Plus
S. 18
Die folgenden Überlegungen sind einem besonderen literarischen Genus verpflichtet: Einerseits sind sie eine Reflexion auf meine langjährige Tätigkeit bei der UNO, andererseits stoßen sie in einen komplexen theoretischen Raum der Menschenrechtsthematik vor, den ich nur thesenartig, aber zugespitzt mit eigenen Forderungen ausleuchten kann. Ich bin aber der Überzeugung, dass die thesenartig formulierten Postulate eine besondere Kontur, aber auch eine besondere Dringlichkeit auf dem Hintergrund meiner Praxiserfahrung erhalten. In den letzten zwölf Jahren war ich als „Ambassador for Peace“ der UNO verschiedentlich an Missionen, Konferenzen und Meetings beteiligt – sei es am Sitz in Genf oder New York, aber auch vor Ort in jeweiligen Konfliktgebieten (Syrien, Jerusalem, Seoul, Addis Abeba, Kongo-Kinshasa etc.). Die Erfahrungen dieser Konfliktmissionen haben mir den Blick geschärft für kulturelle Vielfalt, kulturelle Differenzen, aber auch für Entstehungsbedingungen politischer, kultureller und religiöser Spannungen, die jederzeit in Ausgrenzung, Unterdrückung, Gewalt und Krieg münden können; sie haben mir aber auch den Blick geschärft für das «Rettende“, für versöhnende und friedenstiftende Potenziale, die vor allem in lokalen und lange eingeübten Traditionen der jeweiligen Regionen bzw. Ethnien schlummern. Gerade sie bilden ein erhebliches Anknüpfungspotenzial für Verständigung, für Strategien der Konfliktentschärfung und der Humanisierung inhumaner Verhältnisse. Von Adrian Holderegger