagen mit der scheinbaren Alternativlosigkeit des aktuellen Wirtschaftssystems, das sie als eine der Hauptursachen der globalen Krisen des 21. Jahrhunderts identifizieren. Aus Gesprächen mit fünf Expert:innen verschiedener Fachgebiete entwickeln sie fünf Handlungsempfehlungen für eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft. Der Beitrag soll eine Einladung darstellen, sich fach- und generationsübergreifend über unterschiedliche Ansichten und Lösungsansätze auszutauschen und ein anderes, zukunftsfähigeres Wirtschaftssystem zunächst „denkbar“ und dann greifbar zu machen.

Arts & ethics

Interview

  • Gratis S. 47

    „Wir müssen Naturkapital zurück in die ökonomische Gleichung holen“Sonja und Martin Stuchtey wollen Quadratmeter für Quadratmeter die Welt retten

    Bei einer Temperatur von 46 Grad verliert Geld drastisch an Wert, so die Einschätzung des Unternehmer-Ehepaars Martin und Sonja Stuchtey. Natur soll deshalb gesellschaftlich wieder als kritische Infrastruktur und Wohlstandskomponente anerkannt werden. Um den Wert von Naturkapital bemessen zu können, haben Martin und Sonja Stuchtey die „Landbanking Group“ gegründet, die jeden Quadratmeter der Erde mit einem ökologischen Pass ausstatten will. Mit Amosinternational haben sie darüber gesprochen, was für ein Zielbild hinter dem Unternehmen steht, welche Bedeutung Kreislaufwirtschaft, sozial-ökologische Transformation, Bildung und Wertewandel in diesem Kontext haben und warum wir ein neues Verständnis von Wohlstand und Reichtum brauchen.