Das Motiv des Doppelgängers bzw. auch das des Januskopfes bekommt im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz eine neue Dimension: Nun ist es nicht mehr das eigene Ich, das in psychischer Spaltung Zwiesprache hält oder dem Gegenüber seine Doppelgesichtigkeit zeigt, sondern es gibt nur noch das eine eigene Gesicht, das in vermeintlich ständiger Selbstspiegelung schon lange seine Profilbildung an die Algorithmen abgegeben hat. Die doppelköpfige Skulptur „Sei Dein Gott“ spielt mit diesem Vexierspiel: Zwei Normköpfe, gewebt aus Flatterband, sind in der Waagerechten angeordnet und um 180 Grad gegeneinander gedreht. Zwischen ihnen ist das Flatterband in einem lockeren Knäuel in Auflösung begriffen; und auch am rechten Kopf hängt ein Flatterbandende herunter und erweckt den Eindruck, dass man damit das gesamte Skulpturgewebe auftrennen könnte. Die Dialog- und Korrektivfunktion des Doppelgesichts geht verloren, es bleibt ein Selbstnormierungswahn, der bereits komplett digital gesteuert wird.
Birgit Feike
(geboren in Bottrop), lebt und arbeitet als Künstlerin und Goldschmiedin in Dortmund. Nach ihrer Lehre zur Goldschmiedin arbeitete sie zunächst als Dekorateurin in verschiedenen Branchen und studierte anschließend von 2012 bis 2015 Bildende Kunst an der Ruhrakademie Schwerte. 2015 schloss sie ihr Kunstdiplom bei Gesine Grundmann ab und eröffnete 2016 ihr eigenes Kunstatelier Phoenix West in Dortmund-Hörde. 2019 beteiligte sie sich am Projekt „Water Event“ von Yoko Ono am Museum für Bildende Künste in Leipzig und war mit der Einzelausstellung „willst du mit mir gehen, willst du?“ in der Katholischen Akademie Schwerte vertreten. Aktuell arbeitet Birgit Feike an einem vom Land NRW geförderten Stipendienprojekt im öffentlichen Raum, bei dem sie unter dem Titel „Grenzflächen“ temporäre Flechtobjekte aus Absperrband als Intervention im Raum platziert.
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