Titelseite Amosinternational 4/2022

Heft 4/2022Die gemeinsame Verantwortung der Religionen

Inhalt

Die Religionen dieser Welt können die gegenwärtigen Herausforderungen nur gemeinsam bewältigen. Sie verfügen über eine kulturelle Prägekraft und Gestaltungsmacht für das Zusammenleben der Völker auf diesem Planeten. Die Beiträge dieses Heftes befassen sich mit der Verantwortung der Religionen, ihre gemeinsame Werte dafür zu nutzen, diese Welt zu einem lebenswerte Ort zu machen.

Über diese Ausgabe

Editorial

Schwerpunktthema

  • Plus S. 11

    Religionen als politische Inspiration?Theologie der Weltgestaltung: Christentum und Islam

    In pluralen Gesellschaften sind Religionen keine Einheitsstifter mehr. Sie können jedoch Orientierungswissen für Entscheidungssituationen bereithalten. Der Islamwissenschaftler und Jesuit Felix Körner bietet hierfür den Begriff an: Religion als Inspiration, also als Prägefaktor für das persönliche Gewissen und das gemeinsame Bewusstsein. Wie geschieht das konkret, beispielsweise auf dem Weg zur sozial-ökologischen Transformation? Das Christentum leistet dies mit der Botschaft vom bereits kommenden Gottesreich („geschichtlich“), der Islam über den Ruf in die menschliche Verantwortung vor dem Jüngsten Tag („gerichtlich“).

  • Plus S. 18

    Die schwierige Vermittlung der MenschenrechteEin anderer Zugang

    Die folgenden Überlegungen sind einem besonderen literarischen Genus verpflichtet: Einerseits sind sie eine Reflexion auf meine langjährige Tätigkeit bei der UNO, andererseits stoßen sie in einen komplexen theoretischen Raum der Menschenrechtsthematik vor, den ich nur thesenartig, aber zugespitzt mit eigenen Forderungen ausleuchten kann. Ich bin aber der Überzeugung, dass die thesenartig formulierten Postulate eine besondere Kontur, aber auch eine besondere Dringlichkeit auf dem Hintergrund meiner Praxiserfahrung erhalten. In den letzten zwölf Jahren war ich als „Ambassador for Peace“ der UNO verschiedentlich an Missionen, Konferenzen und Meetings beteiligt – sei es am Sitz in Genf oder New York, aber auch vor Ort in jeweiligen Konfliktgebieten (Syrien, Jerusalem, Seoul, Addis Abeba, Kongo-Kinshasa etc.). Die Erfahrungen dieser Konfliktmissionen haben mir den Blick geschärft für kulturelle Vielfalt, kulturelle Differenzen, aber auch für Entstehungsbedingungen politischer, kultureller und religiöser Spannungen, die jederzeit in Ausgrenzung, Unterdrückung, Gewalt und Krieg münden können; sie haben mir aber auch den Blick geschärft für das «Rettende“, für versöhnende und friedenstiftende Potenziale, die vor allem in lokalen und lange eingeübten Traditionen der jeweiligen Regionen bzw. Ethnien schlummern. Gerade sie bilden ein erhebliches Anknüpfungspotenzial für Verständigung, für Strategien der Konfliktentschärfung und der Humanisierung inhumaner Verhältnisse.

  • Plus S. 25

    Religion und Umweltverantwortung: Grüne Glaubensgemeinschaften und Ökospiritualität

    Die Debatte um Nachhaltigkeit und Klimawandel fokussiert vor allem wirtschaftliche, politische und technologische Lösungen. Religion fällt dabei oft aus dem Blick. Doch sie verfügt über Ressourcen (z. B. Einfluss auf Weltbilder und Werte), die für die sozial-ökologische Transformation erforderlich sind, von anderen sozialen Sphären wie Politik oder Wissenschaft aber nicht mobilisiert werden können. Ziel dieses Beitrags ist es, einen Einblick in die Diskussion um Religion und nachhaltigen Wandel zu geben. So werden unterschiedliche Ebenen vorgestellt, auf denen religiöse Institutionen in diesem Zusammenhang Verantwortung übernehmen können, wobei auch die entsprechende Rolle alternativer spiritueller Religionsformen zur Sprache kommen soll.

  • Gratis S. 34

    „Dekolonisierung des Bewusstseins“Wie seelische Heilung und weisheitsorientierte Politik zur Bewältigung globaler Herausforderungen beitragen können

    Interview zur Rolle von Spiritualität und Religion für nachhaltige Entwicklung
    Khushwant Singh bringt beruflich wie ehrenamtlich Menschen aus Politik, Wissenschaft Religionen und weiteren zivilgesellschaftlichen Hintergründen zusammen, um gemeinsam an einer guten Zukunft für Mensch und Natur zu arbeiten. Religiöse Akteure sind für ihn mit entscheidend, um die Agenda 2030 zu erreichen. Mit ihr hat sich die Weltgemeinschaft 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung gesetzt. Singh geht davon aus, dass nur mit dem Wissen, den Ressourcen, Netzwerken und Erfahrungen von Religionsgemeinschaften ein gelingendes Miteinander möglich ist. Da Spiritualität das Herz anspricht, ist sie laut Singh nicht nur bei existenziellen Fragen von Bedeutung, sondern auch im Bereich der Verhaltensänderung. Zu dieser Perspektive inspiriert hat Singh seine in der Sikhi, der Sikh-Religion, verwurzelte Spiritualität. Privat, beruflich und ehrenamtlich dienen ihm die aus dieser Tradition hervorgehenden universellen Weisheiten und Werte mit der Gleichwürdigkeit aller Menschen als Grundlage. Amosinternational sprach mit ihm über das Friedenspotenzial von Religion, intuitive und evozierte Ethik, seelische Heilung, Kolonisierung, weisheitsorientierte Politik und einen ganzheitlichen Index zur Messung des Wohlbefindens von Mensch, Tier und Umwelt.

Arts & ethics

Beitrag

  • Gratis S. 41

    Markenkern mit MehrwertEthische Ausgestaltung einer wertorientierten Kultur in kirchlichen Organisationen und Einrichtungen

    Was macht den Markenkern kirchlicher Organisationen im Gesundheits-, Sozial- oder Bildungswesen aus, die ebenso grundlegend pastorale Orte sind, in denen der Sendungsauftrag Jesu seine Entfaltung findet? Der Mehrwert eines Markenkerns, der fachliche Standards übersteigt, entsteht letztlich dadurch, dass Mitarbeiter:innen unterschiedlicher Funktionsebenen überzeugt sind von christlichen Werten und den Idealen der entsprechenden Einrichtungen. Menschen und Werte sind damit der wesentliche Erfolgsschlüssel der Organisationen. Ausgehend von diesem Markenkern+ werden Gründe, Herausforderungen und die Funktion christlicher Werte in den jeweiligen Bereichen aufgezeigt. Es wird deutlich, dass eine christliche Organisationskultur wesentliche Auswirkungen auf die Organisationen in ihrer Innen- und Außenwirkung einnimmt.

Bericht

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